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Mit schrägen Hip-Hop-Pop-Songs, verrückten Kostümen und wilden Live-Shows sind Deichkind seit über 20 Jahren im Musikgeschäft. 2020 kommen die Paradiesvögel wieder auf Tour, mit Halt unter anderem in Dortmund, Münster und Köln.

Im Gespräch mit Scenario

Deichkind sind immer noch Party-Profis, aber...

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Deichkind sprechen mit Scenario über ihr neues Album, wie Ihr (Party-)Leben aussieht und auch über ihre gesellschaftlichen Beobachtungen...

Deichkind – eine Band, die das ironische Spiel mit den Hip-Hop- und Popkultur-Klischees auf die Spitze treibt. Seit ihrer Gründung vor über 20 Jahren hat die Performance-Gruppe aus Hamburg eine besondere künstlerische Ausrichtung zwischen Feuilleton und Straße entwickelt. Ihr neuester Streich ist das Album „Wer Sagt Denn Das?“, das am 27. September erscheint. Es mutet an wie ein babylonisches Klanggewitter, bei dem die Rapper Kryptic Joe, Porky und La Perla Stammtischsprüche und Verschwörungstheorien zu Hymnen gegen den Hass verquicken. Wir trafen die Paradiesvögel der deutschen Musikszene in ihrem Hauptquartier im Hamburger Schanzenviertel. 

Wie findet Ihr es, oft nur als Partyband wahrgenommen zu werden?

Wir sind mit Deichkind immer dann mit einem Song oder einer Bühnenshow auf den Punkt gekommen, wenn alles gleichzeitig passierte: das Schreckliche und das Schöne. Das Prollige und das Intellektuelle. Das Dumme und das Schlaue. Lowtech und Hightech. Bei uns geht es immer um Kontraste. Deswegen bringen wir wahrscheinlich so viele unterschiedliche Leute an einen Ort: Wir fangen gleichzeitig den Feuilletonisten und den Späti-KioskRumlungerer ein und lassen sie zusammen schwingen. 

Ist „Wer Sagt Denn Das?“ aus Euren gesellschaftlichen Beobachtungen heraus entstanden? 

La Perla: Die Nummer saugt wie ein Schwamm alles auf, was da gerade so an Konflikten, Kloaken, Ängsten, Verunsicherungen, Filterblasen, Denkfaulheit und Engstirnigkeiten existiert. Das alles wurde von uns ausgewrungen und in einen Song gegossen. Die einzelnen Geschmacksrichtungen sind dabei im Schwamm dringeblieben, um sie hinterher noch rausschmecken zu können. Aber es ist ein Gericht draus geworden. 

Die Zeiten sind schwierig geworden

Kryptik Joe: Für mich ist es der wichtigste Song auf dem Album, weil der Inhalt relevant ist und uns am längsten beschäftigt hat. Die Zeiten sind wirklich sehr komplex und schwierig geworden, was Rechtspopulismus und gesellschaftliche Spaltung mit Klimawandel betrifft. Das sind alles Dinge, die uns beschäftigen. 

Wie wolltet Ihr diese Themen künstlerisch verarbeiten, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben? 

Kryptik Joe: Wir wollten Fragen stellen und damit klarstellen, dass wir dazu eine Haltung haben. La Perla: Diese Themen müssen aufs Tablett. Man kann nicht mehr so tun, als würden sie sich von selber regeln. 

Porky: Man sieht in unserem Genre die völlige Resignation. Der absolute Flachköpper in den Konsum und die Drogen. Ich hau mir rein, der haut sich rein, das zieh ich mir, das kauf ich mir! Wir wollen uns lieber wirklich mit Problemen auseinandersetzen und das Gefühl der Ohnmacht, das viele gerade spüren, sichtbar machen. Mit der Frage „Wer sagt denn das?“ erhoffe ich mir, dass eine Pause entsteht vom mentalen Lärm und mehr ist als nur Konsum. 

Drückt der Song „Keine Party“ den Zwiespalt aus, in dem Ihr Euch selbst befindet? Man erwartet von Euch, dass Ihr ständig Party macht, aber aus dem Alter seid Ihr eigentlich raus… 

Kryptik Joe: Das ist die eigene Ambivalenz. Wir sind aber Partyprofis. Was anderes können wir eigentlich nicht. Nichtsdestotrotz erforschen wir gerade das Leben nach der Party. Das soll zusammengemischt sein in solch einem Song. Ein interessanter Ausgangspunkt für Inszenierungen, weil wir uns hier in einen Bereich hineinbegeben, der sich außerhalb unserer Komfortzone befindet. Um dann damit umzugehen und etwas Tolles daraus zu machen. 

Porky: Und der Song hat ein Gewand. Wir versuchen, unsere Karrieren mit Hässlichkeit zu beenden. Das Lied hat etwas, was mich erschaudern lässt. Es ist ein musikalischer Harakiri. Ein Zombie sozusagen. 

Kryptik Joe: Es ist wie eine Glühbirne, in die Fliegen fliegen: Man weiß, dass man dabei stirbt, aber man kann der Lampe nicht widerstehen.

Deichkind kommen 2020 auf Tour in unsere Nähe: 

25. Februar, 20 Uhr. Münster, Halle Münsterland. 

29. Februar, 20 Uhr. Köln, Lanxess Arena.

4. März, 20 Uhr. Dortmund, Westfalenhalle.

Karten gibt es – soweit verfügbar – im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline Tel. 0209 / 14 77 999.

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