In dunkler Kulisse sitzen die fünf Bandmitglieder der Giant Rooks auf Lederstühlen nebeneinander. Frederik, der Sänger, sitzt ein wenig hervorgehoben.
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Aus Schulkameraden und Bekannten sind im Laufe der Giant-Rooks-Geschichte wahre Freunde zusammengewachsen. Frederik (zweiter von rechts) und Finn (zweiter von links) haben uns von ihren Band-Anfängen berichtet.

Im Gespräch mit Scenario: Giant Rooks

Die Idee zum Albumtitel kam im Zug

  • Janine Jähnichen
    vonJanine Jähnichen
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Ihre Songs laufen im Radio rauf und runter und bald gibt’s die erste lange Platte von ihnen. Die Giant Rooks bleiben auf Erfolgskurs.

Ausverkaufte Konzerte, eine geplante Tour in den Staaten, Förderpreise: Die Giant Rooks haben den Sprung von einer Schülerband zum großen Erfolg geschafft und leben aktuell den Traum vieler Nachwuchskünstler. Ende August erscheint nun endlich das von ihren Fans lang ersehnte Debutalbum „Rookery“. Wir haben mit Sänger Frederik und Gitarrist Finn über die Aufregung der letzten Monate und die neuen Songs gesprochen.

2015 habt Ihr Euch komplett als Band zusammengefunden. Ihr beide habt da gerade Euer Abitur gemacht. Wie schafft man es, neben dem Schulabschluss eine Band zu gründen?
Frederik: (lacht) Na ja, es war tatsächlich eher so bei uns allen, dass die Prioritäten bei der Musik und bei der Band lagen und wir die Schule zum großen Teil nebenbei gemacht haben. Wir haben es aber alle natürlich trotzdem irgendwie hinbekommen mit dem Abitur. Wir sind tatsächlich aber alle noch zur Schule gegangen damals, haben uns nach dem Unterricht getroffen und am Wochenende Konzerte gespielt – manchmal auch unter der Woche. Wir haben teilweise Konzerte in den Niederlanden gespielt. Wir sind also auf jeden Fall immer relativ weit gefahren und haben dann aber immer um 7 Uhr, spätestens 8 Uhr, wieder vor der Schule gehalten und sind zum Unterricht gegangen.
Ende August kommt nach 3 EPs nun endlich Euer erstes Album raus. Was ist das für ein Gefühl? Womit was würdet Ihr das vergleichen?
Frederik: Also ohne jetzt pathetisch klingen zu wollen, aber für mich ist das der größte Moment bisher in meinem Leben. Ich glaube, ich freue mich auf keinen Tag so sehr oder habe mich auf keinen Tag so sehr gefreut, wie auf den 28. August, weil das Album sich natürlich so anfühlt, als wären wir als Band jetzt endlich angekommen. Das ist das erste Mal, dass wir wirklich eine so klare Version über zwölf Songs formuliert haben und in einem Kontext Musik und Songs geschrieben haben. Und das ist einfach ein wahnsinnig schönes Gefühl, jetzt an diesem Punkt zu sein, an dem wir dieses Album rausbringen.
Wie seid Ihr auf den Titel „Rookery“ gekommen? Einen gleichnamigen Song gibt es ja nicht auf dem Album.
Frederik: Zum einen fanden wir diesen Namen einfach extrem cool, irgendwie. Bei uns ist das so, dass Finn und ich uns immer irgendwelche Songs schicken, oder Zeilen und manchmal auch nur Wörter, die wir inspirierend und toll finden. Und bei „Rookery“ war das damals so, dass wir zusammen im Zug saßen und irgendwer von uns mit diesem Namen kam. Wir haben am Anfang gar nicht groß darüber nachgedacht, dass das der Albumtitel sein könnte. Aber irgendwann hat’s dann doch Klick gemacht.
Und zum anderen bedeutet „Rookery“, wenn man es eins zu eins übersetzen würde, (Krähen-)Nest und das verbinden wir mit dem Ort, an dem das Album zum Großteil geschrieben wurde, nämlich mit unserem Proberaum. Für uns steht dieser Name symbolisch für das, was wir zusammen erlebt haben und für diese Freundschaft.
Eure Texte sind immer sehr poetisch. Bei Euch hört man zum Beispiel keine typischen Lovesongs von Herzschmerz oder dem großen Beziehungsglück. Woher nehmt Ihr Eure Ideen?
Finn: Es ist so, dass wir es super spannend finden, in mystischen und surrealistischen Bildern zu sprechen und darin auch Gefühle auszudrücken. Die Ideen dafür kommen eigentlich überall her. Die kommen teilweise aus dem eigenen Leben, teilweise aus Filmen, teilweise aus anderer Musik oder aus Büchern.

Songideen entstehen auch mal im Kino

Es gibt zum Beispiel eine Stelle in der zweiten Strophe vom Song „What I Know Is All Quicksand“ wo es heißt: ‚It’s how they enjoy the blood spilled on the screen‘. Das war eine Situation, wo ich im Kino war. Da lief „Once Upon a Time … in Hollywood“ von Tarantino und am Ende kommt diese wahnsinnig blutige Szene. Die Leute im Kino haben aber alle angefangen, richtig krass zu lachen und ich fand diese Szene einfach so grotesk. Dass über eine so gewalttätige Szene gelacht wird, hatte einen gewissen Voyeurismus und das ist dann eben eingeflossen.
Auf „Rookery“ schafft Ihr es, Euch gleich mehrmals neu zu erfinden. Im letzten Track „Into Your Arms“ hören wir Euch sogar in leichter Daftpunk-Manier mit AutoTune. Wie schafft Ihr es, so vielfältig zu sein?
Frederik: Wir fällen da gar keine Entscheidung, etwas zu machen, nur weil wir es cool finden. Wir würden jetzt keinen 7/8-Takt spielen, nur um ihn eingebaut zu haben und wir würden eben auch kein AutoTune-Gerät benutzen, nur um zu sagen: „Dann klingen wir jetzt eben wie Daftpunk“. Das sind viel mehr intuitive und künstlerische Entscheidungen. Dieser AutoTune-Teil passt einfach total gut in das Lied rein.
Das war zumindest unser Gefühl, weil gerade in diesem Song die Refrains ziemlich klassisch sind mit der akustischen Gitarre, in Richtung Bruce Springsteen und das hat man dann in der Strophe einfach komplett aufgebrochen. Wir haben uns ganz frei dabei gefühlt und versucht, uns von irgendwelchen Erwartungen zu lösen, denen wir gerecht werden müssen. Insofern war diese Erfahrung für uns grenzenlos.
Aktuell gibt’s ja nur eingeschränkte Auftritte, Festivals gibt es gar keine. Genießt Ihr diese neu gewonnene „Ruhe“ oder sitzt Ihr vielmehr auf heißen Kohlen?
Frederik: Tatsächlich haben wir gar keine Ruhe (lacht). Es war ja so, dass wir im März damals bei den Proben für unsere riesige Tour waren. Und das war wirklich DIE Tour für uns, das war unfassbar. Wir hätten mit Milky Chance in Amerika gespielt und da auch eigene Konzerte gespielt und eben auch eine große Europa-Tour drei Monate am Stück geplant. Da sind wir schon in ein kleines Loch gefallen.

Viel Zeit für's Album "dank" Corona

Wir haben uns dann aber gegenseitig supportet, weil wir auch weitermachen mussten, weil wir das Album ja finalisieren wollten. Wir haben in der Zeit dann auch noch eigene Quarantine-Sessions mit Covern gemacht und rausgebracht. Und uns auch einfach viel Zeit gelassen fürs Mastering und Mixing des Albums und das war so auch auf jeden Fall entspannt. Ich weiß gar nicht, wie wir das geschafft hätten, wenn wir noch drei Monate auf Tour gewesen wären. Dann würden wir hier jetzt vielleicht nicht mehr sitzen (lacht).
Finn: Ich glaube, das war auch voll wichtig für uns. Wenn du drei Monate lang etwas geplant hast und dann bricht das komplett weg, dann war es eben auch wichtig, nicht in so ein Loch zu fallen, sondern irgendwie weiter zu machen.
Wenn wir zum Schluss beim Thema Tour und Festivals bleiben, gibt es etwas, das bei Euch im Backstage-Bereich nicht fehlen darf?
Frederik: Bei der Tour, die wir eigentlich hätten spielen sollen, wäre es, weil wir mit großen LKW getourt wären, zum ersten Mal möglich gewesen, eine Tischtennisplatte mitzunehmen. Und das ist wirklich son Ding, wenn es irgendwo eine Tischtennisplatte auf Festivals im Backstage-Bereich gibt, dann wissen auf jeden Fall alle, wo sie mich finden können (lacht).

Am 28. August erscheint das Debutalbum „Rookery“ der Giant Rooks im Handel und auf allen Streaming-Portalen.

Zuletzt haben wir mit Singer-Songwriterin Phoebe Bridgers über ihr Album „Punisher" gesprochen. Witzigerweise, lief sie währenddessen auf einem Laufband.

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