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Die berühmt berüchtigte Torwand aus dem Sportstudio kennen bestimmt einige Fußballfans unter Euch. Bei Jochen Breyer zu Gast haben sich schon viele Spieler daran beweisen müssen.

Im Gespräch mit Scenario: Jochen Breyer

"Mein Tipp ist: Neugierig bleiben!"

  • vonLucas Kurth
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Jochen Breyer hat seine Leidenschaft Fußball zum Beruf gemacht. Uns hat er ein paar Tipps für Nachwuchsjournalisten gegeben.

Die Fußballweltmeisterschaft in Brasilen und viele Fußballspiele direkt vom Spielfeldrand miterleben – was für viele Sportbegeisterte ein Traum ist, hat Jochen Breyer bereits erlebt: Mit uns plauderte der 37-jährige ZDF-Moderator aber nicht nur über Fußball, sondern auch über die Rolle des Journalismus in der Gesellschaft. 

Du hast Politikwissenschaften, Volkswirtschaftslehre und Amerikanistik studiert. Währenddessen hast Du u. a. verschiedene Praktika absolviert und als freier Mitarbeiter bei der Zeitung gearbeitet. Wie bist Du zum Journalismus gekommen? 

Einen richtigen Auslöser gab es nicht. Als Fußballfan habe ich immer davon geträumt, Reporter oder Moderator zu werden und nicht unbedingt Fußballspieler. Zum einen war mir bewusst, dass das Talent dafür nicht reicht. Zum anderen hat mich von Anfang an mehr die Arbeit der Journalisten und deren Berichterstattung interessiert. 

Außerdem habe ich im Deutschunterricht gemerkt, dass ich gerne Aufsätze schreibe – zum Leidwesen meiner Lehrer (lacht). Am Anfang wollte ich zuerst schreibender Journalist werden, mit der Zeit hat mich dann auch Radio und Fernsehen immer mehr gereizt. 

Gibt es einen Moment, der Dir als Moderator besonders in Erinnerung geblieben ist? 

Das ist das Interview mit Jürgen Klopp aus dem Jahr 2014 („Das Ding ist durch“), auch weil ich ständig darauf angesprochen werde (lacht). Das werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen. Es war mein erstes Jahr in der Champions League als Moderator und für mich war es wahnsinnig aufregend und aufreibend, da ich im Anschluss sehr viel Feedback bekommen habe. Positiv wie negativ. Aus diesem Moment habe ich sehr viel gelernt. Davon werde ich später noch meinen Enkeln erzählen. 

Der Journalismus wird in den letzten Jahren kritischer betrachtet als zuvor. Warum ist dies Deiner Meinung nach so und wieso ist die Rolle des Journalismus so wichtig? 

Es ist ja nicht so, dass alle Bürgerinnen und Bürger das Vertrauen in die Medien verlieren, sondern nur gewisse Kreise. Viele Menschen erwarten ja, dass sich ihre Meinung in der Berichterstattung widerspiegelt. Wenn die Medien diese nicht bestätigen, dann denken manche, es würde nicht korrekt berichtet werden – und werden von alternativen Medien in diesem Eindruck noch bestärkt. Das ist keine schöne Entwicklung. 

Aber es ist an uns, dieses Vertrauen zurückzugewinnen. Ich glaube, dass auch durch die Coronakrise viele Menschen merken, welche Wertigkeit ein seriöser und faktenbasierter Journalismus besitzt. Die Einschaltquoten sind in den Informationssendungen so hoch wie nie. Das macht Hoffnung. 

Wie gehst Du persönlich mit diesem Misstrauen um? 

Im Rahmen meiner Reportagen hatte ich immer wieder mit Menschen zu tun, die uns vorwerfen, dass wir nicht ausgewogen berichten. Auf diese gehen wir aktiv zu, denn wir wollen mit ihnen im Gespräch bleiben und uns auseinandersetzen. Das halte ich für eine große Lehre der letzten Jahre. Wir müssen viel mehr sachlich und neutral miteinander sprechen. Nicht über Social Media, sondern in echt, an einem Tisch bei einem Kaffee oder einem Bier. 

Welchen Ratschlag würdest Du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die ebenfalls eine berufliche Zukunft im Bereich der Medien und des Journalismus anstreben? 

Mein Tipp ist: Neugierig bleiben! Die wichtigste Eigenschaft eines Journalisten ist meiner Meinung nach die Neugier. Neugierig auf Geschichten, aber auch Neugier auf andere Perspektiven, das heißt, dass man keine vorgefertigte Meinung hat, sondern ergebnisoffen an ein Thema herangeht. Das halte ich auch für die Zukunft, wenn es darum geht Vertrauen zurückzugewinnen, für extrem wichtig.

Kennt Ihr schon die Band Provinz? Die vier Jungs haben jetzt ihr Debutalbum veröffentlicht und tingelt mit Songs wie "Diego Maradonna" und "Tanz für Mich" durch die Radios. Wir haben mit ihnen gesprochen.

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