Ein Bandfoto der Rock-Gruppe Greta Van Fleet.
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Die Brüder Jake (v.l.n.r.), Josh und Sam gründeten 2012 mit Kumpel Danny die Band Greta Van Fleet und performen seitdem zusammen waschechte Rockmusik.

Im Gespräch mit Scenario: Greta Van Fleet

„Was bitte soll an dieser Musik tot sein?“

  • vonSteffen Rüth
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Greta Van Fleet gelten als die erfolgreichste U30-Rockband weltweit. Was treibt vier Jungs aus der Provinz an, Rock zu spielen? Sänger Josh verrät es.

2012 tun sich vier Jungs aus der amerikanischen Provinz zusammen, um Rockmusik zu spielen. Die Zwillinge Josh und Jake Kiszka, ihr drei Jahre jüngerer Bruder Sam und dessen Schulfreund Danny Wagner üben eifrig in der Garage, saugen sich mit Rock’n’Roll und Blues der 60er und 70er Jahre voll. Von den Lästereien um ihren Gesang lassen sich die Jungs nicht beirren und sind gerade womöglich weltweit die erfolgreichste U30-Rockband der Welt. Sänger Josh hat mit uns im Interview geplaudert.

Josh, wie beschäftigt sich eine leidenschaftliche Liveband wie Greta Van Fleet, wenn Konzerte verboten sind?
Mit Umziehen. Wir haben unser geliebtes Frankenmuth verlassen und sind nach Nashville gezogen. Der Plan war, uns hier von der geballten musikalischen Schaffenskraft und Kreativität mitreißen zu lassen. Nun, auch in Nashville herrscht seit über einem Jahr tote Hose, und so verbringe ich viel Zeit damit, nach dem perfekten Haus für mich zu sehen. 

Erste Gigs in einem Pub in übler Gegend

Vermutlich ist es deutlich leichter, ein Album aufzunehmen als ein Haus zu bauen.
Mit Sicherheit ist das so. Wir hatten eine fantastische Zeit im Studio. Das ist nur alles schon so lange her, mir kommt es fast vor wie ein Traum. Wir haben „The Battle At Garden’s Gate“ im Sommer 2019 aufgenommen, mit dem Produzenten Greg Kurstin. Diese Wochen mit Greg waren ein absolutes Fest für uns.
Du und Jake, Ihr seid mit 24 die Ältesten. Euer Bruder Sam ist 21, Danny Wagner 22. Wie alt wart Ihr, als Ihr angefangen habt, live zu spielen?
Ungefähr 18, 19. Sam war vielleicht 15. Wir hatten eine Stammkneipe, in der wir an Wochenenden total oft gespielt haben, immer von 20 Uhr bis 2 Uhr nachts.

Unter Brüdern gibt es schon mal Streitereien

Die White’s Bar in Eurem Nachbarort Saginaw.
Richtig. Ein geiler Pub in einer ziemlich üblen Gegend. Unsere Eltern waren immer mit dabei, anständige Leute, unsere Mutter ist Lehrerin, unser Vater Chemiker. Die saßen dort zwischen heftigen Leuten, zwischen Bikern, Gaunern und Drogensüchtigen. Das war unser Publikum.
In Brüderbands wird gern ge kämpft, teilweise bis aufs Blut. Wie war und ist das bei Euch?
Zwischen Jake und mir konnten die Meinungsverschiedenheiten früher auch mal hitzig werden. Wir haben uns bestimmt auch mal gegenseitig eine reingehauen. Wir wissen halt schon sehr gut, womit wir einander auf die Nerven gehen können. Meistens streiten wir tatsächlich über die Musik. Aber wir kommen auch schnell wieder von der Palme runter.

Inspirationen fürs Album in „Herr der Ringe“ gesucht

Was habt Ihr auf „The Battle At Garden’s Gate“ anders machen wollen als 2019 mit „Anthem Of The Peaceful Army“?
Wir wollten ein sehr cineastisches Album machen. Eine Platte wie einen Film. Unser Vater hat uns früher immer von den Hobbits vorgelesen, wir lieben den „Herr der Ringe“. Unser Album spielt mit ähnlichen Ideen – es geht um den Krieg zwischen Religionen, den Krieg zwischen Menschen und Maschinen, alte aber auch moderne Zeiten, um Zerstörung und Wiederaufbau ganzer Völker und Nationen. Grundsätzlich baut das zweite Album auf dem ersten auf. Es ist vielleicht etwas progressiver und ein weiteres Stück eines großen Puzzles. Jeder Track auf dem Album gehört genau an seinen Platz.
Ihr habt die klassische Rockmusik einem jungen Publikum nähergebracht. Wie siehst Du Eure Rolle und Bedeutung für den Rock’n’Roll?
Schwer zu sagen, aber ich habe doch schon immer ein Stück weit Verantwortung für dieses wunderbare Genre empfunden. Wenn du Erfolg hast so wie wir, dann kannst du dich nicht wegducken. Die Leute meckern immer rum, für die einen ist Rock’n’Roll eingeschlafen, für die nächsten ist er gleich schon ganz tot, das bringt ja keinen weiter. Unsere Haltung ist, dagegenzuhalten. Wir sind Anfang 20, und wir lieben und spielen Rockmusik. Zu unseren Konzerten kommen tausende von Leuten jeder Altersgruppe. Was bitte soll an dieser Musik tot sein? Falls die Rockmusik tatsächlich etwas schlummert gerade, dann werden wir das Biest schon aufwecken.

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