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Die Singer/Songwriterin Phoebe Bridgers ist ein Fan der Höflichkeit der Deutschen.

Im Gespräch mit Scenario: Phoebe Bridgers

„Deutschland, Ihr seid so höflich!“

  • vonSteffen Rüth
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Ein Interview geben, während man auf dem Laufband trainiert? Für Sängerin Phoebe Bridgers kein Problem!

Man kann wirklich ohne Übertreibung sagen: Alle lieben Phoebe Bridgers. Die Singer/Songwriterin, die in Silver Lake, einem der hipsten Viertel von Los Angeles lebt, hat bereits mit ihrem ersten Album namens „Stranger In The Alps“ 2017 für Furore gesorgt und nun mit „Punisher“ eine wirklich verzückende neue Songsammlung veröffentlicht. Als wir bei ihr anrufen, vernehmen wir zunächst ein leichtes Keuchen. 

Phoebe, machst Du gerade einen Spaziergang? 

So in der Art. Ich bin auf dem Laufband zugange. Ich habe festgestellt, dass ich mich dabei sehr gut konzentrieren kann. Ansonsten bin ich irgendwie gerade erst aufgewacht, obwohl es schon 10.30 Uhr ist. Naja, man verlottert halt ein bisschen (lacht). 

Ich habe gelesen, dass Du gerne wandern gehst. Ist das Laufband eine Corona-Anschaffung? 

Das denken alle, aber nein. Ich hatte es mir kurz vorher schon gekauft. Seit mein Hündchen Max im Februar verstarb, wohne ich allein und habe genug Platz. Max war so süß. Ich bekam ihn mit acht, da war er noch ein Baby. Ich zog dann irgendwann bei meinen Eltern aus und zusammen mit ihm hier in meine Wohnung ein. Allerdings ist das Laufband gut und schön, kein Ersatz für die echte Natur. 

In „I Know The End“, dem letzten Song auf „Punisher“, malst Du Dir den Weltuntergang aus. Das Lied selbst hört sich dabei fast schon ausgelassen an. Wie passt das zusammen? 

Das Ende der Welt begeistert mich mehr als das wohl normal ist. Wenn ich mit Freunden darüber spreche, fasziniert die das alle längst nicht so wie mich. Es ist seltsam, ich war immer überzeugt, dass die Welt mit einem gigantischen Knall endet. Die Wirklichkeit sieht jetzt eher so aus, als würden wir langsam aber stetig dem Abgrund entgegengehen. Wir befinden uns offenbar schon mitten drin in der Apokalypse. 

Außerdem singst Du in dem Stück die Zeile „There is no place like my room“. Bist Du lieber daheim als auf Tournee?

Ich liebe beides – und ich hasse beides. Ich spiele wirklich total gerne live, aber ich denke oft „Das sind jetzt echt zu viele Menschen“. Ich habe die wiederkehrende Fantasie, dass ich mir ein Häuschen irgendwo im Norden, vielleicht in Portland, kaufe, um dort mit vierzig bis fünfzig Hundewelpen zusammen zu leben. Wie so eine komische Waldhexe (lacht). 

Und auch „Germany“ findet in „I Know The End“ Erwähnung. Warum das? 

Weil ich super gerne bei Euch bin. Am allerliebsten mag ich das Hotel „Michelberger“ in Berlin, weil es so lässig ist. Naja, und im Berghain bin ich auch schon gewesen und hatte dort unverschämt viel Spaß. (kichert) Aber Deutschland, ja, ihr seid so höflich. Auch die Österreicher, auch die Schweizer, ihr alle wartet drei Sekunden, nachdem ein Lied zu Ende ist und klatscht erst dann. 

Ich dachte anfangs, Ihr hasst mich. Aber Ihr seid sehr warm. Das andere Extrem sind die Schotten. Die brüllen wirklich ununterbrochen „Fuck you“, aber ich habe gelernt, dass sie das als Kompliment meinen.

Was finden Deine Fans in Deinen Liedern?

Weiß nicht, Verständnis vielleicht? So eine Form von Geborgenheit? Ich will mich nicht zu sehr damit auseinandersetzen, was an meiner Musik sozusagen effektiv ist. Ich selbst liebe zum Beispiel die Songs von Elliott Smith und alles von Bob Dylan wirklich sehr. Einfach deshalb, weil mich ihre Lieder berühren (überlegt). Ich mag Musik, wenn sie wirklich persönlich ist. Kann gut sein, dass sich Leute in meinen Songs wiederfinden, weil sie so ähnlich fühlen und drauf sind wie ich.

Das was Phoebe Bridgers in der englischsprachigen Popwelt ist, ist bei uns im deutschen Raum Sängerin LEA. Wir haben mit der "Leise"-Sängerin gesprochen. 

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