Sängerin Elif sitzt vor einem weißen Hintergrund, komplett in schwarz gekleidet. Nur ihr Oberkörper ist zu sehen, ihr Kinn hat sie auf ihre Hand gestützt.
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Ihre Kleidung verrät es: Elif fühlt sich von der Dunkelheit angezogen.

Im Gespräch mit Scenario: Elif

„Ich liebe das Drama“

  • vonSteffen Rüth
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Eine üble Trennung, Kontaktabbruch mit den Eltern: Auf ihrem neuen Album verarbeitet Elif einige Tiefschläge. Uns hat sie davon erzählt.

Elif Demirezer, 1992 als Tochter türkischer Einwanderer in Berlin-Moabit geboren und als Künstlerin nur unter ihrem Vornamen bekannt, ist eine der außergewöhnlichsten Erscheinungen in der deutschsprachigen Pop-Welt. Nach persönlichen Tiefschlägen hat sich die Sängerin mit der tiefen Stimme auf ihrer dritten Platte „Nacht“ ein gutes Stück weit neu erfunden. Wir sprachen mit Elif über ihre Krise, den Neuanfang, aber auch über das Verhältnis zu ihren Eltern.

Elif, hat sich Dein Vater wirklich darüber beklagt, dass Du es mit zu vielen Typen versucht und insgesamt keinen guten Ruf hast? Jedenfalls singst Du diese Zeilen in „Alaska“.
Er hat es mir nie so direkt gesagt, aber über meinen kleinen Bruder weiß ich, dass mein Vater die Hoffnung aufgeben hat, dass ich irgendwann noch heiraten werde. Dabei würde ich wirklich gerne heiraten. Ich habe mich nur noch nie so richtig verliebt.
Würdest Du auch sagen, dass Du es mit zu vielen Typen probiert hast?
Nein. Ich hatte nicht viele Freunde bisher. Aber die, die ich hatte, waren die Falschen. Meine bisherigen Beziehungen waren toxisch, und wenn ich das zurückverfolge, dann weiß ich auch, warum. Ich habe von meinen Eltern nicht richtig gelernt, was mein Wert ist. Meine Brüder durften viel mehr als ich, was in türkischen Familien leider der Normalfall ist.
Meine Eltern haben mir nicht das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein mitgegeben, das man braucht, um sich später nicht bedürftig und auf der Suche nach Bestätigung an irgendwelche Jungs zu klammern, die das überhaupt nicht verdient haben. Deshalb finde ich es wirklich unfair, wenn ausgerechnet meine Eltern mir jetzt vorwerfen, keine gesunde Liebesbeziehung zu führen.
Du hast schon mit 16 an der Castingshow „Popstars“ teilgenommen und bist ins Finale gekommen. Fanden Deine Eltern Deinen Berufswunsch komisch?
Ja. Am Anfang haben sie das nicht unterstützt. Aber sie haben es auch nicht verhindert. Meinen ersten Plattenvertrag mit 17 mussten sie noch mit unterschreiben, und bei „Popstars“ mussten sie auch einwilligen. Mein Gott, was die immer alles unterschrieben haben (lacht). Vor „Popstars“ 2009 hatte ich gerade angefangen, in der Schulband zu spielen und bin während einer Klassenfahrt total spontan zum Casting gegangen.
Wann bist Du zu Hause ausgezogen?
Mit 19. Danach habe ich drei Jahre lang nicht mit meinen Eltern gesprochen. Es gab einen richtig großen Bruch, aber ich wollte nicht jemand sein, der sich für alle Zeiten von den Eltern lossagt. Mit Liebe und Geduld bin ich immer wieder auf sie zugegangen. Das war schmerzhaft für uns alle, aber auch heilend. Heute besuche ich gerne meinen Vater in der Werkstatt und erzähle ihm, wie anstrengend mein Leben ist.
Als ich letztens meinte, ich hätte wieder bis drei Uhr nachts vor dem Rechner gesessen, zeigte er mir seine schwarzen Hände und lachte mich aus. Nach zehn Jahren haben meine Eltern auf jeden Fall gelernt, dass ich ganz gut bin in meinem Job. Jetzt wollen sie auch nicht mehr, dass ich etwas anderes mache. Und ich auch nicht. Die Arbeit macht mir momentan wahnsinnig viel Spaß.
Dein Album „Nacht“ ist in vielerlei Hinsicht ein Neuanfang für Dich. Du bist bei einer neuen Plattenfirma, der toxische Freund ist weg, und musikalisch orientierst Du Dich weg von Gitarren und Singer/Songwriter-Musik und hin zu urbaner, moderner Musik .
Das ist wahr. Auch weil ich selbst so viel urbane Musik höre, habe ich mich in diese Richtung entwickelt. Ich komme vom Rock, und das hört man nach wie vor in meinen Melodien. Ich liebe Bands wie Paramore oder Billy Talent. Und doch fand ich es jetzt cooler, mir von anderen die Beats bauen zu lassen und mich ganz auf meine Texte zu konzentrieren. Wenn man ein Schlagwort braucht, dann würde ich sagen: Ich mache jetzt urbane, auch von Rap beeinflusste Popmusik.
„Kann das bitte so bleiben“ ist ein überraschend glücklicher Song auf Deinem Album.
Das Stück ist in einem der seltenen Momente entstanden, an denen einfach mal alles gut ist. Es ist der hellste Punkt auf meinem Album. Die übrigen Lieder sind schon ziemlich düster.
Ohne Drama geht es nicht?
Ich liebe das Drama. Da meldet sich das Türkische in mir, bei uns ist schon die Sprache viel dramatischer als im Deutschen. Ich glaube, die Türken lieben es, zu leiden. Diese Stelle in „Ein Letztes Mal“, also „Heute nacht werde ich sterben“, das ist hundert Prozent türkisch. Ich liebe auch alles, was kitschig ist. „Titanic“ – großartig! Zwei lieben sich, und dann geht das Schiff unter.

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