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Einige von Euch werden Anna vielleicht von Instagram kennen. Auf ihrem Profil geht sie sehr offen mit ihrer Erkrankung um.

Im Gespräch mit Scenario: Anna Wilken

„In der Regel bin ich stark“

Das Model Anna Wilken macht sich auf Instagram stark für das Thema Endometriose. Sie ist selbst betroffen und hat uns aufgeklärt.

Auf Instagram lässt Anna Wilken (24) ihre knapp 270.000 Follower an ihrem Leben teilhaben. Sie arbeitet als erfolgreiches Model, reist um die Welt und führt eine glückliche Beziehung. Doch schaut man sich Annas Profil genauer an, fällt ein ganz wichtiges Thema ins Auge: Die ehemalige „Germanys Next Topmodel“-Kandidatin leidet nämlich an Endometriose – einer Krankheit, bei der Herde, Zysten und Verwachsungen im Bauchraum aufkommen, die gebärmutterschleimhautartigem Gewebe ähneln. Wir durften mit Anna über ihre Geschichte und über ihr veröffentlichtes Sachbuch „In der Regel bin ich stark“ sprechen. 

Wann war für Dich der Zeitpunkt gekommen, an dem Du gesagt hast: Ich möchte das Thema Endometriose weiter ins Bewusstsein drängen? 

Das war knapp zwei Jahre nach meiner Diagnose, wo es mir selber extrem schlecht ging und ich mir immer super viele Sorgen und Gedanken gemacht habe und man mich trotz Operation, trotz Diagnose überhaupt nicht verstanden hat. Ich habe dann einfach mal auf Instagram den Hashtag #endometriose eingegeben und habe gesehen „Hey, da sind ja echt viele“. 

Irgendwann habe ich das Thema auf Instagram dann permanent gemacht und von so vielen Frauen Zuspruch erhalten, die sagten, dass sie auch an Endometriose leiden. Damals war diese Zahl 1 von 10 noch gar nicht so bekannt und darüber geredet wurde wirklich nicht viel. Es tat einfach echt gut und war super schön, dass ich mich an Tagen, wo es mir schlecht ging, nicht immer verstecken musste. Es ist für mich bis heute das Beste, was ich hätte tun können. 

Welche Symptome können bei einer Endometriose auftreten? 

Die Symptome sind von Frau zu Frau unterschiedlich und individuell. Meine Symptome damals waren eine ganz früh auftretende Periode. Ich war damals Ende elf, Anfang zwölf. In dieser Zeit hatte ich schon sehr starke Unterleibsschmerzen, das zog dann immer in den Rücken und ich hatte viel Kopfschmerzen. Im Laufe der Jahre hat sich das dann verstärkt, ich hatte immer mehr Verdauungsprobleme bekommen und Schmerzen an der Blase. 

Irgendwann konnte man das nicht mehr abgrenzen, ob das wirklich „nur“ von der Periode kommt. Denn die Schmerzen kamen dann auch vor und nach der Periode. Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen, später dann beim Geschlechtsverkehr. Es kam immer mehr dazu. 

Wie stellt man Endometriose fest? Reicht eine gynäkologische Untersuchung beim Frauenarzt? 

Eine Endometriose kann man nur anhand einer Bauchspiegelung feststellen. Es gibt natürlich auch Spezialisten und Ärzte, die eine Endometriose ertasten können, je nachdem, wo man die Herde hat. Das ist auch sehr individuell, die hat jeder woanders. Bei einigen kann man etwas beim Ultraschall erahnen, aber das ist ganz selten. Aber eine Endometriose kann ausschließlich nur bei einer Bauchspiegelung festgestellt werden. 

Endometriose kann unfruchtbar machen. Als Du das zum ersten Mal gehört hast, was ging Dir da durch den Kopf? 

Also ich hatte davor eigentlich gar keine Angst, weil ich mich damit gar nicht befasst habe. Das ist auch das, was ich überhaupt nicht verstehen kann, warum die Leute bei Endometriose direkt an Unfruchtbarkeit denken. Denn ich persönlich war viel zu sehr mit meinen ganzen Beschwerden beschäftigt, weil ich die Schmerzen in dem Moment viel schlimmer fand. 

Und klar, als ich dann erfahren habe, dass ich unfruchtbar bin, dass es bei mir sogar sehr schwierig werden wird, blieb für mich auch eine Welt stehen und das erzähle ich auch offen im Buch und auch auf meiner Instagram-Seite, dass ich damit noch sehr zu kämpfen habe. Aber wenn mir Mädchen schreiben, versuche ich, sie erst immer zu beruhigen. Denn es gibt auch Frauen, die mit einer Endometriose schwanger werden können. 

Natürlich darf man sich darüber Gedanken machen und ja, 40-70 % der Frauen, die an Endometriose leiden, sind unfruchtbar, aber ich persönlich würde mich erst damit befassen, wenn man weiß, dass es Probleme macht. Weil dafür braucht man noch ganz, ganz viel Kraft, wenn es um so eine Zeit geht. 

„Stell Dich nicht so an!“, „Du übertreibst“ – das sind Sätze, die Du sicherlich häufig gehört hast. Was können Betroffene tun, um von Ärzten und Mitmenschen ernst genommen zu werden? Hast Du Tipps? 

Mein Tipp ist auf jeden Fall, darüber zu reden. Immer und immer wieder. Auch wenn Dir jemand nicht glaubt oder sich schwer damit tut. Als ich mein Buch über die Endometriose geschrieben habe, habe ich mal gemerkt: ich selbst als Betroffene verstehe die Endometriose ja schon kaum und selbst Ärzte können sich das nicht erklären. Wie sollen dann Außenstehende, die das selbst gar nicht haben, oder vielleicht auch Männer, die ja gar keine Periode bekommen, das dann überhaupt nachvollziehen? 

Ich habe Freundinnen, die haben während der Periode nicht mal ein Ziepen. Ich habe schon oft auf den Tisch hauen müssen und super oft meine Meinung sagen müssen, ich habe viel geweint und war auch oft gestresst deshalb, aber ich kann sagen, dass es das wert war, denn jetzt versteht mich meine Familie umso besser. Seitdem mein Buch draußen ist, verstehen es auch noch viel mehr. Davor habe ich immer Artikel über die Endometriose oder Blogs ausgedruckt oder sie meiner Familie und Freunden geschickt, um zu zeigen, dass ich mir das nicht ausdenke. 

Was rätst Du Mädchen/Frauen, wenn sie das Gefühl haben, an Endometriose zu leiden? 

Generell wenn Frauen das Gefühl haben, hier stimmt irgendwas nicht, auf jeden Fall zum Frauenarzt gehen. Auch wenn man abgewimmelt wird, immer und immer wieder hingehen oder einen anderen Arzt aufsuchen. Was ich auch empfehlen kann, ist die Periode zu tracken mit einer Zyklus-App. In der App kann man auch mittlerweile Schmerzen eintragen. Für den Arzt ist es dann auch hilfreich, zu sehen, wann die Schmerzen da sind, oder was die Verdauung angeht. 

Viele haben während der Periode Durchfall und dann Verstopfungen. Das habe ich damals auch gemacht. Ich habe alles aufgeschrieben, den Zettel ausgedruckt und bin damit dann zum Arzt gegangen. Es muss ja nicht gleich Endometriose sein, aber ich würde dann in ein Endometriose-Zentrum gehen und das abklären lassen. Vielleicht auch direkt dahingehen und sich beraten lassen, weil diese Ärzte darauf spezialisiert sind und Frauen mit Endometriose jeden Tag sehen. 

INFO Anna Wilken mit Saskia Hirschberg „In der Regel bin ich stark“ Eden Books ISBN: 9783959102285 17 Euro


Das wohl gängigste Verhütungsmittel, neben dem Kondom, ist die Pille. Rita hat sich nach elf Jahren dafür entschieden, sie abzusetzen und nun anders zu verhüten. Mehr zu ihren Gründen lest ihr hier. 

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