Sängerin Ava Max liegt in schwarzer Kleidung, auf die Hände gestützt auf einem weißen Untergrund. Die Fingernägel ihrer rechten Hand sind blau, die ihrer linken orange lackiert. 
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Neben ihrer Musik fällt Ava Max vor allem auch durch ihre Frisur auf: Die rechte Seite ihrer wasserstoffblonden Mähne trägt sie kurz, die linke lang.

Im Gespräch mit Scenario: Ava Max

Sie macht weiter, wo Katy Perry aufgehört hat

  • vonSteffen Rüth
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Ava Max erfindet das Pop-Genre zwar nicht neu, hat aber dennoch mit ihren Mainstream-Beats Erfolg – und für den hat sie lange gekämpft.

Sie hatte es oft nicht leicht, doch nun lacht sie am lautesten. Ava Max, die vor Kurzem ihr Debütalbum „Heaven & Hell“ veröffentlichte, macht weiter, wo Britney Spears und Katy Perry aufgehört haben. „Ich sehe es als meine wichtigste Mission an, mit meiner Musik die Menschen zu motivieren und ihnen auf die Beine zu helfen“, sagt Ava Max, die gerade selbst ein bisschen Motivationshilfe gebrauchen könnte: Sie steckt nämlich mitten im Umzugsstress.

Sie sei gerade innerhalb von Los Angeles umgezogen, erzählt Ava Max, jetzt wohne sie näher an ihren Eltern, wo sie nun sehr oft zum Essen aufschlage, und am Tag zuvor habe sie bis in die Puppen irgendwelchen Kram ausgepackt. Neben den Umzugsstress gesellt sich für die 26-Jährige, die Ende 2018 wirklich auf einen Schlag mit ihrem ersten Hit „Sweet But Psycho“ die weltweiten Charts aufgerollt hat, nun also auch noch die ganze Arbeit rund um ihr erstes Album, das so lange in der Mache war, dass die Hälfte der Songs bereits als Singles veröffentlicht wurden.

Himmel und Hölle auf einer Platte

Dafür hat sie die Songs mithilfe eines eher lockeren Konzepts zur Hälfte dem „Himmel“ und zur anderen Hälfte der „Hölle“ zugeschlagen, „weil ich wie jeder Mensch Phasen habe, in denen ich superglücklich bin und andere, in denen mich die Melancholie streift.“ Wohlgemerkt nur streift, denn wo auch immer man sich gerade auf diesem Album befindet, es knallt eigentlich immer. Eine Meisterin der Subtilität ist diese Ava Max ganz sicher nicht. „Ich liebe gigantische Pop-Hymnen“, sagt sie. „Als Kind vergötterte ich Mariah Carey, Shania Twain und Destiny’s Child. Alle meine Einflüsse kommen nun in meiner eigenen Musik zusammen.“

Originell oder gar innovativ ist an Ava Max‘ Feuerwerks-Pop nun wirklich nichts. Doch erstens stört das ihre zuhauf noch sehr juvenilen Hörer kein Stück, und zweitens besetzt diese junge Frau mit dem eigenartigen, hellblonden Links-lang-rechts-kurz-Haarschnitt eine echte Marktlücke im aktuellen Popgeschehen.

Musik à la Katy Perry und Britney Spears

Ava Max und ihr Produzent Cirkut fabrizieren die Art von Sirup-süßen, kaum aus dem Kopf zu kriegenden, Mainstream-Melodien, mit denen vor einer Generation Britney Spears und Christina Aguilera die Charts dominierten. Mit einem ähnlichen Ansatz wurde vor zehn Jahren auch Katy Perry zum Weltstar.

Schon als Kind lernte sie zu kämpfen und sich durchzubeißen, das kommt ihr jetzt natürlich zugute. Ava Max kam als Amanda Koci in Milwaukee zur Welt, die Eltern flüchteten 1990 aus Albanien. Später zog die Familie ins wärmere Virginia und schließlich, Ava war 14 und beschloss, es mit der Popkarriere zu versuchen, nach Kalifornien. Dort wurde sie an der Schule gemobbt, war später meistens pleite und verkaufte jahrelang Milchshakes.

Doch Ava blieb hartnäckig am Ball, um heute glaubhaft Selbstbehauptungssongs wie „Who’s Laughing Now“, Anti-Mobbing-Hits wie „So Am I“ und feministische LGBTQ-Hymnen wie „Kings & Queens“ zu singen. „Ich musste als Kind kämpfen, ich musste als Teenager kämpfen, ich musste als Erwachsene kämpfen. Aber ohne die harten Zeiten und ohne mein Kämpferherz wäre ich jetzt nicht die Person, die ich bin.“

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