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Quasi im Home Office arbeiteten Drummer Josh Dun und Sänger Tyler Joseph (v.l.) am neuen Song „Level Of Concern“.

Im Gespräch mit Scenario: Josh Dun von den TwentyOnePilots

Das Schwere leicht erscheinen lassen

  • vonSteffen Rüth
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Die Twenty One Pilots sind bekannt für ihren eher düsteren Pop, jetzt erobern sie die Charts mit einem fröhlichen Corona-Song – Josh Dun erklärt wieso.

Tyler Joseph (Gesang) und Josh Dun (Schlagzeug, beide 31) haben den ersten richtigen Sommerhit der Saison rausgebracht. Ja wirklich. Ausgerechnet das Emo-Electropop-Duo, das mit Hits wie „Stressed Out“ in den vergangenen drei, vier Jahren zu – auch für sich selbst – unerwartetem Weltruhm gelangte, hört sich auf seiner neuen, vom Pop-Funk der Achtziger inspirierten Single „Level Of Concern“ aber mal so richtig fröhlich an. Dass es sich bei dem Lied, das in den USA bereits an der Spitze der „Modern Rock Charts“ steht, um einen Corona-Song handelt, schmälert den Spaß nicht im Geringsten. Ein Anruf bei Josh Dun. 

Josh, Du bist, genau wie Tyler, jahrelang zu Hause unterrichtet worden. Hast Du irgendwelche Tipps für all die Homeschool-Kinder und Eltern sowie all die Studenten, die so langsam durchdrehen? 

(Lacht) Wow, die harten Fragen gleich am Anfang. Lass mich überlegen. Ja, Ihr müsst Routinen entwickeln. Feste Abläufe sind das Allerwichtigste. Meine Mutter, die zugleich meine Lehrerin war, hat darauf geachtet, dass wir immer zur selben Zeit morgens anfingen. Und jeder durfte sich abwechselnd wünschen, was es zum Frühstück gibt. 

Was Mum echt drauf hatte, war dieses Wechselspiel aus Konzentration und Entspannung. Sie hat mich schon gefordert, aber sie hat auch immer dafür gesorgt, dass wir etwas machen, auf das ich mich wirklich freue. Puzzles zum Beispiel, ich habe es krass geliebt zu puzzeln. Mache ich heute noch gerne. 

Hast Du Dir gewisse Routinen im Erwachsenenleben bewahren können? 

Ich bin tatsächlich ein Mensch, der mit Routinen gut zurechtkommt. Ich versuche, jeden Tag zur selben Zeit aufzuwachen, und gerade zurzeit achte ich darauf, dem Tag eine Struktur zu geben. Morgens mache ich ein bisschen Sport, nachmittags gehe ich meistens los, um Lebensmittel zu besorgen, und abends koche ich zusammen mit meiner Lebensgefährtin. Der Rhythmus hat sich ganz gut eingeschliffen nach zwei Monaten der sozialen Distanzierung und des Daheimbleibens. Warte, oder sind es schon drei Monate?? 

Wann habt Ihr Euch entschieden, einen Song über die Situation aufzunehmen? 

Die Idee kam von Tyler, es muss so Ende März gewesen sein. Für uns ist es nichts Ungewöhnliches, einzeln an den Songs zu arbeiten, aber das Ausmaß des Separierens bei „Level Of Concern“ war außergewöhnlich. Wir haben uns halt überhaupt nicht getroffen, sondern unsere Ideen und Bearbeitungen einander zugeschickt. Für ihn war das etwas leichter als für mich. 

„Level Of Concern“ hört sich an wie ein fröhlicher Frühsommersong. Für eine Corona-Hymne jedenfalls macht das Lied richtig gute Laune. 

Das war exakt unsere Absicht. Wir wollten die Schwere des Themas und die Ernsthaftigkeit der Worte mit großer musikalischer Leichtigkeit kontrastieren. Wir schreiben ja meistens Songs, die eher zum Nachdenken anregen sollen, doch dieses Mal zielen wir bewusst darauf, die Menschen abzulenken. Wir alle grübeln gerade definitiv viel zu viel. Ein wenig leichtherzige Zerstreuung wird uns in diesen Zeiten sehr guttun. 

Im Video zu „Level Of Concern“ sieht es aus, als wärt ihr Nachbarn. Habt Ihr tatsächlich jemals nebeneinander gewohnt?

Leider nicht. Im echten Leben haben wir uns erst mit Anfang 20 kennengelernt. Wir wuchsen in Columbus wirklich nicht weit voneinander entfernt auf, und als wir uns dann endlich trafen, passte es sofort zwischen uns. Tyler und ich, wir hatten und haben dieselben Ziele und Träume, wir sind bis heute die engsten Freunde, die man sich vorstellen kann. 

Nutzt Ihr die Zeit ohne Konzerte und sonstige Auftritte nun, um ein komplettes Album zu machen? 

Das wissen wir noch nicht. Tyler hat jetzt sein kleines Mädchen, wir richten uns gerade so ein bisschen im Erwachsenendasein ein und holen bewusst etwas von der gemeinsamen Zeit mit unseren Partnerinnen nach, die wir sonst nicht so oft haben. Wir wollen ein bisschen leben, uns ausruhen, uns erfrischen und in Ruhe durchatmen. Allerdings arbeiten wir immer auch an neuen Ideen. Manchmal sind wir selbst verblüfft, wenn wir plötzlich merken, so viele Ideen zusammen zu haben, dass es für ein Album reicht.

Zuletzt hatten wir Teenie-Star und Mädchenschwarm Mike Singer im Interview, sowie den allzeit beliebten Hobbytüftler und Musiker Fynn Kliemann. 

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