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Mit „Leiser“ landete LEA 2018 ihren ersten Solo-Hit.

Im Gespräch mit Scenario: LEA

„Vielfalt ist für mich eine große Bereicherung“

  • vonSteffen Rüth
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Toxische Beziehungen und Reisen nach dem Abi – über all diese Themen haben wir mit LEA im Interview quatschen dürfen.

LEA, mit vollem Namen Lea-Marie Becker, ist 27 Jahre alt und hat in den vergangenen zwei, drei Jahren eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. 2016 veröffentlichte sie ihr Debütalbum „Vakuum“, das zwei Jahre später erschienene „Zwischen meinen Zeilen“ steht immer noch in den deutschen Charts, und „110“, die ungewöhnliche Kollaboration mit den Rappern Capital Bra und Samra, brachte sie schließlich sogar auf Platz Eins. Aktuell ist LEA in der VOX-Show „Sing meinen Song“ zu sehen – wir haben vorab mit ihr geredet. 

LEA, war es für Dich als feinfühlige Sängerin nicht etwas seltsam, ausgerechnet einen Song mit den eher prollig auftretenden Rappern Capital Bra und Samra zu machen?

Vielleicht hat die Zusammenarbeit ein paar Leute etwas überrascht, aber warum denn nicht? Es ist doch spannend, auch mal was mit Kollegen zu machen, die nicht aus der eigenen Blase kommen. Das gilt für uns alle. Für Capital Bra war „110“ der erste gefühlvolle Liebes-Rap seiner Karriere. 

„Wo ist die Liebe hin?“ hieß Dein allererstes Lied. Du hast Dich also auch als Teenager schon mit Beziehungsfragen beschäftigt. 

Ja. Das Zwischenmenschliche in seinen ganzen Schattierungen war für mich immer das Spannendste überhaupt. Auch nach Millionen von Liedern über die Liebe und über Beziehungen, gehen einem die Themen nicht aus, weil man immer wieder einen neuen Blickwinkel findet. Songs zu schreiben hilft mir, mich mit den Fragen, die ich mir im Leben stelle, auseinanderzusetzen, und dazu gehören halt auch oft Beziehungsfragen. 

Musik dient als Tagebuch-Ersatz

Würde ich keine Musik machen, hätte ich sicher ein Tagebuch. Das Reflektieren ist für mich ganz wichtig. Alle meine Lieder entstammen echten Emotionen. In meiner Musik ist nichts gekünstelt. 

Im Song „Treppenhaus“ geht es um eine enge Verbindung, und zwar eine, aus der Du Dich lösen möchtest, es aber nicht schaffst. Inspiriert von wahren Begebenheiten? 

Ja. Logisch. Die Beziehung ist schon eine Weile her und hat mir auch vorher schon Stoff für den einen oder anderen Song geliefert. Diese Liebe war sehr toxisch und hat mir nicht gutgetan. Das Schöne und extrem Berührende für mich ist, wie viele Leute sich mit der Geschichte identifizieren können und mir Nachrichten schreiben wie „Krass, du sprichst aus, was ich fühle“ oder „Ich bin dir so dankbar, weil ich sehe, dass ich nicht die Einzige bin, die so eine Situation erlebt hat.“ Ich hoffe immer, den Menschen mit meinen Songs auch ein bisschen helfen zu können. 

Wie beendet man eine solche Beziehung, die nicht gut für einen ist, von der man aber nicht loskommt? 

Alles braucht seine Zeit. Das Schwierige ist diese Phase des Sich-nicht-eingestehen-Wollens, dass es vorbei ist. Am Ende hilft mir, radikal zu sein, alle Chats, alle Fotos zu löschen. Damit schütze ich mich und versuche, mich vom Negativen abzugrenzen. 

Du bist nach dem Abitur nach Argentinien gegangen, um dort als Lehrerin an einer Schule zu arbeiten. Hat Dich die Reise reifen lassen? 

Ja, total. Ich bin ganz gezielt alleine dorthin geflogen, weil ich wissen wollte, wie sich das anfühlt. In den ersten vier, fünf Wochen habe ich dann die wirklich einsamsten Wochen meines Lebens verbracht, dabei dachte ich in Deutschland immer, ich sei ein kommunikativer Mensch. Danach wurde es besser. 

Konntest Du denn Spanisch? 

Ich hatte Spanisch drei Jahre in der Schule, aber nur als Nebenfach. Ich dachte, ich könnte es gut, aber dann habe ich gar nichts verstanden, weil die Argentinier mit einem total krassen Dialekt reden. Schon irre, wie sehr man mit seiner Selbsteinschätzung danebenliegen kann. 

Vor zwei Jahren bist Du von Hannover nach Berlin gezogen. Wie lautet Dein Zwischenfazit? 

Ich habe es nicht bereut. Ich finde Berlin total toll, weil hier so viele Kulturen miteinander leben. Ich bin bewusst nach Neukölln gezogen, weil es wohl kaum ein Viertel gibt, in dem die Menschen unterschiedlicher sind als hier. Diese Vielfalt ist für mich eine große Bereicherung. Jeden Tag entdecke ich etwas Neues.

Die letzte Sängerin, die wir zum Interview getroffen haben, ist Alma. Die "Dye My Hair"-Sängerin hat mit uns über ihre musikalischen Vorbilder und den Kampf im L.A.-Musikbusiness geredet.

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