Michael Fritz steht auf einer Wiese. Er hat die Arme in die Hüften gestemmt und lächelt in die Kamera. Er trägt ein graues Shirt mit dem „Viva con Agua“-Logo.
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Michael Fritz ist einer der Mitbegründer der Organisation Viva con Aqua.

Im Interview mit Scenario

Viva con Agua: Wasser für alle

  • vonLucas Kurth
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Viele kennen Viva con Agua sicherlich von ihren Pfand-Aktionen auf diversen Festivals oder von den „Water is a human right“-Fotos mancher Promis. Wir haben mit einem der Gründer, Michael Fritz, über die Organisation gesprochen.

Wasser – für die meisten von uns ist es selbstverständlich. Egal ob beim Kochen, Waschen oder Zähne putzen. Dies ist aber längst nicht auf der ganzen Welt so. Eine Organisation, die sich darum bemüht, sauberes Trinkwasser und eine menschenwürdige Sanitärversorgung allen Menschen weltweit zugänglich zu machen, ist Viva con Agua. Wir haben uns mit Mitgründer Michael Fritz über die Anfänge von Viva con Agua und die Herausforderung Menschen für soziales Engagement zu gewinnen, unterhalten.

Du bist einer der Gründer von Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. Erkläre doch mal kurz, für alle die Dich und Viva con Agua nicht kennen, wer Du bist und was Ihr macht.
Viva con Agua ist eine gemeinnützige Organisation, die international tätig ist und sich für sauberes Trinkwasser und eine menschenwürdige Sanitärversorgung mit entsprechenden Hygienevorrichtungen einsetzt. 2005 hat Benjamin Adrion das Projekt zusammen mit einigen Freunden, zu denen auch ich zähle, in Hamburg-Sankt Pauli ins Leben gerufen.
Viva con Agua ist offiziell eine Non-Profit-Organisation – Ihr bezeichnet Euch aber als All-Profit-Organisation. Kannst Du unseren Lesern einmal erklären, was es damit auf sich hat?
Na ja, wenn keiner davon profitiert, warum soll dann jemand mitmachen? Wir möchten erreichen, dass jeder, der an unseren Aktionen beteiligt ist, etwas mitnimmt: die vielen Ehrenamtlichen, die sich für Viva con Agua einsetzen, die mittlerweile fast 60 Mitarbeiter in aller Welt, wir selbst und natürlich die Menschen, die in den Projektgebieten leben und deren Lebensbedingungen sich durch den Zugang zu sauberem Wasser deutlich verbessern. Im Idealfall schaffen wir eine Gesellschaft oder einen Organismus, in dem es jedem einzelnen gut geht. Viele würden sagen, es ist eine Utopie. Wenn ich lese, dass die 36 reichsten Menschen auf der Welt genauso viel Geld haben, wie die Hälfte der Weltbevölkerung, dann denke ich, dass wir das Geld anders verteilen müssten und es würde allen Menschen gut gehen.

Gutes Tun muss einfach sein

Einige der Leser kennen Viva con Agua vielleicht durch Eure Stände auf Konzerten oder Festivals. War es am Anfang schwer, verschiedene Künstler für die Promo zu gewinnen? Oder seid Ihr durch offene Türen gelaufen?
Wenn wir bei der Analogie der offenen Tür bleiben: Ich glaube, für soziales Engagement öffnen viele Leute ihre Tür. Viele Menschen wollen Dinge unterstützen, die einen positiven Impact auf die Welt haben und für einen gesellschaftlichen Mehrwert aktiv sein. Vielen wird dieses Engagement nicht leicht gemacht, d.h. du musst die Tür selbst öffnen, wirst dann aber freudig empfangen. Das Entscheidende ist: Was sich hinter der Tür verbirgt, muss flashen, begeistern, die Tür muss leicht aufgehen. Es muss aber immer die Möglichkeit geben, sie wieder zu verschließen.
Das Prinzip von Drop In & Drop Out ist bei vielen Musikern wichtig. Wenn man die Pfandbecheraktion betrachtet, ist es ein kurzer Aufruf auf der Bühne, der eine Minute dauert. Es ist auch kaum Aufwand, ein Schild mit der Aufschrift „Water is a human Right“ in die Kamera zu halten. Freudvolles Engagement muss humorvoll sein und Spaß machen.

Jeder kann auf seinen Konsum Acht geben

Im Laufe der Zeit konntet Ihr viele bekannte Künstler für Euch begeistern. Ed Sheeran, Carolin Kebekus oder Marteria sind nur drei Namen auf einer langen Liste. Hast Du eine Geschichte mit einem Künstler, die für Dich unvergessen bleibt?
Da gibt es einige. Viele Menschen stellen es sich schöner vor. Die Hauptzeit besteht aus Warten. Ich weiß nicht, wie lange ich auf Menschen des öffentlichen Lebens schon gewartet habe. Und wenn der Moment kommt, hast du vielleicht eine Minute oder weniger, um die Person zu überzeugen. Auf die amerikanische Hip-Hop-Gruppe „Wu-Tang Clan“ haben wir sieben Stunden gewartet, ohne zu wissen, ob es klappt. Am Ende durften wir in 30 Sekunden ein Foto machen und sind wieder zurück.
Sauberes Trinkwasser ist in vielen Teilen der Erde ein echtes Luxusgut. Wie versuchst Du das Thema in Deinem Alltag zu behandeln?
Vielleicht klingt es ein bisschen provokant, aber es muss Menschen geben, die sich im Kleinen einbringen. Ich versuche, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, wie gut es uns mit unserem Leitungswasser in Deutschland geht. Bei uns kannst du aus der Toilette trinken – und das tue ich dann manchmal und filme mich dabei. Wir können nichts an der Wasserknappheit in der südlichen Hemisphäre ändern, indem wir hier den Wasserhahn möglichst schnell wieder zudrehen. Aber wir können z.B. auf unseren Konsum achten. Es gibt so viele Produkte, die für uns Alltag sind, in anderen Ländern aber sehr viel Wasser verbrauchen: Kaffee, Jeans, Fleisch z.B. Das sollte jedem zumindest bewusst sein.

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