+
Yasemin hat mit „Literarische Diverse“ ihr eigenes Magazin geschaffen. Aktuell gibt es zwei Ausgaben

Im Gespräch mit Scenario: Yasemin Altinay vom Magazin "Literarische Diverse" 

„Es ist wichtig, allen zuzuhören“

  • schließen

Yasemin hat neben ihrem Studium das Magazin „Literarische Diverse“geschaffen, in dem Minderheiten Gehör finden.

  • Studentin Yasemin hat das Magazin "Literarische Diverse" geschaffen, um Leuten aus LGBTQ+- und BIPoC-Szene eine Stimme zu geben
  • LGBTQ+ und BIPoC finden laut Yasemin zu wenig Anklang in der deutschsprachigen Literatur und dem möchte sie entgegenwirken

Das Magazin „Literarische Diverse“ bietet Raum und Sichtbarkeit für strukturell benachteiligte Gruppen wie BIPoC (Black, Indigenous, and People of Colour) oder LGBTIQ+ (Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, Intersex and Queer). Anstelle eines großen Medienhauses, steht eine Studentin hinter dem Magazin. 

Yasemin Altinay (29 Jahre alt) hat eine Ausbildung zur Verlagskauffrau gemacht und studiert zurzeit Angewandte Literaturwissenschaft. Ihr großes Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Diversität geschrieben, gelesen und gelebt wird. Diesem Ziel ist sie mit der ersten Ausgabe ihres Magazins „Literarische Diverse“ ein Stückchen näher gekommen. Wir haben mit ihr über ihr Projekt und ihre Motivation gesprochen.  

Wann hattest Du die Idee für Dein Magazin?

Die Idee für das Magazin hatte ich letztes Jahr im Sommer, nachdem ich eine Diversity Konferenz in Berlin besucht habe. Thema war der Austausch zwischen Wissenschaftler*innen und Studierenden zum Thema unternehmerische Diversität. Vor allem Frauen waren die Panel-Sprecherinnen, was mich motiviert hat, meine Idee eines Magazins schriftlich festzuhalten. 

Welche Themen sind mir wichtig? Welche Werte? Sofort fiel das Wort ‚Diverse‘ – und geschrieben fällt einem als Literaturmensch sofort die Inkludierung von ‚Verse‘ auf. Der Titel ‚Diverse‘ soll den englischen Begriff ‚diverse‘ (vielfältig, facettenreich) und den deutschen Begriff ‚Verse‘ in Einklang bringen. Die Liebe zur Literatur und zu einer diversen Gesellschaft sind im Magazin vereint – das finde ich toll. 

Warum liegt Dir das Thema Sichtbarkeit von BIPoC und LGBTIQ+ in der Literatur so am Herzen? 

Vor allem BIPoC und LGBTQ+, die in dieser Gesellschaft strukturell benachteiligt werden, sollen im Magazin Gehör finden, weil derzeit einfach noch nicht genug passiert. Mir ist also wichtig, Strukturen aufzubrechen. Der Literaturmarkt ist in dieser Hinsicht sehr ausbaufähig. Es fängt ja auch schon in der Schule an. Was wird im Unterricht gelesen? Eben weil die Sichtbarkeit von BIPoC und LGBTIQ+ noch viel zu gering ist, möchte ich etwas dafür tun, dass es auch anders sein kann. Literatur ist außerdem ein Freiraum, der als solcher zugänglicher sein muss – für alle. 

Wie ist die Resonanz für das Magazin bisher? 

Ich kriege sehr viele liebe Nachrichten per Instagram oder per Mail zu den Einsendungen. Ich finde es mega toll, wenn ich andere Menschen inspiriere, auch etwas zu starten. Wenn Leute mir so was erzählen, erinnere ich mich in eher stressigen Zeiten einfach gerne daran. Das gibt mir sehr viel Kraft. Es ist natürlich generell sehr schwierig, in dieser großen Verlagswelt überhaupt gesehen zu werden, vor allem als PoC (*People of Color). Die vielen lieben Nachrichten zeigen mir aber, dass es sehr gut angekommen ist, worüber ich mich sehr freue. 

Wie findest Du neben dem Studium Zeit für das Magazin?

So genau weiß ich es auch nicht. Ich glaube, es ist immer ein Setzen von Prioritäten. Wenn dir etwas wichtig ist, kannst du ohne Probleme soziale Aktivitäten zurückschrauben und dich nur um eine Sache kümmern. Das habe ich total gerne gemacht und mache ich auch immer noch. Jetzt bin ich fast durch mit meinem Studium. Ich muss nur noch eine Hausarbeit und meine Masterarbeit schreiben. Ein Ende dieser Zeit ist also in Sicht!

Würdest Du sagen, dass theoretisch jeder ein Magazin herausbringen kann?

An sich würde ich sagen, solange die Idee des Magazins toll ist und vielleicht sogar noch dazu eine Lücke auf dem Markt schließt: auf jeden Fall. Natürlich muss man viel Privatleben aufgeben und Disziplin haben, auch wenn es gerade nicht so gut läuft. Ich hatte beispielsweise vor dem Druck viel Kontakt zur Druckerei, einfach weil ich darin keine Erfahrung hatte. Auch der Probedruck sah noch anders aus. Daran konnte ich zum Glück noch arbeiten. Ich motiviere hiermit jeden dazu, es einfach zu versuchen. 

Was wünschst Du Dir in Zukunft für Literatur und junge Literatur insbesondere? 

Ich wünsche mir, dass der deutsche Literaturmarkt sich weiter öffnet und Menschen zuhört, die etwas sagen möchten. Ich habe das Gefühl, dass viele Stimmen verdrängt werden, ihnen kein Raum gegeben wird, sie einfach ignoriert werden. Dabei ist es wichtig, allen zuzuhören und von ihnen zu lernen. Junge Literatur muss außerdem weiter in Magazinen und Büchern verbreitet werden. Ich hoffe, dass sich die Verlagswelt dahingehend positiv verändert.

INFO Wenn Ihr mehr über „literarische Diverse“ erfahren oder das Magazin kaufen wollt, schaut vorbei unter: www.literarischediverse.de Oder folgt Yasemin unter: https://www.instagram.com/literarischediverse/?hl=de


Hier findet Ihr unser letzes Interview: Wir haben mit Comedian Chris Tall geplaudert. 

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Teutonia SuS Waltrop strahlt: Dieser Neuzugang soll die Sturmprobleme lösen 
Teutonia SuS Waltrop strahlt: Dieser Neuzugang soll die Sturmprobleme lösen 
Hier öffnen die Kinos im Kreis Recklinghausen und in der Umgebung als Erstes
Hier öffnen die Kinos im Kreis Recklinghausen und in der Umgebung als Erstes
Dreimal die Woche ans Mittelmeer: Flughafen Dortmund erweitert sein Streckennetz
Dreimal die Woche ans Mittelmeer: Flughafen Dortmund erweitert sein Streckennetz
Unfall am Erdbeerfeld: Verletzte Kinder (2/5) und Mutter müssen ins Krankenhaus
Unfall am Erdbeerfeld: Verletzte Kinder (2/5) und Mutter müssen ins Krankenhaus
So hoch ist die Zahl der aktuellen Coronavirus-Fälle im Kreis RE, Kinos dürfen öffnen
So hoch ist die Zahl der aktuellen Coronavirus-Fälle im Kreis RE, Kinos dürfen öffnen

Kommentare