Sänger Yungblud hat seine rotgefärbten Haare punkig nach oben gegelt. Er ist oberkörperfrei, hat eine Schleife um den Hals und streckt die Zunge raus.
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Yungblud fällt neben seiner Musik auch durch sein Aussehen auf. Momentan trägt er seine Haare dunkelrot und punkig.

Portrait

Musik für die wildesten Jahre

  • vonSteffen Rüth
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Sänger Yungblud gibt der Generation eine starke Stimme, in der Vielfalt und sexuelle Revolution die übergeordnete Rolle spielen.

Der Engländer Dominic Harrison ist 23 Jahre alt und unter dem Namen Yungblud mit seinem knallbunten wie substanzstarken Album „Weird!“ dabei, einer der weltweiten Meinungsführer seiner Generation zu werden.

Yungblud hat einen Lauf. „Weird!“ schaffte es direkt an die Spitze der britischen Albumcharts, vor allem in seiner Heimat feiern ihn die Medien als die neue und besonders glaubwürdige Stimme seiner Generation. Und Dave Grohl von den Foo Fighters tat vor kurzem kund, er halte Yungblud für die Zukunft des Rock’n’Rolls schlechthin. Mehr geht kaum. „Dave Grohl ist der Grund, weshalb ich als Kind mit dem Gitarrenspiel begonnen habe“, sagt der Junge, der aus den nordenglischen Doncaster kommt und familiär vorbelastet ist. Sein Vater betreibt einen Handel für Musikinstrumente, der Opa spielte seinerzeit bei T-Rex.

Zeit des Ausprobierens

Schon als Kind merkt er, dass er anders tickt als der Rest, er färbt sich die Haare, entdeckt die exaltierte Mode von Vivienne Westwood und fühlt sich „zwar von allen irgendwie geliebt, aber von niemandem verstanden.“ Die naheliegende Konsequenz: Mit 16 zieht er nach London, geht auf eine Schule für Darstellende Künste, spielt Theater, schreibt Songs, bekommt endlich einen Plattenvertrag und erlebt „phantastische Jahre des sexuellen Ausprobierens und der sexuellen Befreiung“. In „Cotton Candy“ blickt er auf diese für ihn wertvolle Zeit zurück.

Vorantreiber einer Generation ohne Regeln

„Du musst dich erst in vielen Menschen verlieren, um herauszufinden, wer du bist“, sagt Yungblud. Vor ein, zwei Jahren war er mit der US-Kollegin Halsey zusammen. Der Beziehung widmet er die beiden wirklich emotionalen und zärtlichen Lieder „Love Song“ und „It’s Quiet In Beverly Hills“. Er glaubt: „Meine Generation steckt mitten in einer neuen, rasant ablaufenden sexuellen Revolution. Es gibt neue Terminologien und kaum noch Regeln. Jede*r kann sein, wie er oder sie sein will.“

Und Yungblud ist einer der Vorantreiber dieser vor allem dank des Internets befeuerten Entwicklung. Er predigt in seinen oft ungeheuer melodischen Songs die radikale Akzeptanz aller Lebens- und Liebesformen. Der für ihn wichtigste Song auf „Weird!“ heißt „Mars“ und sei inspiriert von der Begegnung mit einem trans Mädchen bei einem Yungblud-Konzert in Maryland/ USA, „Sie wirkte so mutig, so stark. Eine echte Kriegerin“, so der Musiker, noch immer berührt. „Sie hatte extra gute Noten geschrieben, damit ihre Eltern mit zu unserer Show kamen. Alles, was sie wollte, war ihnen zu zeigen, dass sie kein Freak und keine Enttäuschung ist. Sondern, dass wir eine große, liebende Gemeinschaft von Verrückten sind.“

Musik für die wildeste Zeit des Lebens

Die Beziehung zwischen Yungblud und seinen oft sehr jungen Fans sei extrem eng und liebevoll, sie bekommen bei ihm Verständnis und Geborgenheit. „Wir alle sind Yungblud. Wir spenden und gewinnen Kraft und Selbstbewusstsein in einer Gemeinschaft von Menschen, die anders sind als die meisten, aber bedingungslos und glücklich zu sich stehen wollen.“

„Ich mache meine Musik nicht, um Hits zu haben“, so Dominic, der vor drei Jahren noch in einer WG mit dem Kollegen Lewis Capaldi und zwei weiteren Jungs hauste, „und dann treffen wir uns plötzlich bei den Grammys wieder“. Sondern? „Ich mache Musik, weil ich früher einsam war und heute Teil einer Gemeinschaft bin, die mir alles bedeutet. Ich mache Musik für die wildesten, die verrücktesten, die traurigsten, die glücklichsten Jahre unseres Lebens. ‚Weird!‘ ist das Manifest unserer Jugend. Wir sollten sie lieben und auskosten. Sie geht viel zu schnell vorbei.“

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