Lieber eine Maske tragen als offen und ehrlich zu sein? Da ist Distanz vorprogrammiert - vor allem in Freundschaften.
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Lieber eine Maske tragen als offen und ehrlich zu sein? Da ist Distanz vorprogrammiert - vor allem in Freundschaften.

Achtung: Freundschafts-Aus

Macht nicht diese Fehler!

Freundschaften sind was Wunderbares, aber manchmal halten sie nicht, wie man es sich vorstellte, ein Leben lang – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ich krame mal in meinen Erinnerungen und hoffe, dass Ihr es mit meiner Hilfe besser macht – und Eure Freunde wirklich Eure Freunde bleiben.

Im Streit auseinanderzugehen, ist für mich ein großes Problem und belastet mich teilweise auch noch Jahre später, weswegen ich immer versuche, zumindest auf einen neutralen Standpunkt zu kommen – es sei denn, die Person geht mir so heftigst auf den Keks, dass jede Anstrengung Zeitverschwendung wäre. Das kann ich nur an Fallbeispielen erklären.

Beim Mobbing wegguckt

Nummer eins: Sechste Klasse, eine sehr junge Lena schnappt das Wort „Schlampe“ auf, weiß zwar nicht, was es bedeutet, aber bemerkt, dass es scheinbar etwas Negatives heißt. Lena ist begeisterte Nutzerin von schülerVZ und benutzt besagtes Wort während eines hitzigen Wutanfalls im Streit gegen ihre damalige engste Freundin. Später sieht sie teilnahmslos zu, als ihre ehemalige Freundin während des Matheunterrichts gemobbt und beschimpft wird. Ich kriege Bauchschmerzen, wann immer ich daran zurückdenke. Mein jüngeres Ich war so unentschuldbar abstoßend und regelrecht bösartig. Meine Freundin war natürlich nicht komplett unschuldig an dem Streit, aber ich kann hier wirklich keine Schuld von mir weisen. Bei Mobbing zuzusehen, ist grauenvoll. Erst zwei Jahre später, als sie nach Bayern zog, brachte ich den Mut auf, mich in einem Brief zu entschuldigen – so feige war ich! Und so herzensgut war sie, diese Entschuldigung wirklich anzunehmen. Das beeindruckt mich nach wie vor. Mittlerweile lebt sie wieder in Datteln. Wirklicher Kontakt besteht nicht, wir haben allerdings ein paar gemeinsame Freunde und sehen uns deswegen zwischendurch. Bei jeder Begegnung ist sie offener und freundlicher, als ich es mir wünschen könnte – und bei jeder Begegnung entschuldige ich mich mindestens dreimal, was sie lachend abtut.

Entwicklung in andere Richtungen

Nummer zwei: das akuteste! Lena lernt mit ganz knapp dreizehn Jahren auf Skype Lukas aus dem fernen Niedersachsen kennen. 95 % der Zeit redeten wir nur Quatsch, skypten, sahen uns komplett blöde Let’s Plays an und lachten über unserer Meinung nach bescheuerte Trends wie den vor Lachen weinenden WhatsApp-Smiley. Gewissermaßen entwickeln wir uns in ähnliche Richtungen – nach all den Jahren sind wir immer noch brennende Pokemon-Fans, kriegen unsere Soziophobie mal besser, mal schlechter in den Griff und lachen über dieselben Dinge. In vielen anderen Bereichen jedoch geht es auseinander. Ich wurde eine Art Möchtegern-Discount-Punk, indem ich mir die Haare blau färbte, plante meine Zukunft bis ins kleinste Detail und bekam mein Selbstbewusstsein sowie meine schulischen Leistungen ein wenig in den Griff, mein Vater starb und diverse Dates liefen eher schlecht als recht. All das läuft bei ihm eher gegenteilig. Mit beinahe 18 Jahren möchte er noch Superstar werden – was nicht wertend gemeint ist, aber Pläne dafür stellt er jedenfalls nicht auf –, tut so ziemlich alles für soziale Anerkennung, packt die Versetzung in die zwölfte Klasse nicht, weil er keine Facharbeit schreibt. Er hört „Marina and the diamonds“, ich höre „Die Ärzte“. Alles kein Hindernis für eine Freundschaft. Zwar war schon drei- oder viermal zwischen uns monatelang Funkstille, doch bisher sind wir immer darüber hinweggekommen. Jetzt ist Funkstille Nummer fünf! Wer zu jeder Tages- und Nachtzeit meine ungeteilte Aufmerksamkeit für Wehwehchen wie „Mein Schwarm hat bei der Gruppenarbeit nicht mit mir geredet“ verlangt, mich dann aber als Reaktion blockiert, wenn es mir ernsthaft schlecht geht, der baut Frustration bei mir auf. Wer weiß, vielleicht ist das das mir unbekannte „Aus und vorbei“, vielleicht verläuft es auch wieder nur ein paar Monate so.

Drama wegen eines verlorenen Arbeitsblattes

Und Fallbeispiel Nummer drei: meine engste Freundin. Wir hegten sicherlich schon fünf- oder sechsmal monatelang einen Hass aufeinander. Sei es wegen eines abgesagten Konzerts, eines verlorenen Arbeitsblattes oder ähnlicher äußerst „dramatischer“ Faktoren, wenn Blicke töten könnten, wären wir nicht so weit gekommen. Aber ich wage zu behaupten, dass wir nie enger befreundet waren.

Ihr seht: Es gibt genug Gründe, eine Freundschaft abzubrechen. Der Kumpel hört Euch nicht zu, kann nur über sich selbst reden, macht Euch fertig, schließt Euch wiederholt aus oder Ihr fühlt Euch einfach nicht mehr wohl mit ihm. Alles ausreichende Gründe, die freundschaftliche Beziehung zu beenden – dazu muss man schließlich keinen Antrag einreichen. Man sollte sich stets mit den Personen umgeben, die einen glücklich machen. Das habe ich zu lange nicht getan, jetzt tue ich es und mir geht’s klasse!

Nichts ist toxischer als fehlende Kommunikation

Allerdings gibt es meiner Meinung nach keinen guten Grund, Unausgesprochenes zwischen sich zu lassen. Alle drei Fallbeispiele haben gemeinsam, dass Streitigkeiten entweder in einer Versöhnung oder in einem klaren Meinungsaustausch endeten, und das ist auch der einzige halbwegs hilfreiche Tipp, den ich hier reinschreiben kann: Nichts ist toxischer als fehlende Kommunikation! Die einzige Situation, in der ich nicht versuchen würde, mich zumindest auszusprechen, ist eine solche, in der man auf taube Ohren stößt. Beinahe jeder Streit ist durch Kommunikation von beiden Seiten zu überwinden – es hat bei mir zumindest ausnahmslos immer geklappt, denn erst dann kann man überhaupt beginnen, über eine beendete Freundschaft hinwegzukommen.

Es ist der einzige Grund, weswegen ich hier so offen über diese Ereignisse sprechen kann und „halb-beendete Geschichten“ nicht erwähne! Einen ungeklärten Groll oder Schuldgefühle für jemanden zu hegen, ist das Dümmste, das man sich antun kann, denn ich kann eigentlich garantieren, dass die Zeit diese Wunde nicht heilen wird. Außerdem ist es sinnlos. Oder trinkt Ihr regelmäßig Gift und hofft, dass Eure Feinde daran sterben?

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