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Aufwachen – und erst mal zum Smartphone greifen und schauen, was in den sozialen Medien los ist: So ungefähr sieht bei vielen die morgendliche Routine aus.

Insta, Facebook, WhatsApp und Co.

Bin ich schon süchtig?

Facebook, Instagram, WhatsApp habt Ihr auf dem Smartphone und schaut ständig, was andere so posten und Ihr postet selber permanent. Klarer Fall: Ihr seid abhängig. Oder?

Nachdem morgens der Wecker geklingelt hat, greifen viele zuerst zum Smartphone. Sie checken Nachrichten, die Wettervorhersage und schauen, was die Freunde auf Twitter, Instagram oder Facebook so treiben. Das wiederholt sich mehrmals am Tag: in der Schule, an der Bushaltestelle, abends auf der Couch. 

Das Beispiel ist fiktiv, doch spiegelt es die Realität vieler Leute wider. So verbrachten 2017 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren im Schnitt knapp drei Stunden täglich allein mit sozialen Medien. Das hat eine Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen gezeigt.

Scrollen durch die Timelines

Das exzessive Scrollen durch die Timelines – also die Liste aller Beiträge von Freunden und anderen Teilnehmern, denen man folgt – kann zur Sucht werden. Laut der DAK-Studie zeigten 2,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen einen problematischen Gebrauch sozialer Medien. Zahlen für Erwachsene liegen noch nicht vor. 

Likes, Signalfarben, Benachrichtigungstöne und andere Gestaltungselemente sorgen dafür, dass wir so lange wie möglich auf der Seite bleiben. Der mögliche Effekt: Man möchte immer weiterlesen und kann nicht aufhören. 

Ob Menschen dies im Griff haben oder Gefahr laufen, die Kontrolle über die Nutzung zu verlieren, hängt viel von der eigenen Persönlichkeitsstruktur ab. 

Ständiger Druck, falsche Bewältigungsstrategien 

Besonders anfällig für eine Nutzung mit negativen Folgen sind Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl. Wer sich im realen Leben auch noch schwertut, Freunde zu finden, bekommt in sozialen Medien das gute Gefühl, gesehen und gemocht zu werden – auch wenn der ständige Druck, vermeintlich immer neue Inhalte von sich ins Netz stellen zu müssen, zugleich sehr unglücklich machen kann. 

Problematisch ist auch, wenn bei Langeweile, Ärger oder Trauer automatisch Twitter oder Instagram zur Ablenkung geöffnet werden. Um Probleme zu bewältigen, sollte man andere Strategien parat haben als den Blick auf den Smartphone-Bildschirm. 

Wann man von einer Sucht spricht

Damit Ärzte von einer Sucht sprechen, müssen mehrere Kriterien zutreffen. Eine der wichtigsten ist Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, zufolge der Kontrollverlust: Wer also nicht mehr darüber nachdenkt, wann und warum er postet, scrollt und liked und damit auch nicht einfach aufhören kann, hat womöglich ein ernsthaftes Problem. In so einer Situation helfen Menschen wie Christian Groß. Er ist Suchttherapeut in Gütersloh und Pressesprecher beim Fachverband Medienabhängigkeit.

In seine Privatpraxis kommen immer wieder Eltern, in Sorge um gestresste und unaufmerksame Kinder, die in der Schule abbauen und immer mehr Zeit in virtuellen Welten verbringen. Das Problem: „Bei anderen Suchtmitteln haben wir eine Reglementierung, bei sozialen Medien nicht“, sagt Groß und plädiert für mehr gesellschaftliche Aufklärung. 

Nutzer können sich mit Hilfe verschiedener Anwendungen immerhin selbst kontrollieren: Für Android-Nutzer gibt es zum Beispiel die kostenlose Google-App „Digital Wellbeing“, mit der man die Nutzung bestimmter Apps zeitlich beschränken kann. Ähnliches erlaubt die Funktion „Bildschirmzeit“ bei iPhones und iPads. „Alles, was Selbstbegrenzung und Selbstreflexion fördert, ist sehr zu begrüßen“, so Sucht-Experte Rainer Thomasius. (dpa/Julia Ruhnau)

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