Auf dunklem Untergrund liegen vier der von Ines vorgestellten Bücher. Ganz oben liegt: „Half of a yellow Sun“.
+
Viele Romane greifen das Thema Rassismus und seine Strukturen literarisch auf.

Buchtipps

Rassismus – literarisch umgesetzt

  • vonInes Kirchner
    schließen

Es gibt viele Romane, die das Thema Rassismus aufgreifen. Als Leser bekommt man durch sie ein Bild, das einem Nachrichten und Co. nicht geben können. Ines hat im Zuge der „Black Lives Matter“-Bewegungen viel Literatur gewälzt und einige Empfehlungen für Euch.

Das Thema Rassismus in all seinen Facetten hat durch den Mord an George Floyd und den daraus resultierenden Protesten 2020 (endlich!) eine größere Plattform bekommen. Da ich mich davor länger nicht tiefer mit der Thematik auseinandergesetzt hatte, nahm ich die Bewegung zum Anlass, Bücher zu lesen, die sich um Rassismus drehen. Mittlerweile sind ein paar Monate vergangen und so findet Ihr im Folgenden eine Auswahl von Büchern, die sich dem Thema Rassismus über verschiedene Perspektiven nähern.

Chimamanda Ngozi Adichie: „Half of a Yellow Sun“ (2006): „Half of a yellow sun“, die „Hälfte der Sonne“ bezieht sich auf die Flagge von Biafra, eine Nation im Osten Nigerias, die 1967 aus Angst vor weiteren Massentötungen ausgerufen wird und nur drei Jahre später in einem der schlimmsten afrikanischen Bürgerkriege wieder untergeht. Adichie hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese historische Begebenheit erzählerisch zu verpacken. So gibt es den Dorfbewohner Ugwu, der bei einem linksradikalen Dozenten zum „Jungen für alles“ wird und gleichzeitig die Vorzüge höherer Bildung genießen kann. Wir bekommen außerdem Einblick in die Gedankenwelt von Olanna, der Geliebten des Dozenten. Sie versucht, sich mit linker Politik von den Fesseln ihrer korrupten Familie zu lösen, kann gleichzeitig aber nicht genug Vorurteile ablegen.
Doch wie ändert sich die Konstellation von Freunden und Familie, wenn auf einmal der Krieg beginnt? Wenn die wohlhabenden Afrikaner genauso wenig haben wie ihre „dreckigen“ Nachbarn von nebenan? Wenn geliebte Familienmitglieder versterben? „Half of a yellow sun“ ist eines meiner Lieblingsbücher. Es regt zum Nachdenken an, lässt uns Menschen hassen und zeitgleich die Liebe lieben. „Half of a yellow sun“ ist aber nicht einfach zu lesen. Die vielen Hauptpersonen führen zu ebenso vielen Perspektiven, es gibt Zeitsprünge, subjektive Auslassungen und Einschübe afrikanischer Begriffe.

Coming-Of-Age-Romane zum Thema Rassismus

Angie Thomas: The Hate You Give (2017): Der Jugendroman „The Hate U Give“ dreht sich um die 16-jährige afroamerikanische Protagonistin Starr Carter, welche als schüchterne Schülerin einer Privatschule für die weiße Oberschicht peinlich genau darauf achtet, dass sie nicht auf ihre Hautfarbe, Herkunft und Gangsta-Rap-Vorlieben reduziert wird. Als jedoch ihr alter Kumpel Khalil in ihrem Beisein von einem Polizisten erschossen wird, ohne auch nur einer Fliege etwas zu leide getan zu haben, aus ihm in den Medien ein Gangmitglied gemacht wird und ihre Zeugenaussage zu keiner Verhaftung führt, wird Starr bewusst, dass ihre Hautfarbe eben doch einen Unterschied macht. Bei Protesten und Aufständen wird sie zunehmend aktiv und kämpft für ausgleichende Gerechtigkeit. „The Hate U Give“ ist ein aufrüttelnder Coming-of-Age Roman, der sich nicht nur perfekt als Schullektüre eignet, sondern auch Älteren wunderbar erklärt, wieso „Black Lives Matter“ nicht nur eine Bewegung, sondern ein Herzensanliegen sein muss.

David Yoon: Frankly in Love (2020): Frank Li ist Sohn koreanischer Einwohner und hat mit gewissen Erwartungen seiner Eltern zu kämpfen – die aktuell nervigste: Sie möchten, dass er nur koreanische Mädchen datet, während Frank ein Auge auf American Sweetheart Brit geworfen hat. Seine Kindheitsfreundin Joy hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen und so gehen die beiden eine Scheinbeziehung ein. Das ist aber gar nicht so einfach, wie erhofft… „Frankly in Love“ ist ein leicht zu lesender Coming-Of-Age-Roman mit interessanten Einblicken in die koreanisch-amerikanische Community. Leider ist der Hauptstrang des Plots sehr vorhersehbar, während manche Wendungen wiederum zu unrealistisch daherkommen.

Ein Handbuch mit allen wichtigen Facts

Kiley Reid: Such a Fun Age (2019): Die 25-jährige afroamerikanische Emira Tucker weiß nicht recht, wie sie ihre berufliche Zukunft gestalten soll, und fängt daher bei der weißen Influencerin Alix Chamberlain als Babysitterin an. Als sie sich mit Alix‘ Tochter Briar in einem Supermarkt aufhält, wird sie vom Sicherheitsmann beschuldigt, Briar entführt zu haben. Kelley Copeland, ein weißer Schaulustiger, filmt den Vorfall, Emira lässt sich das Video schicken und lässt es von seinem Telefon löschen, weil sie nicht in den Nachrichten erscheinen will. Kurz darauf treffen sich Kelley und Emira zufällig wieder und beginnen eine Romanze. Im Laufe des Romans erfährt Elmira von rassistischen Tendenzen bei sowohl Alix als auch Kelley und findet sich in einem Spiel voller Intrigen wieder. „Such a Fun Age“ lässt sich zügig durchlesen und zeigt zwei interessante Aspekte von Rassismus: Zum einen White Privilege, d.h. Vorteile, die Weiße allein aufgrund ihrer Hautfarbe in allen Aspekten ihres Lebens haben, und Rassismus, der sich dadurch auszeichnet, dass Weiße Schwarze gut behandeln, um sich selbst besser zu fühlen. Der Roman ist allerdings ziemlich platt geschrieben, insbesondere die Dialoge sind wenig authentisch.

Reni Eddo-Lodge: Why I’m No Longer Talking to White People About Race (2017): Das Buch mit dem sprechenden Titel war zunächst nur ein wütender Blog-Post, der 2014 viral ging. Da dieser auch Monate später noch hitzige Diskussionen auslöste, entschied sich Reni Eddo-Lodge, den Artikel als Grundlage für ein Buch zu nehmen, in dem sie persönliche Erfahrungen mit Recherchen zu rassistischen Vorurteilen (insbesondere) im Vereinigten Königreich paart. Damit zeigt sie deutlich auf, dass seit Jahrhunderten Weiße und Nicht-Weiße in allen Aspekten ihres Leben ungleich behandelt werden und dieses Problem noch lange nicht behoben ist.

„Why I’m No Longer Talking to White People About Race“ ist wie ein Handbuch für alle, die sich zum ersten Mal näher mit Rassismus auseinandersetzen. Die von mir bei den vorherigen Büchern angesprochenen Begriffe wie struktureller bzw. institutioneller Rassismus und White Privilege werden ausführlich erklärt und mit Beispielen nähergebracht, wichtige historische Ereignisse wie der Sklavenhandel werden berücksichtigt, sodass Einsteiger einen guten Rundumschlag bekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

So erkennt Ihr den wahren Freund
So erkennt Ihr den wahren Freund
Live dabei: So ist es bei Luke Mockridge im TV
Live dabei: So ist es bei Luke Mockridge im TV
Live dabei: So ist es bei Luke Mockridge im TV
Date-Nights im Lockdown
Date-Nights im Lockdown
Date-Nights im Lockdown

Kommentare