Nichts stehen lassen: Der richtige Umgang mit Hass im Netz
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Wer in sozialen Netzwerken aktiv ist, stößt schnell auch auf Hass im Netz. Die Folgen können für Betroffene schwerwiegend sein.

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Der richtige Umgang mit Hass im Netz

In Kommentaren, Foren und sozialen Netzwerken ist der Ton oft beleidigend und sogar bedrohend. Wie man mit Hass im Netz richtig umgeht.

Von Pauline Sickmann 

Wer in sozialen Netzwerken aktiv ist, stößt schnell auch auf Hass. Hate Speech wird das Beleidigen, Hetzen und Diskriminieren im Internet genannt – Hassrede. „Bei Hate Speech handelt es sich um digitale Gewalt“, betont Simone Rafael, Chefredakteurin der „Belltower News“ von der Amadeu Antonio Stiftung. 

Die Folgen können für Betroffene schwerwiegend sein, sie reichen bis hin zu psychischen Störungen. „Die Folgen sind ähnlich wie in der Offline-Welt.“ „Wir verstehen unter Hate Speech digitale Gewalt, die über Sprache, Worte oder Bilder verbreitet wird und die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreitet“, erklärt Nadine Eikenbusch, Referentin für die EU-Initiative Klicksafe bei der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. 

Hate Speech greift die Macht- und Diskriminierungsverhältnisse auf, die in der Gesellschaft – auch abseits des Internets – ohnehin verbreitet sind. Dazu zählen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus, Sexismus sowie Homo- und Transfeindlichkeit. 

„Die Betroffenen werden aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung verachtet, beleidigt und bedroht“, fasst Eikenbusch zusammen. Strafbare Inhalte wie Verleumdung, Beleidigung und Volksverhetzung sind nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt und können angezeigt oder bei Beschwerdestellen wie „Hassmelden“ oder der Beschwerdestelle der Landesanstalt für Medien gemeldet werden. 

Das Wichtigste: Hass nicht stehen lassen 

Wer Hass im Netz beobachtet, kann auf verschiedene Weise dagegen vorgehen. „Das Wichtigste ist, Hass nicht stehen zu lassen“, sagt Simone Rafael. „Ein Nichtreagieren sieht immer aus wie Zustimmung.“ Außerdem verfestigten sich bei fehlender Gegenrede die Positionen der Hassredner. 

Wer sich gegen Hass positionieren will, kann auch andere ansprechen und sich so Unterstützung holen, rät Rafael. Wer Inhalte selbst nicht löschen kann, kann zumindest die Verantwortlichen der Seite darauf aufmerksam machen oder die Meldefunktionen der sozialen Netzwerke nutzen. 

Wer selbst von Hate Speech betroffen ist, dem rät Rafael zu einer mehrstufigen Strategie. „Der erste Schritt ist die Beweissicherung.“ Hier genügt es, einen Screenshot zu machen und sich die URL zu notieren – auch wenn man sich erst einmal nicht weiter damit auseinandersetzen möchte. Danach können Betroffene die Beitrage löschen. „Man muss das nicht ertragen“, betont Rafael. 

Nicht mit sich selbst ausmachen 

Wer merkt, dass ihn die Angriffe im Netz sehr belasten, sollte das nicht mit sich selbst ausmachen – sondern seine Probleme in der realen Welt teilen. „Gegebenenfalls macht es auch Sinn, sich psychologische Hilfe zu holen“, findet Simone Rafael. Diskriminierende, gewaltverherrlichende und menschenverachtende Äußerungen gegenüber Personen oder Bevölkerungsgruppen sind keineswegs neu, sagt Prof. Birgitt Riegraf, Soziologin und Präsidentin der Universität Paderborn: „Sie haben durch das Internet und die digitalen Medien allerdings eine neue Dimension erreicht, die eine demokratische und offene Diskussionskultur grundlegend gefährdet.“ 

Zwei Aspekte steigern ihrer Ansicht nach die Verrohung von Sprache: Erstens ist es im Netz möglich, sich in eine Resonanzblase zurückzuziehen. „Damit wird die eigene Position durch die entsprechenden Follower immer wieder neu bestärkt. Gegenpositionen können einfach ausgeblendet werden.“

Zweitens sind die Reaktionen des Gegenübers auf Beschimpfungen und Gewaltandrohung nicht unmittelbar erlebbar. „Die fehlende ‚face-to-face‘-Interaktion erleichtert Gewaltsprache, da sich der Angreifer der emotionalen Reaktion des Gegenübers entziehen kann.“

Die Beschwerdestelle der Landesanstalt für Medien NRW erreicht Ihr unter: https://www.medienanstalt-nrw.de/zum-nachlesen/recht-und-aufsicht/beschwerde.html 

Die zentrale Meldestelle für Hatespeech findet Ihr unter: https://hassmelden.de/

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