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Blauer Himmel in Portoferraio, der Hauptstadt der Insel Elba. Übersetzt bedeutet der Portoferraio „Eisenhafen“ und verrät damit bereits etwas über die Historie der italienischen Stadt, in der knapp 12.000 Menschen leben.

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... on Elba

Vielleicht grübelt Ihr über Euren Sommerurlaub nach? Ich hätte einen Tipp: Elba. Mit Zug, Bus und Fähre habe ich mich von Pisa aus auf den Weg dorthin gemacht, auf die zauberhafte Insel, in die ich mich mehr als nur ein bisschen verliebt habe.

Alleine die Überfahrt über das glitzernd blau-türkise Mittelmeer hat die Menschen zufrieden schweigend an die Reling gefesselt und dafür gesorgt, dass Alltagssorgen einer erholten Friedlichkeit Platz gemacht haben. Und so habe ich ganz Elba empfunden: still, zufrieden, hell, freundlich und überwältigend schön. Ich bin zuvor nie auf einer so bergigen Insel gewesen, deshalb fand ich das Panorama, das man während der Überfahrt hatte, ganz besonders.

Angekommen in Portoferraio, der Hauptstadt der Insel, hat meine Euphorie einen gewaltigen Dämpfer bekommen, als meine Träume davon, die Insel auf eigene Faust mit dem Roller zu erkunden, zu zerplatzen schienen. Weil ich, naiverweise, zugab, nie zuvor Roller gefahren zu sein, wollte mir nämlich niemand einen vermieten. In meinem Frust aß ich das beste Eis, das ich jemals gegessen habe (Crema di Romina, zwischen dem alten und neuem Hafen, von der Gelato World Tour ausgezeichnet), was meine Laune wieder hob. Unschlüssig, was ich jetzt tun sollte, erkundete ich Elbas Hauptstadt, ein süßes Dorf mit toller Hafenpromenade.

Danach machte ich mich auf Richtung Elba Travels Camp, einem Zelthostel, in dem ich eine ganze Woche lang blieb. Weil die Hauptsaison vorbei war, waren in dem ganzen Camp die meiste Zeit nur ca. zehn Leute und wir wurden eine kleine Reisefamilie. Dass wir bis 3 Uhr am Feuer saßen, war keine Seltenheit, und wie viele Flaschen Wein ich getrunken habe, möchte ich lieber nicht wissen, aber an die Gespräche, die Menschen und die gemütliche Atmosphäre zwischen Lichterketten und Hängematten werde ich mich noch lange erinnern. Am nächsten Morgen habe ich meinen ersehnten Roller (ich nannte ihn Viktor) dann doch noch bekommen.

Überglücklich, wenn auch noch etwas unsicher, bin ich die Küste entlang nach Porto Azzurro gefahren. Das Dorf besitzt einen wunderschönen Hafen, azurblaues Wasser, einen einladenden Marktplatz und mehrere Strände. Außerdem gibt es in Porto Azzurro einen tollen Wanderweg, der oberhalb der Stadt auf Klippen und durch kleine Buchten am Meer entlangführt. Die Aussicht ist toll.

Mittags bin ich mit einigen Leuten aus dem Camp nach Procchio schnorcheln gefahren, wo man das Wrack eines 1972 gesunkenen Schiffs bewundern kann und sich außerdem Hunderte von Fischen im glasklaren Meer tummeln.

Wenn man nach einem schönen Ort sucht, um abends essen zu gehen, einen Cocktail zu genießen oder mit einem Eis anzuschauen, wie die Abendsonne die Häuser gelb anmalt, bevor sie untergeht, bietet sich das abends quirlige Bergdorf Capoliveri an, das ich mit meinem Roller Viktor ansteuerte.

Postkartenbuchten und urige Dörfchen

Angefixt vom Rollerfahren beschloss ich am nächsten Tag, die ganze Westküste von Lacona aus bis nach Marciana Marina zu fahren. Immer am Meer entlang schlängelte sich eine kleine Straße voller Serpentinen. Mit Blick auf Postkartenbuchten mit weißem Sand und den verschiedensten Blautönen fühlte ich mich auf Viktor immer mehr wie eine Italienerin, hielt in kleinen Orten, aß Croissants und Eis. Meine Lieblingsorte dieser Tour waren Marciana, ein winziges, aber sehr uriges Bergdörfchen mit ca. drei Bars und einer Eisdiele (leckeres Eis und gute Bruschetta in der letzten Bar), und Sant‘Andrea, obwohl ich hier niemals die schönsten Stellen gesehen hätte, hätte ich nicht Wolfgang getroffen, den Schweizer von meiner Überfahrt. Verlässt man den „normalen Strand“ an der linken Seite, so erreicht man eine ganz besondere Felslandschaft mit dem türkisesten Wasser, das ich je gesehen habe. Die Felsen bestehen aus zwei verschiedenen Gesteinen. Definitiv ein Ort, den man gesehen haben sollte.

Ein ganz besonderes Erlebnis war meine Tour auf den Monte Capanne. Zusammen mit drei amerikanischen Mädchen, die in Florenz studieren, und Jordy, einem Sportstudenten, brachen wir morgens auf, wir Mädels in dem Glauben, ganz gemütlich zwei Stunden lang auf einen Berg zu laufen, um die Aussicht zu genießen. Tatsächlich waren wir neun Stunden unterwegs und konnten uns kaum noch auf den Beinen halten – kein Wunder, denn wie wir später gelesen haben, wird die Tour nur erfahrenen Bergsteigern empfohlen. Die Touren über den Monte Perone und von da aus über den Kamm, den Monte Capanne, waren schon deutlich einfacher zu erlaufen, beziehungsweise zu erklettern. Oben auf dem Gipfel angekommen, gab es den besten Schokoladenkuchen der Welt.

Am nächsten Tag, nachdem ich im Reiseführer von all den Weingütern, Weinproben und kulinarischen Höhepunkten der Insel gelesen hatte, beschlossen wir, einen Weinbauern in der Nähe zu fragen, ob wir vorbeikommen und seine Weine probieren könnten. Wenig später standen wir zu acht im Weinkeller „Azienda Agricola Mazzarri“ und ließen uns die Geschichten der Weine der alten Elbaner Familie erzählen, in einem Misch aus italienisch und deutsch und mit viel Euphorie und Herzblut.

Wir probierten verschiedene Rot- und Weißweine, den speziellen, inseltypischen Aleatico, einen roten Dessertwein, und die Spezialität des Gutes, einen weißen Dessertwein, der nirgends anders so hergestellt wird. Wir durften in Weinfässer schauen, bekamen einen tollen Eindruck von der Herstellung und alles war umsonst – am Ende bekamen wir sogar eine Flasche Weißwein für den Abend geschenkt. Den genossen wir mit Stockbrot am Lagerfeuer.

An meinem letzten Tag mit Roller wollte ich mir unbedingt noch den Osten der Insel anschauen. Rio Marina und Campo nell’Elba, zwei Orte im Osten überzeugten mich nicht so sehr wie die wunderschönen, sandhellen und azurblauen Orte, die ich zuvor gesehen hatte. Allerdings war ich auch unglücklicherweise in der Mittagszeit da, wo die Geschäfte also geschlossen hatten.

Pizza und Wein auf der Felszunge in Sant‘Andrea

Mein letzter Abend war ziemlich besonders. Nachdem ich den Vormittag am Felsstrand und den Nachmittag schnorchelnd am Sandstrand von Lacona verbracht habe, sind wir mit dem Van nach Sant‘Andrea gefahren, um den Sonnenuntergang von einer Felszunge aus anzuschauen. Unterwegs haben wir plötzlich einen Wirbelsturm gesehen. Es war verrückt. 15 Autos haben mitten auf der Straße angehalten, um das Spektakel zu fotografieren. Mit Pizza und Wein machten wir es uns auf den Felsen bequem.

Während wir auf der einen Seite einen Sonnenuntergang in leuchtenden Rot- und Orangetönen bewundern konnten, zuckten auf der anderen Seite Blitze in einem bedrohlich schwarzen Himmel. Mit diesem farblichen Wetterspektakel verabschiedete sich Elba von mir und hinterlässt mir einen Haufen Bilder in meinem Kopf wie aus einem Hochglanz-Urlaubskatalog. Einfach zu schön.

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