+
Wer ans Wattenmeer fährt, muss natürlich auch ein Mal durchs Watt wandern – so wie Karo!

Reisetipps von Scenario

What to do in Ostfriesland

  • Karo Jankowski
    vonKaro Jankowski
    schließen

Aktuell sind auch die deutschen Strände überfüllt, aber so ein Trip nach Ostfriesland lohnt sich auch im Herbst. Karo hat ein paar Tipps parat.

Klar, Bali, Australien, Hawaii und L.A. scheiden dank Corona diesen Sommer als Reiseziele aus. Generell sollte man aus Rücksicht vielleicht, auch wenn es nicht verboten ist, das europäische Umland meiden. Es muss aber trotzdem niemand so ganz auf seine Portion Urlaubssonne verzichten! 

Denn man sollte eines nicht vergessen: Deutschland hat auch wahnsinnig sehenswerte Reisedestinationen. Eine davon stelle ich Euch heute mal vor. Es geht um Norddeich/Norden im schafgeschwängerten Ostfriesland. Die Anreise ist famos simpel: Man setzt sich ins Auto, fährt knappe drei Stunden Richtung Norden und ist da. Wahlweise nimmt man einfach den Zug nach Norden (also die Stadt). Es folgen ein paar Ausflugsziele in der Umgebung:

  • Norden: 

Streng genommen ist Norddeich ein Stadtteil der Stadt Norden. Vom Deich aus fährt man mit dem Fahrrad ungefähr 15 Minuten und ist auf dem Marktplatz des historisch anmutenden kleinen Fischerstädtchens. Ein Fischerstädtchen, dem der kapitalistische Franchise-Wahn noch nicht in die Poren gedrungen ist. Hanseatische Renaissancebauten säumen die Einkaufsstraßen der Altstadt und beherbergen charmanten Fachhandel für jeden Bedarf. 

Es gibt Bäckereien, die noch ehrliches Selbstgebackenes anbieten. Ein bisschen moderner und wirklich wahnsinnig gut ist auch die Norder Kaffeemanufaktur, in der man nicht nur handverlesene Kaffeesorten kaufen, sondern vorher auch probieren kann. In welcher Zubereitungsvariante auch immer. Norden ist vielleicht nicht die spektakulärste Stadt der Welt, aber sie macht glücklich.

  • Lütetsburger Schlosspark:

 Unweit der Norder Altstadt befindet sich der Lütetsburger Schlosspark. Unkompliziert runtergebrochen: Es ist ein Wasserschloss, in dem sogar Leute wohnen. Rund um dieses Schloss ist besagter Schlosspark. Klingt erst mal unspektakulär, ändert sich aber schlagartig, wenn man selbst drinsteht. Der vom Industriecharme des Ruhrpotts verwöhnten Pupille erschließt sich ein unglaubliches Idyll aus kunterbunten Blumenmeeren, sich glitzernd durch die Gegend züngelnden Bächlein, die jeweils von märchenhaften Brücken überbaut sind. Überall sind Rondelle, naturgebaute Skulpturen, Gärten in Gärten in Gärten und ein paar Schafe. Es ist einfach wunderschön. Nicht mehr, nicht weniger. Perfekt für einen Tag Alltags-Detox.

  • Seehundstation Norddeich: 

Ich möchte mögliche Illusionen vorweg zerstören: Ja, es gibt da Seehunde und Robben. Das sind aber nicht viele und man kann sie auch nicht anfassen. Die bewegen sich in der Regel nicht mal besonders viel. Das allerdings macht die Seehundstation nicht weniger wichtig oder besuchenswert. Erst mal gehen 95 Prozent aller Einnahmen direkt an die wuseligen Nordseesäuger. Die Seehundstation ist einzig und allein dafür da, kranke und verletzte Robben und Seehunde aufzupäppeln und sie wieder in die Natur zu lassen. 

Innerhalb der Station befindet sich ein kleines Museum, das ganz genau und sehr interaktiv erklärt, was das alles bedeutet und wie vorgegangen wird. Und warum, um Himmels willen, man einen einsamen Seehund nicht anfassen darf. Zwischendurch gibt es auch immer mal wieder Fütterungen, bei denen alles noch mal erklärt wird. Langweilig ist es also in keinem Fall.

  • Wattwanderung an der Norddeicher Mole:

 Was in alpinen Regionen das Bergsteigen oder Canyoning ist, ist hier am Wattenmeer das Wattwandern. Klingt nach Beschäftigungstherapie für quengelige Kinder, macht aber Spaß. Ich bin der Meinung, man muss immer ein wenig Zeit aufwenden, um den Ort, den man besucht, auf möglichst ursprüngliche Art kennenzulernen. Am Norddeicher Strand gibt es zig Bushhaltestellen-ähnliche Schilder: die Stationen der einzelnen Wattführer. Jeder der ostfriesischen „Ureinwohner“ hat seinen ganz eigenen Charme und im Grunde müsste man jede einzelne Wattwanderung einmal mitmachen, um ein trugloses Bild der Gegend zu bekommen. 

  • Greetsiel: 

Greetsiel ist ein Fischerdorf, das ein paar Kilometer weiter liegt und bequem mit dem Fahrrad zu erreichen ist. Greetsiel ist das Mallorca Ostfrieslands, der touristische Hotspot und Sammelbecken gestrandeter Partypeople, die in diesem Jahr eben nicht nach Mallorca reisen konnten. Das nimmt dem Dorf keinesfalls den Charme. Wo in Norden schmucke Herrenhäuser das Stadtbild zieren, sind es in Greetsiel die Reetdachhauser, das märchenhafte Käptn-Blaubär-Ambiente und der historische Kutterhafen. 

Es gibt tausende kleine Souvenirläden – die allerdings tatsächlich wesentlich mehr als Postkarten und Muschelsäckchen bieten – Ostfriesentee-Cafés, Angelläden und einfach sehr viel lustigen Kleinkram zu entdecken. Ein paar Meter außerhalb des Dorfkerns steht übrigens der berühmte und wirklich hübsche gelb-rot gestreifte Pilsumer Leuchtturm. 

  • Jever: 

Liegt streng genommen nicht mehr in Ostfriesland, sondern in Friesland. Ich hatte Jever maximal wegen des Biers auf dem Schirm und war umso umgehauener, als ich die Stadt dann mal gesehen habe. Es verhält sich ähnlich zu Greetsiel, die Idylle der Stadt macht einen ganz krank, weil man weiß, man fährt irgendwann wieder nach Hause. Zudem gibt es die Jever-Brauerei, von der die lokale Gastronomie geprägt ist. Friesisch-herb ist, entgegen aller Klischees, im Übrigen auch wirklich nicht das treffende Wort, um die Gastfreundlichkeit der Einheimischen zu beschreiben. All die Leutchen, die ihre feinen, urigen Teeläden, Buchhandlungen oder Biergärten betreiben, sind einfach nur zauberhaft.

  • Fazit: 

In Ostfriesland erlebt man nicht unbedingt die Abenteuer seines Lebens, da will ich ehrlich sein. Dafür eignet sich die Norddeutsche Küste zwischen Wilhelmshaven und Emden bestens für den kleinen, feinen Tapetenwechsel, der die alten Lebensgeister wieder heraufbeschwört. Es ist perfektes Terrain zum ausgiebigen Fahrradfahren, Landschaften bewundern, genießen und es sich gut gehen lassen. Allein die Küstenluft dort reinigt euer Bronchialsystem in kürzester Zeit einmal durch, sodass wieder Kapazitäten für heimische Kohlerückstände vorhanden sind. Es belastet die Umwelt nicht, fördert den binnenländischen Tourismus und sichert Existenzen. 

Ihr wollt doch lieber den nächsten Trip ins Ausland planen? Dann hat Ines ein paar schöne Tipps für einen Madeira-Urlaub für Euch!

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

So bekämpft Ihr Zukunftssorgen
So bekämpft Ihr Zukunftssorgen
So bekämpft Ihr Zukunftssorgen
Alleine auf dem Jakobsweg
Alleine auf dem Jakobsweg
Alleine auf dem Jakobsweg
Stille Wasser sind tief
Stille Wasser sind tief
Stille Wasser sind tief
What to do on Madeira
What to do on Madeira
What to do on Madeira
Geschenke mit dem Glücks-Faktor
Geschenke mit dem Glücks-Faktor
Geschenke mit dem Glücks-Faktor

Kommentare