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So sieht er aus, der Organspendeausweis. Ihn auszufüllen, dauert nur wenige Minuten. Sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen, aber sicherlich viel länger.

Wissenswertes zum Organspendeausweis

Zunächst geht’s nur um die Auseinandersetzung

Mit dem 16. Lebensjahr darf jeder seine Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende erklären. Bereits ab 14 kann man einer Organspende widersprechen. 80 Prozent der Deutschen stehen der Organspende positiv gegenüber. Aber nur etwa 30 Prozent tragen einen bei sich – nun ja. Zahlen sind gut und schön, doch bei solch einer wichtigen Entscheidung – für oder gegen eine Organspende – helfen sie einem auch nicht wirklich weiter, an ihnen kann man lediglich erkennen, wie zerrissen die Meinungen über dieses Thema noch sind. Und vielleicht habt Ihr Euch auch noch nicht so wirklich damit beschäftigt…

Warum sich wohl viele nicht mit dem Thema beschäftigen: Es geht um den Tod – um unseren eigenen. Einige haben Angst, dass sie zum Beispiel in einen schweren Unfall verwickelt sind und ihnen dann im Krankenhaus – quasi wie in einem Horror-Thriller – die Organe entnommen werden. Doch dem ist nicht so. Ärzte müssen zunächst einmal den Hirntod bescheinigen, erst danach folgen weitere Schritte. Zunächst geht eine Meldung an die DSO, die Deutsche Stiftung Organtransplantation, heraus. Im Anschluss daran findet eine medizinische Untersuchung des Verstorbenen statt. Die DSO übermittelt dann die Laborwerte an Eurotransplant, der Vermittlungsstelle für Organspenden in den Benelux-Ländern, Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Wird dann ein Patient gefunden, wird dieser informiert, das Spenderorgan oder die -organe werden entnommen und können nun transplantiert werden.

Keine Kontrolle, sondern nur Vertrauen

Natürlich kann man als Spender diese Schritte nicht mehr kontrollieren. Doch ich für meinen Teil vertraue auf die verantwortlichen Personen. Was mir besonders wichtig ist: Ich, die einen Organspendeausweis im Portemonnaie hat, weiß, dass egal welche Menschen meine Organe bekommen, ich ihnen mit meinem Tod helfen kann.

Ich finde, das Thema Organspende ist immer noch – auch wenn es hin und wieder diskutiert wird – zu wenig in den Medien vertreten und wir alle wissen einfach nicht allzu viel darüber. Ich möchte niemanden missionieren, einen Organspendeausweis auszufüllen, aber ich möchte dazu animieren, zumindest einmal darüber nachzudenken. Klar, jeder darf über seinen Körper bestimmen wie er möchte. Doch möchte ich hier nun die Chance ergreifen und Euch erklären, wie ein solcher Ausweis aussieht und welche Möglichkeiten man hat, über seinen Körper – auch noch nach dem Tod – zu entscheiden.

Auf dem Ausweis stehen selbstverständlich der eigene Name und Vorname sowie Adresse und Geburtsdatum. Welche Möglichkeiten habt Ihr auf diesem Ausweis? Ihr könnt verschiedene „Wege“ ankreuzen. Die erste Möglichkeit: Ihr erklärt Euch bereit, alle Organe zu spenden. Ihr könnt aber auch ankreuzen, dass Ihr nur bestimmte Organe spenden wollt. Doch auch der umgekehrte Fall ist möglich, dass Ihr bestimmte Organe ausschließt, sei es aus persönlichen und emotionalen Gründen – Ihr möchtet zum Beispiel nicht Euer Herz spenden. Ihr könnt auf dem Organspendeausweis aber auch einer Entnahme widersprechen – oder Ihr überlasst die Entscheidung einer anderen Person. Ihre Daten müsst Ihr dann auf dem Ausweis eintragen.

Da die Frage „Organspendeausweis – Pflicht?“ ein wichtiges Gesprächsthema in der vergangenen Zeit geworden ist, so verdient auch diese Diskussion hier kurz angesprochen zu werden. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass sich jeder über einen Ausweis und über eine Organspende zumindest Gedanken machen und sich informieren sollte. Denn so viele Menschen müssen auf ein passendes Spenderorgan warten – und dies ist eine unvorstellbar schreckliche Situation, die wohl niemand erleben möchte. Jeder dieser schwerkranken Patienten hat es, finde ich, verdient, dass wir uns Gedanken zu diesem Thema machen, und vielleicht uns fragen: „Was, wenn ich mal ein Spenderorgan bräuchte?“

Wenn jeder ab dem 18. Lebensjahr einen Organspendeausweis tragen müsste, heißt es aber noch lange nicht, dass diese Person auch einer Organspende zustimmen muss, was zwar wünschenswert wäre, doch, wie schon zuvor erwähnt: Die Entscheidung trägt jeder Einzelne.

Ich fände eine Organspendeausweis-Pflicht gut, denn dann müsste sich jeder mit dem Thema konfrontieren und wäre somit „gezwungen“, sich schlauzumachen – ob er nun „ja“ oder „nein“ ankreuzt.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich kann immer nachvollziehen, wenn jemand sich aus guten Gründen gegen eine Spende entscheidet – doch ist es mir wichtig, dass mehr Menschen über dieses Thema Bescheid wissen und ihnen Vorurteile und Ängste genommen werden. Zum Schluss appelliere ich an alle: Denkt darüber nach und versucht Euch mal in die Auf-ein-Organ-Wartenden hineinzuversetzen! Wir müssen erkennen, wie wichtig es ist, empathisch zu sein und einander zu helfen. Mit solch einem Ausweis zeigen wir die Bereitschaft, auch nach dem Tod anderen zu helfen.

Respekt vor dieser großen Entscheidung

Ich habe einen großen Respekt vor jedem, der diese Entscheidung trifft. Es ist Euer Gewissen und Eure Entscheidung! Letztere kann jederzeit geändert werden, denn so einfach, wie Ihr Euch einen Ausweis erstellen könnt, so einfach ist es auch, diesen zu beseitigen, was meiner Ansicht nach jedoch nicht wirklich das Ziel sein sollte.

Wenn Ihr Euch nun nach diesem Text entscheidet, einen solchen Ausweis zu haben, dann empfehle ich Euch, diesen bei Eurer Krankenkasse abzuholen und ihn ganz in Ruhe auszufüllen.

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