177. Revierderby

BVB feiert, Schalke verkatert - Nach dem Derby sind die Rollen klar verteilt

Dortmund - Dortmund genießt, Schalke ist zerknirscht: Erstmals seit drei Jahren gewinnt der BVB wieder das Derby - und das völlig verdient. Hans-Joachim Watzke blickt aber schon wieder nach vorne.

Die beschwingte Stimmung auf der Rückfahrt nach Dortmund erlebte nach dem 2:1-Triumph des BVB ihren emotionalen Höhepunkt, als der Mannschaftsbus mit den Derbysiegern das Trainingszentrum am Hohenbuschei im Dortmunder Stadtteil Brackel erreichte.

Mehr als hundert Fans warteten dort auf die Mannschaft, es wurde eine Triumphfahrt im Schritttempo. Und auf den letzten Metern verließen die Spieler den Bus und gingen durch ein Spalier von freudetrunkenen Anhängern. Axel Witsel postete ein Video davon - wie etliche andere auch über ihre Kanäle bei Twitter und Instagram den Sieg zelebrierten. Die Dortmund Feierbiester machten Party.

Auf Schalke passte der Dauerregen, der nach Ende der Partie einsetzte, zur nicht mehr zu leugnenden Kater- und Krisenstimmung. Derby verloren, nur 14 Punkte nach 14 Saisonspielen, was streng nach Abstiegskampf riecht. Dazu unansehnlicher, langsamer Fußball, der alle Fans zunehmend verschreckt - die Kritik an Trainer Domenico Tedesco wird lauter, er erlebt in seinem zweiten Jahr erstmals, wie es ist, wenn viel gegen einen läuft.

Reus winkt alle Spieler in die Kurve

Direkt nach dem Abpfiff nahm die Dortmunder Party ihren Lauf. Kapitän Marco Reus winkte alle Spieler in die Kurve, wo der BVB-Anhang den Derbysieg frenetisch feierte. In diesem Moment wich die große Anspannung, die die Spieler erfasst hatte, seit sie Anfang der Woche bei der Weihnachtsfeier mit den Fans mit auf den Weg bekamen, wie wichtig den Anhängern ein Erfolg im Spiel der Spiele ist.

Auch Reus selbst, gebürtiger Dortmunder, war die Serie von über drei Jahren ohne Dortmunder Dreier gegen den Rivalen und fünf Jahren ohne Erfolg in der Veltins-Arena ein Dorn im Auge. "Das war auf jeden Fall unser Ziel. Wir hatten hier so lange nicht mehr gewonnen?" Reus schrie in der Kurve seine Freude den Fans entgegen, mit den Mitspielern gab es innigste Umarmungen.

Schalker Fans erstaunlich ruhig

Ihr bestes Spiel musste die Borussia am Samstag nicht abrufen - und das allein sagt viel aus über die Schalker Qualität an diesem Nachmittag. Viele Derbys waren schon weitaus emotionaler geführt worden, die beiden in der vergangenen Saison ohnehin. Dieses lief mit zunehmender Dauer ohne große Gefühlsregungen auf den Rängen ab. Der königsblaue Anhang traute der eigenen Elf mit jeder gespielten Minute immer weniger zu. Selbst als Schalke das 1:1 machte durch einen Elfmeter, der von Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) erst auf Hinweis der Video-Assistenten Sascha Stegemann und Mark Borsch in Köln gepfiffen worden war, blieb es auf den Rängen erstaunlich ruhig - nach dem Dortmunder 2:1 gab es auch vor dort kein Aufbäumen.

Aus der Überlegenheit schlug der BVB allerdings zu wenig Kapital. "Wir hatten die klareren Chancen", meinte Torhüter Roman Bürki. "Es ist aber öfter so in letzter Zeit, dass wir zu wenig daraus machen." Zwischendurch, merkte auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc an, "haben wir zu viel verwaltet und zu wenig auf das nächste Tor gespielt."

Schalkes taktisches Experiment scheitert

Nach dem frühen 1:0 für die Gäste, als Salif Sane Thomas Delaney laufen ließ und der Däne per Kopf sein erstes Bundesliga-Tor für die Borussia erzielte, suchten die Königsblauen lange nach einer passenden Antwort. Dass Tedesco in Hamza Mendyl nach 30 Minuten einen Linksverteidiger für den angeschlagenen Guido Burgstaller brachte und in den Sturm stellte, verwunderte alle Parteien.

Das taktische Experiment scheiterte. Mendyl bekam gegen den körperlich deutlich robusteren Manuel Akanji kein Bein auf den Boden, Akanjis Nebenmann Abdou Diallo erledigte den Rest und ließ Weston McKennie nicht zur Entfaltung kommen. Schalkes Not-Sturm war nach der Auswechslung von Burgstaller nicht mehr existent.

Sancho erlebt einen besonderen Moment

Jadon Sanchos 2:1 rückte die Kräfteverhältnisse wieder zurecht. Als er nach dem Tod seiner Großmutter in der vergangenen Woche verhalten gen Himmel jubelte, sorgte das für einen besonderen Derby-Moment. Von dem erneuten Rückstand erholte sich Schalke nicht mehr, die Königsblauen blieben in 94 Minuten ohne echte herausgespielte Torchance. Tedescos Mängelliste war nach dem Spiel entsprechend lang. "Wir hatten keine Spieler, die vorne den Ball festgemacht haben. Wir hatten keine Power und keine Entlastung", meinte der Schalker Trainer.

Der BVB, der wahrlich nicht glänzte in diesem Derby, steht nun dicht vor der Herbstmeisterschaft. "Die Fans", meinte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Gespräch mit dieser Redaktion, "dürfen das gerne feiern. Wir aber sollten nicht in Triumphgeheul ausbrechen, sondern uns auf Monaco und die weiteren Spiele fokussieren." Schon am Montag geht es per Flieger über Nizza ins Fürstentum. Zeit zum Verschnaufen bleibt kaum.

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