Alarmierende Situation beim BVB

Sportdirektor Michael Zorc: "Wir brauchen Leistung"

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DORTMUND - Im Spitzenspiel bekommt Borussia Dortmund von Bayern München die Grenzen aufgezeigt. Das 1:3 (0:2) passt zur alarmierenden Situation beim BVB. Sportdirektor Zorc sagt: "Wir brauchen Leistung."

Es gehörte auch zur Wahrheit nach diesem Spiel, dass Borussia Dortmund bei den klaren Torchancen gegenüber den Bayern sogar ein Plus zu verzeichnen hatte. Auf der vereinseigenen Internetseite war sogar zu lesen, dass der BVB in keiner Statistik hinten gelegen habe.

Leistungsmäßig Welten voneinander entfernt

Das wiederum war allerdings nur die halbe Wahrheit, denn in der wichtigsten, bei den Toren, stand da ein schmerzhaftes 1:3. Und dieses Ergebnis gab den Verlauf ziemlich korrekt wieder, auch wenn Sportdirektor Michael Zorc zu Recht darauf hinwies, "dass wir die Chance zum 1:0 hatten. Und wir hatten ja auch die Chance zum 1:1."

Nicht nur gefühlt aber waren der BVB und der Rekordmeister leistungsmäßig Welten voneinander entfernt. Mit der "Süd" zunächst im Rücken traf eine verunsicherte Elf auf eine Mannschaft, die nach sechs Siegen in Serie nur so vor Selbstvertrauen strotzte.

Nur ein Pflichtsieg aus sieben Spielen

Es war immerhin bemerkenswert, wie Dortmund auch nach dem ernüchternden Tor zum 0:3 noch bemüht war, diesem Spiel einen positiven Abschluss zu geben, was auch durch Marc Bartras 1:3-Ehrentreffer kurz vor dem Ende gelang. Doch eigentlich sehnte spätestens mit dem Treffer nach David Alabas Flanke, die an allen vorbei ins lange Eck segelte, jeder Borusse nur noch das Ende des Spiels und die nun anstehende Länderspielpause herbei.

Nach nur einem Pflichtsieg aus den vergangenen sieben Spielen, der auch noch gegen einen Drittligisten erzielt wurde, muss sich Borussia Dortmund nun komplett neu aufstellen. Die Pause komme zum passenden Zeitpunkt, gestand auch Sportdirektor Zorc im Gespräch mit dieser Redaktion.

Vom Kurs abgewichen

Zorc sieht seinen BVB deutlich vom Kurs abgewichen. Er nehme die Situation sehr ernst, meinte er. "Wir machen seit einigen Spielen zu viele Fehler." Diese zogen sich auch gegen die Bayern wie ein roter Faden durch die 90 Minuten.

Wie die Hasen rannten die Dortmunder dem Ball hinterher, doch sie kamen nur selten in die Zweikämpfe, geschweige denn in ihr gewünschtes Pressing. Dazu gesellten sich bei beiden Treffern der ersten Hälfte durch Arjen Robben (17.) und Robert Lewandowski (37.) gravierende Nachlässigkeiten in der Verteidigung des eigenen Strafraums.

Aubameyang glücklos

Tatsächlich hatte die Borussia durch den weiter glücklosen Pierre-Emerick Aubameyang nach Pass des Griechen Sokratis (12.), durch Andrey Yarmolenko (30.) und durch Shinji Kagawa (32.) gleich drei dicke Chancen auf zählbaren Ertrag.

"Es ist eine Phase, in der der Ball einfach nicht ins Tor will", haderte Peter Bosz. Dortmunds Trainer gestand das verdiente Zustandekommen der Niederlage ein: "Heute waren wir keine Spitzenmannschaft. Bayern war vor allem in der ersten Halbzeit klar überlegen. Wir sind immer hinterhergelaufen und waren zu spät."

Toprak erwischt rabenschwarzen Tag

Aus fünf Zählern Vorsprung sind für den BVB binnen vier Spieltagen sechs Zähler Rückstand auf die Bayern geworden. Alarmierend ist vor allem, dass sich die Zahl der Spieler, die deutlich unter Form agieren, auf erschreckend hohem Niveau bewegt. "Es gibt zu viele, die ihre Leistung nicht bringen", sagt auch Zorc.

Er weigere sich daher, die Kritik an einzelnen Akteuren wie Ömer Toprak festzumachen. Der freilich erwischte auch gegen die Bayern einen rabenschwarzen Tag und steht sinnbildlich für die großen Probleme. Ob man im Winter defensiv nachbessern müsse, empfindet Zorc als Diskussion zur falschen Zeit. Fraglich ohnehin, ob ein Innenverteidiger, der die Garantie auf Qualitätsverbesserung bietet, dann überhaupt zu haben ist. Und wenn, dürfte er sehr viel Geld kosten.

Positives Gegenbeispiel

Die aktuellen Probleme zu lösen, ist dringlicher. Zu viele Spieler haben derzeit zu viel mit sich selbst zu tun. Bei Kapitän Marcel Schmelzer, der aus zwei sechswöchigen Zwangspausen nacheinander kommt, oder einem Julian Weigl nach seiner langen Verletzung ist das noch verständlich. Bei vielen anderen ist es rätselhaft. Dass ausgerechnet ein junger Kerl wie Christian Pulisic als positives Gegenbeispiel herhalten muss, ist bezeichnend.

Zorc verweigert sich allerdings der Diskussion, dem BVB fehle in dieser Phase ein "Leader", der die Elf durch das unruhige Fahrwasser führen kann. "Wir brauchen Leistung", meint er lapidar.

"Das ist genug Zeit"

Diese herauszukitzeln, wird eine knifflige Aufgabe. Bosz muss in elf Tagen, am Freitagabend nächster Woche, mit dem BVB beim heimstarken VfB Stuttgart antreten. Der Holländer gab nach dem Spiel weiter den stoischen Optimisten: "Wir haben noch sieben Monate, bis die Bundesliga zu Ende ist", meinte er. "Das ist genug Zeit, um den Spieß wieder umzudrehen."

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