Analyse

Der Augsburg-Schock! BVB verspielt seine glänzende Ausgangsposition

Der BVB verdaddelt seine glänzende Ausgangsposition im Kampf um die Deutsche Meisterschaft mit einem 1:2 beim FC Augsburg. Ex-Borusse Ji trifft doppelt.

Zehn Minuten blieben noch, als Paco Alcacer endlich traf. Nur noch 1:2, genug Zeit, um nach unerklärlichen eigenen Patzern die zweite Saisonniederlage zu vermeiden. Ein spätes, wildes Anrennen. Vergeblich. Verzweifelt sanken die Borussen zu Boden. Der Tabellenführer patzte beim FC Augsburg und hat Verfolger Bayern München mit heißem Atem im Nacken.

Nachlässigkeiten und Ballverluste

BVB-Berater Matthias Sammer hatte das Unheil geahnt. Im TV-Studio unkte er vorab: "Ich bin gespannt, ob jeder beim BVB weiß, was hier in Augsburg auf ihn zukommt." Tabellenführer beim Viertletzten, auf dem Papier eine klare Sache. Auf ihre Bilanz in den Auswärtspartien bei den größten Außenseitern (0:0 in Hannover, 0:0 in Nürnberg, 1:2 in Düsseldorf) konnten die Schwarzgelben vorab nicht stolz sein. Und Augsburgs Trainer Manuel Baum, nach nur einem Sieg aus den vergangenen 14 Spielen wie seine Mannschaft gehörig unter Druck, spuckte große Töne. "Mit gutem Pressing kannst du dem BVB schon wehtun", und er legte nach: "Egal, wer hierher kommt, wir können sie schlagen."

Angst einflößend spielten die hoch engagierten Gastgeber nicht. Doch mit eigenen Nachlässigkeiten und Ballverlusten machten sich die Dortmunder das Leben selber schwer. So auch in der 24. Minute: Dan-Axel Zagadou kam ins Rutschen und klärte an der Seitenlinie nicht konsequent gegen Andre Hahn, die Hereingabe stocherte Ex-Borusse Don-Won Ji im zweiten Versuch ins Tor, Manuel Akanji und Achraf Hakimi konnten ihn nicht hindern. Dieses 0:1 hatte sich der BVB selbst eingebrockt, der Spielstand spiegelte nicht die Kräfteverhältnisse wider. Augsburg wurde nur gefährlich, wenn die Borussen Fehler einstreuten. Was sie allerdings zu oft taten.

Eine klare Ballhoheit

Auf der Habenseite verbuchte die Mannschaft von Trainer Lucien Favre im ersten Durchgang mehr als ein halbes Dutzend Torraumszenen. Mal fehlte eine Fußspitzen-Verlängerung bei Marco Reus (8.), dann wehrten die Augsburger bei Schüssen von Jadon Sancho (15.) oder Axel Witsel (30.) ab. Nach Freistößen scheiterten Manuel Akanji per Kopf (20.) und Thomas Delaney (41.). Zum Haareraufen für den BVB, wie auch die vielleicht beste Szene: Eine hohe Flanke des auffälligen Mario Götze pflückte Jacob Bruun Larsen perfekt runter - und knallte den Volleyschuss dann zentral auf FCA-Torhüter Gregor Kobel (42.).

Das Comeback von Kapitän Marco Reus (Favre: "Der Spieler hat entschieden. Wir haben die ganze Woche darüber gesprochen. Aber wir müssen aufpassen.") bescherte den Borussen eine klare Ballhoheit mit 72 Prozent Spielanteilen zur Pause, aber noch nicht den durchschlagenden Erfolg.

Nur die Statistik macht Mut

Zwei Statistiken machten dem BVB Mut: Noch nie hatte eine Dortmunder Mannschaft bei den bayerischen Schwaben verloren und in 15 Begegnungen überhaupt erst einmal. Und mit 13 gewonnenen Punkten nach Rückstand im Spiel hat keine Elf so oft ein Spiel gedreht.Den erwartbaren Sturmlauf gab es trotzdem nicht. Nach 60 Minuten zog sich Favre die Kapuze über den Kopf und dirigierte. Ordnung, Spielaufbau, Geduld. Doch spätestens am Strafraum verteidigten die Augsburger energisch, wenn sich der BVB nicht durch eigene Mängel seiner Optionen beraubte. Mit dem nasskalten Nieselregen plätscherten auch die Dortmunder Angriffsbemühungen dahin.

Schließlich reagierte Favre, brachte Paco Alcacer für Reus und Raphael Guerreiro für Delaney (66.). Den Knalleffekt setzten jedoch die Gastgeber. Hakimi spielte einen Katastrophen-Fehlpass in die Füße von Ji, der lupfte aus 20 Metern über den machtlosen Roman Bürki den Ball ins Tor (68.), 2:0 für den FCA. Da fasste sich auch Dortmunds Rechtsverteidiger an den Kopf. Wer den Gegner so zum Toreschießen einlädt, darf sich nicht beklagen.

Hektische Schlussphase

Alcacer scheiterte erst volley an Kobel (75.) und staubte dann ab zum Anschlusstreffer nach Querpass von Götze (81.). Es wurde hektisch, mit Rudelbildung und Durcheinander, kniffligen Szenen im Strafraum. Aber ohne weiteres Tor. Dann war Schluss. Der BVB ließ drei Zähler liegen, die im Kopf vielleicht eingebucht waren. Der Augsburg-Schock.

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