Die Analyse

BVB mit glücklichem 1:1 - die Probleme gegen Hoffenheim fangen vorne an

Wieder hat der BVB bei der TSG Hoffenheim massive Probleme. Das liegt vor allem an einem schwachen Abwehrverhalten. Der Punktgewinn beim 1:1 ist sehr glücklich. Die Analyse.

Als der Ball dann endlich im Tor lag, hatte der Brasilianer Joelinton kaum noch Kraft zum Jubeln. Er formte mit den Händen ein Herz in die Luft, am Boden liegend und schwer nach Atem ringend. Zum wiederholten Mal hatte sich der 22-Jährige durch die Dortmunder Abwehr gedribbelt, er war wie ein Phantom, irgendwie nicht zu greifen. Doch natürlich hätte man ihn deutlich besser verteidigen können.

Torschuss-Statistik zur Halbzeit überrascht

Hoffenheims Führung zur Pause in einem Spiel zweier Mannschaften, die unter der Woche auswärts in der Champions League gefordert waren, war hoch verdient. Zu wenig Gegenwehr beim Gast, zu häufiges Ballgeschiebe ohne zündende Ideen. Alarmierend aus Dortmunder Sicht die Statistik: Acht Mal schoss Hoffenheim aufs Tor, nicht einmal der BVB, der nur bei der verpassten Flanke von Christian Pulisic an einem Tor schnupperte, als Marius Wolf den Ball nicht erreichte (8.).

Dortmund kam überhaupt nicht in die Zweikämpfe, eine desaströse Bilanz von nur 32 Prozent gewonnener Duelle zur Pause unterstreicht die frappierende Unterlegenheit. Daraus generierten die Gastgeber viele gute Gelegenheiten. Die Probleme begannen vorne, wo Dortmund beim Pressing keine gemeinsame Linie fand und den Aufbau der Gastgeber nur halbherzig attackierte. "Sie bauen unorthodox auf, das hat es uns erschwert, effektiv zu pressen", versuchte sich Marco Reus an einer Erklärung. Die Dortmunder setzten sich fort im Umschaltverhalten, das den Gastgebern auf beiden Außenbahnen Überzahlsituationen ermöglichte, wenn die offensiven BVB-Außen Pulisic und Reus nicht konsequent mit nach hinten arbeiteten.

Diallo und Akanji strahlen keine Sicherheit aus

Sechs Flankenläufe kreierte die TSG bis zur Pause. Alle Hereingaben sorgten in der Mitte für akute Gefahr, auch weil das neu formierte Innenverteidiger-Duo um Manuel Akanji und Abdou Diallo diesmal keine Sicherheit ausstrahlte.

Die defensiven Probleme setzten sich nach der Pause fort. Den Hoffenheimern Bicakcic und Kramaric wurden zwei Treffer wegen Abseitsstellungen aberkannt, der Dortmunder Farblos-Auftritt erfuhr noch eine Steigerung. Der BVB defensiv vogelwild - und es mutete skurril an, dass der in die Startelf gerückte Shinji Kagawa mit einer Direktabnahme (56.) und Axel Witsel nach der Kopfballverlängerung eines Reus-Freistoßes (67.) den Ausgleich hätten erzielen können.

Diallo sieht die Rote Karte - ein sehr harte Entscheidung

"Es wird intensiv und hart", hatte Sportdirektor Michael Zorc gemutmaßt. Überhart war es nicht, was die TSG dem BVB entgegenbrachte. Der seinerseits kam erst in der Schlussphase in die Nähe der notwendigen Robustheit, die man als Auswärtsmannschaft gegen die Hoffenheimer benötigt. Dass BVB-Akteur Abdou Diallo dann ausgerechnet wegen eines robusten Körpereinsatzes gegen Kramaric als letzter Mann Rot sah, war allerdings eine überharte Entscheidung (76.).

Schiedsrichter Harm Osmers sah nicht nur bei der Beurteilung dieser Szene nicht allzu gut aus. Gelb-Rot hätte es vorher gegen den BVB geben können, als der schon mit Gelb verwarnte Mahmoud Dahoud Hoffenheims Nico Schulz im Sprintduell nicht folgen konnte und ihn als letzter Mann nur mit einem beherzten Griff ans Trikot stoppte. Dortmunds Christian Pulisic reklamierte zu Recht Elfmeter, als ihm Nico Schulz im Strafraum auf den Fuß stieg (8.). Osmers pfiff nicht.

Viel Glück bai Belfodils Fehlschuss in der Nachspielzeit

Es war insgesamt ein enttäuschender Auftritt des BVB. "Wir hatten insgesamt zu viele Phasen dabei, in denen wir kein gutes Abwehrverhalten hatten", gestand Sebastian Kehl. Der späte Ausgleich durch Christian Pulisic (84.) war aus Sicht der Hausherren ein Witz, das aberwitzige Resultat hätte Belfodil aus zwei Metern in der Nachspielzeit korrigieren können.

Er drosch den Ball jedoch über das Tor, es blieb beim 1:1. Die großen Unzulänglichkeiten im Dortmunder Spiel konnte der Punktgewinn nicht kaschieren.

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