Die Analyse

Nach dem 0:0 in Nürnberg weitet sich die sportliche BVB-Delle zur Krise aus

Der BVB kommt nach einer schwachen Leistung in Nürnberg nicht über ein 0:0 hinaus. Die sportliche Delle weitet sich nach dem fünften sieglosen Pflichtspiel in Serie zur Krise aus.

Als sich zur Halbzeit der Unmut der kompletten Dortmunder Bank in Richtung Schiedsrichter Harm Osmers, seiner Assistenten und dem vierten Offiziellen Tobias Reichel entlud, da war endgültig klar, dass es ein schwerer Gang werden würde für Borussia Dortmund beim Duell des Ersten beim Tabellenletzten. Schwarz gefärbte Tennisbälle, in großer Stückzahl und gleich mehrfach aufs Feld geworfen, wann immer ein Dortmunder Spieler vor der Nürnberger Fankurve zur Ausführung einer Ecke ansetzte, hatten den Verlauf einer sehr merkwürdig verlaufenen ersten Hälfte im Max-Morlock-Stadion auf eine unschöne und unfaire Art und Weise geprägt.

Der Protest der Anhänger des FCN über das schon zweite Montagsspiel für den Club in dieser Saison bestimmte diese ersten 45 Minuten, vor allem raubte er dem Spiel seinen Rhythmus - und als Osmers in der fünften (!) Minute der Nachspielzeit vor der Ausführung einer BVB-Ecke zur Pause pfiff, weil der Rasen wieder mit Bällen übersät war, da gab es nicht nur bei Michael Zorc kein Halten mehr. Dortmunds Sportdirektor hatte sich schon vorher mehrfach darüber beschwert, dass man der Chaoten auf den Tribünen nicht Herr werden konnte, Osmers' Pfiff war dann auch nichts anderes als ein Ausdruck der großen Hilflosigkeit.

75 Prozent Ballbesitz

Fußball wurde folglich nur sporadisch gespielt. Der BVB bestimmte die Anfangsviertelstunde, ohne aus fast 75 Prozent Ballbesitz klare Chancen zu erspielen. Nürnberg staffelte sich gegen den Ball in einem 4-5-1 extrem tief, nahm aber aus dem "zu null" nach 15 Minuten und einigen Unkonzentriertheiten bei den Gästen einiges an Selbstvertrauen auf. Und Dortmunds Viererkette, rechts überraschend mit Marius Wolf und innen mit Julian Weigl für Ömer Toprak, blieb im Verteidigen von hohen Bällen verlässlich wackelig. Roman Bürki musste einen Kopfball von Hanno Behrens entschärfen, einem weiteren Kopfball des FCN-Kapitäns nach der anschließenden Ecke hätte er wohl hinterherschauen müssen. Der Ball ging knapp übers Tor (28.).

Für den BVB, der das Schlusslicht unverständlicherweise lange 15 Minuten kombinieren ließ, war dies immerhin ein Weckruf - bis zur Pause unterfütterten die Gäste ihre Überlegenheit dann endlich auch mit guten Chancen. Als Tim Leibold Jadon Sancho im Strafraum traf, verweigerte Osmers jedoch den Elfmeterpfiff (34.). Durch den auffälligen Mario Götze wurde es drei weitere Male vor Christian Mathenia gefährlich, Nürnbergs Schlussmann zeigte sich gegen den wieder als falschen Neuner aufgebotenen Götze mit Glanzparaden auf dem Posten. So ging es torlos in die Pause in einer Partie, die sich, wie von Favre befürchtet, kompliziert gestaltete.

Auch Alcacer fehlt die zündende Idee

Das Warten auf den erlösenden Treffer, der das FCN-Gebilde hätte ins Wanken bringen können, ging weiter. Wieder Götze prüfte Mathenia, es war der sechste Torabschluss des gestern besten Dortmunders. 55 Minuten waren da schon gespielt. Weil sich das Geschehen fast ausschließlich zwischen Mittellinie und Nürnberger Strafraum abspielte, waren die Lücken klein - die notwendigen Tempoverschärfungen gegen eine so massierte Deckung sah man ebenso wenig wie beim Anlaufen die letzte Entschlossenheit.

Favre reagierte und brachte nach einer Stunde Paco Alcacer, das Warten auf die eine zündende Idee aber ging weiter. Nürnberg verteidigte mit Mann und Maus und hielt die Reihen bis in die Schlussphase hinein geschlossen. Die Dortmund Hilflosigkeit äußerte sich in etlichen hohen Flanken - ein untaugliches Mittel nicht nur an diesem Abend.

Das passende Ende eines verkorksten Abends

Es war bezeichnend, dass es für den überlegenen BVB nur noch eine klare Chance gab: Julian Weigls langen Ball nahm Alcacer perfekt mit, sein Schuss aber strich am langen Pfosten vorbei (86.) - irgendwie das passende Ende eines verkorksten Abends.

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