Analyse

Der BVB setzt mit dem 3:2-Sieg ein deutliches Zeichen

Nach fünf sieglosen Spielen setzt der BVB mit dem hart umkämpften 3:2 gegen Leverkusen ein deutliches Zeichen. Durch den Sieg im Schlüsselduell verteidigt Dortmund den Vorsprung auf Bayern.

Es waren fünf lange Minuten Nachspielzeit, das Stadion kochte, auf dem Rasen liefen alle im roten Drehzahlbereich. Erst der erlösende Schlusspfiff von Schiedsrichter Christian Dingert ließ die große Anspannung abfallen. Auf der Bank, auf den Rängen, und bei allen Spielern in Schwarzgelb, für die es ungewohnt war, fünf Pflichtspiele in Serie nicht gewonnen zu haben. Diesmal langte es nach einem packenden Fight, in dem der BVB auch das lange vermisste Spielglück wieder auf seine Seite zwang. "Wir hatten nicht wirklich die Spielkontrolle, aber wir haben es am Ende gut wegverteidigt", sagte Spordirektor Michael Zorc.

"Das war natürlich nicht der Plan"

Dass mit den fehlenden Resultaten auch die Stimmung im Stadion deutlich nachgelassen hat, rief vor dem als Schlüsselspiel deklarierten Heimauftritt die Fans auf den Plan. "The Unity", eine der einflussreichsten Gruppierungen im innersten BVB-Kreis, forderte alle auf der Süd zu gemeinsamen Anstrengungen auf. "Die Hölle Westfalenstadion lebt nur dann, wenn wir alle an einem Strang ziehen", hieß es in einem offenen Brief.

Dortmund, erstmals seit dem 18. Dezember wieder mit Abwehr-Chef Manuel Akanji und erstmals seit dem Heimsieg gegen die Bayern mit der Doppel-Sechs Axel Witsel und Julian Weigl, kam gegen eine extrem ballsichere Werkself dann allerdings überhaupt nicht ins Spiel. 78 Prozent Ballbesitz nach einer Viertelstunde dokumentierte eine fast perfekte Anfangsphase der Gäste gegen eine allerdings auch sehr passive Elf in Schwarzgelb, die zudem bei eigenem Ballbesitz ungewohnt schlampig agierte (nur 65 Prozent Passgenauigkeit). "Das", gab Zorc zu, "war natürlich nicht der Plan. Zu Hause willst du attackieren und dominieren."

Offensive kommt nicht ins Spiel

Dortmunds hochgelobte Offensive kam nicht ins Spiel. Paco Alcacer verhungerte im Zentrum, umso überraschender die Dortmunder Führung nach einer allerdings schönen Eckballvariante, bei der der BVB Dan-Axel Zagadou freiblockte. Der Franzose war mit dem 1:0 (30.) der schon 18. Dortmunder Torschütze in dieser Saison. Abgehakt waren die Probleme damit aber nicht. Im 4-4-2 gegen den Ball staffelte sich die Borussia viel zu tief. Und Kevin Volland reichte der Platz an der Strafraumkante, seinen Schuss sah Roman Bürki viel zu spät - 1:1 (36.).

Das hätte ein Wirkungstreffer werden können, doch Jadon Sancho nutzte keine 120 Sekunden später mit einem tollen Volleyschuss einen bösen Stellungsfehler von Tin Jedvaj, der eine weite Flanke von Abdou Diallo unterschätzte. "Ein Super-Tor, sehr wichtig für die Moral", meinte Trainer Lucien Favre.

Böse Erinnerungen werden wach

Dortmund blieb auch nach der Pause in der ungewohnten Defensivfalle gefangen, hatte weiterhin seine liebe Mühe mit Brandt und Havertz - doch wieder traf der BVB aus dem Nichts. Eine Flanke von Achraf Hakimi landete bei Mario Götze, dessen trockener Rechtsschuss flach ins Eck zischte (60). Als Alcacer nach Pass von Diallo vermeintlich auf 4:1 stellte, stand das Stadion Kopf - die angebliche Abseitsstellung konnten auch die TV-Bilder nicht belegen (63.).

Vor zwei Wochen gegen Hoffenheim hatte so ein 3:1 nicht gereicht, auch am Sonntagabend wurden es eng. Bürki entschärfte den Kopfball des eingewechselten Lucas Alario (72.), Und als Tah einen Freistoß von Brandt ungehindert einköpfte (72.), wurden böse Erinnerungen wach. Wer dem langen Innenverteidiger zugeordnet war, blieb offen. Am Ende ließ Weigl den Leverkusener einfach laufen.

Mit Herz und dem Publikum zum Sieg

Es wurde hitzig am Ende, aber mit Herz und dem Publikum, das diesmal wie eine Wand hinter der Mannschaft stand, langte es. Und der BVB zeigte auch, dass er ohne Marco Reus gewinnen kann und trotzte der Statistik, die besagt, dass Dortmund mit dem Kapitän eine Siegquote von 70 Prozent hat, ohne ihn aber nur eine von 40 Prozent.

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