Borussia Dortmund

BVB-Star Mario Götze: Ohne Erfolge und Titel ist ja alles nichts

Das Bild stimmt: Mario Götze bricht aus einem Gipspanzer aus. "Ich lerne mich jeden Tag ein Stückchen besser kennen", sagt er. Und gibt mehr Preis als nur die Haut unter seiner Schutzhülle.

Mario Götze auf einem Titelbild, das gab und gibt es ungezählte Male. Für das Shooting im neuen Mitgliedermagazin des BVB hat sich Götze von Klubfotograf Alex Simoes einen Gipspanzer auflegen lassen. Und er bricht, wie passend, aus.

"Ach, der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft"

Erst zeigen sich Risse, dann sprengt er mit angespannten Muskeln die grauen Platten ab. "Ach", sagt er im Interview mit dem Klub-Magazin, "der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Es geht immer in beide Richtungen. Die positiven Seiten nimmt man gern mit, aber man weiß auch immer, dass es schnell in eine andere Richtung gehen kann."

Götze hat viel erlebt, erreicht, erlitten. Allein bei Borussia Dortmund als blutjunger Himmelsstürmer und später als Verräter, als enttäuschender Heimkehrer und später wieder als ein Liebling der Massen. Dazwischen als Titelhamster beim FC Bayern. Und natürlich als WM-Held. Als Schütze des goldenen Tores im Finale von Rio im Sommer 2014. Danach schien es eine Zeit lang tatsächlich so, als habe sich Götze in einem Kokon verpuppt, eine Schutzhülle übergestreift.

"Nichts gegen 2014 - aber irgendwann ist auch mal gut"

"Ich will gar nichts gegen 2014 sagen. Das war schon gut, eine großartige Sache, ein einmaliger Moment, aber irgendwann ist ja auch mal gut. Alles hat seine Zeit, und das ist jetzt schon fünf Jahre her. Für alle heißt es, dass sie nur so gut sind, wie sie im letzten Spiel waren. Nur bei mir war das anders, da lautete die Frage immer: Ist er besser als 2014?" Seit seiner Rückkehr zu Borussia Dortmund im Sommer 2016 galt auch immer die Frage, ob er so stark sei wie in den Jahren von 2010 bis 2013?

Götze war es nicht. Er lief seiner Form hinterher, übertrieb es aus falschem Ehrgeiz mit den persönlichen Zusatzschichten, wie er es in der Doku "Being Mario Götze" darstellt. Er trainierte sich in den Keller. Auch emotional. Bis es nicht mehr weiterging. Die diagnostizierte Stoffwechselerkrankung markierte das Stopp-Signal.

Viele Demütigungen hingenommen

Er setzte aus. Zog sich raus. Kehrte zurück. Und er, von dem es lange hieß, er sei einer der allerbesten deutschen Fußballer, musste Demütigungen hinnehmen. Unter Übergangstrainer Peter Stöger, anfangs dieser Spielzeit auch unter Lucien Favre. An den ersten sechs Spieltagen schaffte es Götze nicht auf den Rasen. Das Wunderkind, immer noch erst 26 Jahre jung, schien vom absteigenden Ast nicht herunterzukommen. Dachten viele. Er selber nicht.

"Ich habe das gar nicht so sehr als Rückschlag empfunden. Das war schon sehr aufregend, eine spannende Entwicklung. Ich habe da viel mitgenommen, gerade in der Zeit, in der es nicht so lief", meint Götze. "Da habe ich viel trainiert, auch ganz für mich allein, ich wollte dranbleiben, mein Spiel verbessern und umsetzen, was der Trainer fordert. Das war interessant zu sehen, wohin das führen würde." Seine Quintessenz: "Ich lerne mich jeden Tag ein Stückchen besser kennen."

Ein Spiel gegen Augsburg als Karriere-Wendepunkt?

Wenn es in einigen Jahren im Rückblick auf seine Karriere nach dem Tor von Rio noch einen zweiten Wendepunkt geben sollte, quasi den Startpunkt für den zweiten Teil, dann könnte es der 6. Oktober 2018 sein. Der Gegner ist nicht Argentinien, sondern Augsburg. Eingewechselt, Tor erzielt - und das Stadion explodiert. Selten haben die Fans nach einem Treffer einen Spielernamen so ohrenbetäubend laut, so mit Emotionen aufgeladen Richtung Rasen geschrien. "Mario" - "GÖTZE".

Im Laufe der Spielzeit, die für ihn quasi mit Verspätung begann, hat Götze als verkappter Mittelstürmer seine Qualitäten immer gewinnbringender eingebracht. Während viele Kollegen das Niveau der Hinserie nicht halten konnten, steigt beim Zehner die Formkurve weiter an.

Zweitbester BVB-Scorer der Rückrunde

Fünf Tore und vier Vorlagen in der Rückrunde machen ihn zum zweitbesten Scorer im Team seit dem Winter. Er läuft nicht nur viel, er sticht nicht nur in gefährliche Räume, er spielt auch effektiver. Vor wenigen Tagen lobte ihn Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt ungefragt: "Wir haben es nicht geschafft, Mario Götze zu kontrollieren. Er hat extrem gut gespielt, immer wieder Überzahlsituation geschaffen."

Den spielerischen Aspekt im Fußball, mit Ballbesitz, Kombinationen und Pass-Stafetten, den liebt Götze. Dank seiner Erfahrung und Qualitäten kommt er hier zur Geltung. Auch wenn er betont, dass noch viel Steigerungspotenzial besteht beim BVB. "Unser Zusammenspiel muss noch besser werden, noch konsequenter. Das braucht Zeit und Erfahrung, wir arbeiten daran. Das war bisher trotz einiger weniger Rückschläge eine großartige Saison, aber das heißt ja nicht, dass die Erwartungen im nächsten Jahr geringer werden. Dem müssen wir uns stellen."

"Ohne Erfolge und Titel ist ja alles nichts"

Götze konstatiert auch: "Nur Ballbesitz allein bringt ja auch nichts, da muss schon eine Idee dahinterstecken." Und er sagt: "Ohne Erfolge und Titel ist ja alles nichts."

Es steckt viel Besonnenheit im Sonnenanbeter Götze, wenn er erklärt, was er gelernt hat. Nämlich, dass man mit Gelassenheit vieles besser verarbeiten kann. "Ich spiele jetzt meine neunte Bundesligasaison, da habe ich schon einiges erfahren, positiv wie negativ. Ich kann Situationen heute sehr viel besser einschätzen als früher und dadurch leichter die richtigen Entscheidungen treffen."

Entscheidung über Verlängerung in den nächsten Wochen

Eine Entscheidung abseits des Platzes wird er in den nächsten Wochen treffen. Noch bindet ihn das Arbeitspapier bei Borussia Dortmund nur bis zum Sommer 2020. Götze kann sich vorstellen zu bleiben. Der BVB möchte ihn auch gerne halten. Wenn wohl auch nicht zu dem Kurs, der 2016 galt. Götze hat einflussreiche Fürsprecher im Klub. Und seit dem 6. Oktober 2018 auch wieder auf den Rängen.

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