Borussia Dortmund

Maximilian Philipp traut sich Rolle als BVB-Stürmer Nummer eins zu

Bad Ragaz/Dortmund - Fast in Vergessenheit geraten: Der BVB sucht eigentlich noch einen Stürmer. Vielleicht hat er ihn in Maximilian Philipp aber auch schon in den eigenen Reihen.

Dieses Lob kam aus berufenem Munde und Maximilian Philipp empfand es als eine Ehre. Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc hatte, gefragt nach der Dringlichkeit, einen neuen Stürmer zu verpflichten, sinngemäß geantwortet, in dieser Frage den ganz großen Druck nicht zu verspüren. Der eigene Kader böte auch Möglichkeiten. Explizit hat Zorc dann Philipp erwähnt. "15 bis 18 Tore, das traue ich ihm zu!"

20 Millionen Euro waren vielen Fans zu viel

Noch vor einem Jahr, als Philipp frisch aus Freiburg zum BVB gewechselt war und sich viele Beobachter die Frage stellten, warum sich der Klub beim Wettbieten auf 20 Millionen Euro Ablöse hat treiben lassen, hätte Philipp eine derartige Anerkennung wohl erröten lassen. Als der 24-Jährige frisch in Dortmund angekommen war, wirkte er beeindruckt von der Größe des Klubs, beeindruckt auch von der Qualität der Mitspieler. Die große Öffentlichkeit war nicht sein Ding.

Philipp legte seine Schüchternheit allerdings sehr schnell ab. "Ich brauche mich nicht zu verstecken", durfte er im Gespräch mit dieser Redaktion im März unwidersprochen betonen. Auf dem Platz war davon ohnehin nur wenig zu spüren, bis zu seiner Knieverletzung im Spiel in Leverkusen am 14. Spieltag traf er sechs Mal und legte zwei weitere Tore auf.

Aber auch abseits der Spiele fühlte er sich mit jedem Tag sicherer. Eine Entwicklung, die sich durch seine Karriere zieht. "Ich war nie das Riesentalent, das auf allen Zetteln stand", sagt der gebürtige Berliner. Aber es zeichne ihn eben aus, "dass ich durchsetzungsstark bin und den unbedingten Willen habe".

Auch im sportlich bedeutsamen Trainingslager in Bad Ragaz gab es den "neuen" Maximilian Philipp zu sehen: selbstbewusst, aber auch selbstkritisch. Von Unsicherheit keine Spur mehr. Und so kommt beinahe selbstverständlich folgender Satz aus seinem Mund: "Dass Michael Zorc mir das zutraut, ehrt mich. Aber ich glaube auch, dass ich das schaffen kann."

Philipp als Torjäger Nummer eins? Der U 21-Europameister kann seinen Optimismus mit durchaus beeindruckenden Zahlen aus seiner ersten BVB-Saison unterfüttern. Die Knieverletzung, die ihn Anfang Dezember für drei Monate außer Gefecht setzte, kostete ihn zwar 14 Pflichtspiele. Er kam nur auf 20 Bundesliga-Partien, in denen er aber immerhin neun Treffer erzielte und drei weitere vorbereitete. Drei Assists in zwei Pokalspielen runden eine Saison ab, die er persönlich durchaus als Erfolg verbuchen durfte.

Eine veränderte Rolle für Maximilian Philipp in der Sturmspitze

"Ich weiß, ich kann Tore schießen", sagt Phillipp, "aber ich weiß auch, dass ich noch viel verbessern kann in meinem Spiel." Ein abschlussstarker Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang könnte ihm dabei durchaus als Vorbild dienen. "Ich habe viele Dinger liegen lassen!"

Philipp hat nicht lange gebraucht, um sich mit der veränderten Rolle - weg von der Außenbahn, hin in die Sturmmitte - anzufreunden. Er ist kein klassischer Neuner, kein Wandspieler, auch wenn er den Ball gut prallen lassen kann. Für die geforderten Sprints in die Tiefe sind andere prädestinierter. Er ist eher der mitspielende Mittelstürmer und fühlt sich durchaus wohl in diesem Bereich. Zwei Mal traf er gegen den FC Liverpool beim Test in den USA, beide Treffer zeigten ganz gut, welche Qualitäten Philipp mitbringt.

Bei Tor Nummer eins stand er goldrichtig, um den Querpass von Jacob Bruun Larsen zu vollenden, bei Tor Nummer zwei lief er perfekt in den freien Raum - hart an der Abseitskante, aber eben noch regelkonform. Dass Mario Götze den Ball ebenso perfekt in den Lauf legte, sei kein Zufall gewesen: "Wir verstehen uns auf und neben dem Platz sehr gut!" Am Dienstag gegen den SSC Neapel legte "Milli" den nächsten Treffer in Mittelstürmer-Manier nach. Vorerst bleibt er erster Anwärter auf den Posten in der Spitze.

Dass der BVB allein mit ihm und dem verletzungsanfälligen Marco Reus als Optionen für die Offensive in die Saison startet, wäre allerdings gewagt. Alexander Isak scheint für Trainer Lucien Favre keine Alternative darzustellen. Die Suche nach einer Verstärkung für den Sturm dauert an. Philipp jedenfalls nimmt das mit Gleichmut hin. "Ich bin nicht so ungefährlich vor dem Tor", sagt er nur. Soll heißen: Wenn es nicht klappt mit dem neuen Mann für das Sturmzentrum, ist Maximilian Philipp auf jeden Fall bereit.

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