Borussia Dortmund

BVB will gegen Atleticos Kampfeslust einen kühlen Kopf bewahren

Nur ein Punkt trennt den BVB davon, die lähmende Herbst-Depression aus dem November 2017 endgültig zu pulverisieren. Ein Punkt in Madrid, und die wundersame Wandlung wäre vollbracht.

Am 1. November vor einem Jahr passte sich um kurz vor 23 Uhr die Gefühlslage in Dortmund dem tristen, ungemütlichen Wetter an. Der BVB hatte in der Champions League gerade 1:1 gespielt, zuhause, gegen Apoel Nikosia. Blamabel. Das vierte Gruppenspiel ohne Sieg, die nächste Enttäuschung, die schwache Borussia wurde ruhmlos aus dem Konzert der Großen katapultiert.

Dieser kalte Mittwochabend, er hinterließ tiefe Spuren: Auch in der Bundesliga stürzte das Team, das sich zu Saisonbeginn noch so leichtfüßig von Sieg zu Sieg geschossen hatte, ab. Von der Tabellenspitze bis auf Rang acht. Nichts wollte mehr gelingen, Trainer Peter Bosz musste kurz darauf gehen, nur mit Ach, Krach und jeder Menge Dusel schlitterte Dortmund am Ende unter Boszs Nachfolger Peter Stöger irgendwie wieder in die Champions League.

Der BVB wirbelt die Königsklasse durcheinander

Wer damals, an diesem 1. November 2017, eine Wette darauf abgeschlossen hätte, dass der BVB fast genau ein Jahr später Europas Fußball-Königsklasse rotzfrech durcheinanderwirbeln würde - er wäre zweifelsohne mit nur fünf Euro Einsatz steinreich geworden.

Wenn die Borussia aber nun am Dienstag beim spanischen Spitzenklub Atletico Madrid antritt (21 Uhr/live bei DAZN), dann ist das damals Unglaubliche tatsächlich Realität. Der BVB führt nach drei Siegen ohne Gegentreffer seine Champions-League-Gruppe souverän an, das jüngste 4:0 zuhause gegen Atleticos Starensemble hat ganz Europa aufhorchen lassen.

Der BVB kommt weiter, wenn ...

Holt der BVB im für satte 310 Millionen Euro neu gebauten Estadio Wanda Metropolitano einen Punkt, so ist ihm der Einzug ins Achtelfinale bereits nach dem vierten Spieltag sicher. Gewinnt er gar in Madrid, so ist der Gruppensieg zementiert.

Womöglich dürfen die Schwarzgelben sogar schon vor dem Anpfiff feiern. Warum? Trennen sich Monaco und Brügge, die bereits um 18.55 Uhr auf den Rasen schreiten, unentschieden, zieht die Borussia auch dann in die Runde der besten 16 Teams des Kontinents ein, wenn sie die drei restlichen Gruppenspiele verlieren sollte. Kurzum: Anfang November 2018 steckt Schwarzgelb in einer komfortablen Situation. Im krassen Gegenteil einer Herbst-Depression.

Der BVB ein Jahr nach Nikosia rockt die Champions League. Sebastian Kehl, Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung, warnt trotzdem vor dem Duell am Dienstag. "Das wird eine schwere Aufgabe, Atletico wird mit großer Kampfeslust ins Spiel gehen und versuchen, dieses 0:4 aus dem Spiel bei uns zu revidieren." Ja, davon ist auszugehen. Das verlangt allein der angeknackste Stolz der Spanier, die laut heimischer Presse "in Dortmund verprügelt" wurden. Doch warum sollte sich die Borussia vor Madrid fürchten?

Der BVB kann ohne Druck befreit aufspielen, begeistert mit spektakulärem Hochgeschwindigkeitsfußball. Er hat einen Trainer, der die nächste pikante Aufgabe - das Liga-Heimspiel gegen die Bayern am Samstag - noch komplett auszublenden vermag. Und das Team so akribisch auf Madrid vorbereitet. "Wir kennen Atletico sehr gut", betonte Lucien Favre am Montagabend, wie immer die Ruhe selbst. Außerdem kann die Borussia personell aus dem Vollen schöpfen. Auch die zuletzt angeschlagenen Lukasz Piszczek (Schlag aufs Knie) und Mario Götze (Bronchitis) meldeten sich fit.

Atleticos Fans gelten als heißblütig

Er wisse zwar, dass eine Mannschaft wie Madrid "nicht über 90 Minuten zu beherrschen" sei und sie in Diego Simeone "einen der besten Trainer der Welt" habe. Aber der BVB wisse auch, was zu tun ist. "Nicht den Kopf verlieren, Ruhe bewahren", bringt es BVB-Torhüter Roman Bürki auf den Punkt. Besonders in Madrid, denn Atleticos Fans gelten als heißblütig, als einpeitschend, von An- bis Abpfiff.

Das Abschlusstraining im fast leeren Metropolitano absolvierten die Borussen am Montag bei strömendem Regen und kalten acht Grad. Der Empfang am Dienstagabend dürfte für Schwarzgelb deutlich heißer ausfallen. Auch auf dem Rasen. "Sie werden noch einen Tick aggressiver als im Hinspiel auftreten", glaubt Roman Bürki. Im Vergleich zur lähmenden Herbst-Depression vor einem Jahr dürfte das aber einem Vergnügen gleichkommen.

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