Der BVB-Kommentar

Stögers feine Geste im egoistischen Bundesliga-Geschäft

MAINZ - Da muss erst ein Trainer vom Geißbock-Verein 1. FC Köln kommen, um beim BVB den Bock umzustoßen: Peter Stöger hat bei Borussia Dortmund eine erfolgreiche Premiere hingelegt - und lobt Vorgänger Peter Bosz. Jürgen Koers kommentiert.

Auch wenn er in knapp zwei Tagen nur wenig Gelegenheit hatte, der Mannschaft seine Vorstellungen nahezubringen, zeigte der erste Bundesliga-Sieg der Schwarzgelben seit Ende September die Handschrift des neuen Trainers.

"Ein Teil dieses Sieges gehört ihm" Geteilte Freude bringt doppelt Freude: Der BVB gewinnt in der Bundesliga erstmals seit Ende September, Peter Stöger seit Mai. "Das hat uns allen gut getan", sagte der neue BVB-Trainer mit ruhiger Stimme. In einer Woche von Köln nach Dortmund, von einem kriselnden Klub zum nächsten Patienten. "Das", gestand Stöger, "war alles nicht so einfach."

Dann lobte der Österreicher seinen Vorgänger. "Peter Bosz hat mir sehr viel Gutes hinterlassen", erklärte Stöger. "Ein Teil dieses Sieges gehört ihm." Eine feine Geste im schnelllebigen und allzu oft egoistischen Bundesliga-Geschäft. Das Geschick, das Bosz abhandengekommen schien, hat Stöger offenbar. Über die potenziell herausragende Qualität des Dortmunder Kaders gibt es ja keine Zweifel. Mit ein, zwei Kniffen hat der neue Cheftrainer Veränderungen eingeleitet.

Auf Stabilität ausgerichtete Spielweise

Das gilt für die generelle Ausrichtung: Seine größten Talente hat der BVB in der Offensive, die größten Sorgen im Spiel gegen den Ball. Dagegen hat Stöger mit einer kompakteren, auf Stabilität ausgerichteten Spielweise angekämpft. Keine einfachen Torchancen erlauben, sicher stehen, Selbstsicherheit zurückgewinnen. Das hat, bis auf einige Wackler in der Anfangsphase, in Mainz vorzeigbar funktioniert, mit zunehmender Spieldauer immer besser.

Stöger geht außerdem den umgekehrten Weg im Vergleich zu Peter Bosz: Er lässt die Spieler dort agieren, wo sie sich am wohlsten fühlen. Bestes Beispiel: Julian Weigl, der in seiner neuen, alten Rolle angedeutet hat, dass er ein zentraler Ankerpunkt in der Neuausrichtung sein will und als Ballverteiler seine Qualitäten am besten ausspielen kann.

Erster Schritt in die richtige Richtung

Mit einer ernüchternd einfachen Wahrheit hat Marcel Schmelzer auf eine aus seiner Sicht entscheidende Umstellung hingewiesen. "Wir haben Mentalität Leidenschaft und Engagement gezeigt, das hat gestimmt",sagte der BVB-Kapitän. "Gepaart mit unserer Qualität ist es dann schwierig, uns zu schlagen. Wir dürfen es den Gegner nicht so einfach machen, indem wir uns nur auf unsere Qualität verlassen."

Mit Peter Stöger scheint mit diesen Ansätzen ein erster Schritt in diese richtige Richtung gelungen zu sein. Mainz war dazu der passende Aufbaugegner, die Erleichterung in der Dortmunder Mannschaft danach spürbar. Mit einem Heimsieg am Samstag gegen Hoffenheim könnte sich die Mannschaft in der Winterpause die Ruhe verschaffen, die es braucht, um noch tiefgreifendere Änderungen durchzuführen.

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