BVB-Prozess

Bombenanschlag auf BVB: Verteidiger fordert weniger als zehn Jahre Haft für Sergej W.

Kein Mordversuch, keine lebenslange Haftstrafe: Im Prozess um den Bombenanschlag auf den BVB hat die Verteidigung zum Gegenschlag ausgeholt. Ihr Antrag: deutlich unter zehn Jahren Haft.

Der Mann, auf den sich die beiden Verteidiger Christos Psaltiras und Carl Heydenreich eingeschossen hatten, war am Donnerstag selbst gar nicht im Saal: Oberstaatsanwalt Carsten Dombert hatte einen Termin in Münster. Bekanntlich hatte er zu Beginn der Woche plädiert und darin den Antrag gestellt, den Angeklagten Sergej W. wegen Mordversuchs zu lebenslanger Haft zu verurteilen.

Harte Attacken auf Staatsanwalt

Mit seinen Ausführungen hatte Dombert den Ärger der Verteidiger auf sich gezogen. Einseitig und unseriös habe er argumentiert, hieß es am Donnerstag. Der Oberstaatsanwalt habe sich als "populistischer Demagoge" entpuppt, als er etwa ausgeführt habe, Sergej W. sei allein wegen seiner Gesinnung mit lebenslanger Haft zu bestrafen. Darüber hinaus habe Dombert in seinem Schlussvortrag alles daran gesetzt, den Angeklagten als Person völlig zu diffamieren. "Er hat die Sensationslust des Boulevard bedient", warf Carl Heydenreich dem abwesenden Anklagevertreter vor.

Selbst kommen die beiden Verteidiger zu einem ganz anderen Schluss. Danach hat Sergej W. zwar die Bomben gebaut und am 11. April neben dem Mannschaftsbus des BVB gezündet. "Er ist aber wirklich davon ausgegangen, dass er diese Bomben beherrschen könnte", sagte Heydenreich. Niemand, der ernsthaft vorhabe, sämtliche Insassen des Busses ums Leben zu bringen, hätte die Hecke neben der Straße als Anschlagsort ausgewählt. "Denn dort parkten ja auch noch Autos", so der Verteidiger.

Kein Tötungsvorsatz

Carl Heydenreich beschrieb seinen Mandanten als zutiefst verunsicherte Persönlichkeit. Sergej W. habe in "narzisstischer Selbstliebe seine eigenen Fähigkeiten überschätzt". Einen Tötungsvorsatz, wie ihn die Staatsanwaltschaft unterstellt, habe der 29-Jährige aber zu keiner Zeit in sich getragen. "Er wollte eine erhebliche Detonation, er wollte Angst und Schrecken verbreiten", so Heydenreich. Aber Sergej W. habe niemanden töten oder auch nur schwer verletzen wollen. "Sein Ziel war es, zuverlässig Personenschäden zu vermeiden."

Für die Verteidiger bleibt am Ende nur eine Verurteilung wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion übrig. Eine Strafe deutlich unter zehn Jahren Haft halte er dafür für angemessen und ausreichend, so Heydenreich.

Sergej W. entschuldigt sich

Im Anschluss an den Schlussvortrag hatte der Angeklagte dann selbst noch einmal die Gelegenheit, zu den Richtern und den übrigen Prozessbeteiligten zu sprechen. Er sagte jedoch nur einen einzigen Satz: "Ich möchte mich bei allen Beteiligten entschuldigen."

Das Urteil soll am 27. November um 14 Uhr gesprochen werden. "Es gibt natürlich noch reichlich Beratungsbedarf", sagte der Vorsitzende Richter Peter Windgätter am Donnerstag.

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