BVB-Rückkehrer

Götze gewährt tiefe Einblicke: Ich war ein Judas, ein Held, eine Enttäuschung

BVB-Rückkehrer Mario Götze bedankt sich zwei Tage nach Saisonende öffentlich bei den Fans - und blickt in einem Gastbeitrag sehr persönlich auf die Höhen und Tiefen seiner Karriere zurück.

Zwei Tage nach dem Saisonende gibt Mario Götze einen tiefen Einblick in sein Seelenleben. In einem Gastbeitrag für die Internet-Plattform "The Players Tribune" spricht der BVB-Mittelfeldspieler über seine Anfänge, den Wechsel zum FC Bayern und die Folgen des WM-Siegtreffers 2014.

Götze bedankt sich bei den Fans - und blickt zurück

"Danke" ist der Gastbeitrag von Götze betitelt. Mario Götze will den BVB-Fans danken, die ihn nach seinem emotionalen Wechsel zum FC Bayern wieder aufgenommen haben, die ihm verziehen haben. Götze will aber auch "Danke" sagen für seine bisherige Karriere, die eigentlich immer in Extremen verlaufen ist.

Götze, das Super-Talent, das mit 17 die Bundesliga-Bühne betritt. Götze, der Verräter, der Dortmund im Stich lässt, um ausgerechnet zum FC Bayern zu wechseln. Götze, der Siegtorschütze bei der Weltmeisterschaft. Götze, der gefallene Held, der erkrankt und sogar um die Fortsetzung seiner Karriere bangen muss. Und Götze, der Rückkehrer, der in Dortmund wieder den Boden findet, um sich auf das zu konzentrieren, was er liebt.

Denn für Mario Götze ist es eigentlich einfach. "Die Hölle ist für mich, nicht Fußball spielen zu dürfen", schreibt der 26-Jährige. Ja, so einfach sei das wirklich, denn Fußball ist für Mario Götze ein "Spiel für Kinder. Du rennst mit einem Ball auf einer Fläche aus Gras." Doch im Profigeschäft ist es natürlich viel mehr. Ein Leben unter dem Brennglas, vor allem, wenn man schon früh als Super-Talent tituliert wird, dem eine Weltkarriere vorausgesagt wird.

Jürgen Klopp: "Mario, lass uns über das Leben reden!"

Götze schreibt über seine Anfänge. Wie er als 16-Jähriger ersten Kontakt mit den Profis hatte. Wie er von Jürgen Klopp aufgebaut wurde. Wie Klopp ihn nicht nur als Trainer, sondern vor allem als Mentor weiterbrachte. "Er wusste, mit mir umzugehen. Er konnte mich anschreien, weil ich im Training nicht 100 Prozent gegeben habe. Das war wirklich einschüchternd. Dann, nach dem Training, war er wieder vollkommen ruhig und fragte, Mario, wie geht es Dir? Lass uns über das Leben reden!"

Er habe diese Zeit damals nicht zu schätzen gewusst, schreibt Götze, "wir haben große Dinge erreicht, ich hatte keine Probleme." Dann, mit 20, beschloss er, den BVB zu verlassen. "Die schwerste Entscheidung meines Lebens" sei das gewesen. Götze wollte unbedingt zu Pep Guardiola, "ich hatte das Gefühl, dass ich eine Veränderung im Leben brauchte, und was den reinen Fußball anbetraf, hatte ich das Gefühl, dass mich das Spielen unter Pep wirklich herausfordern würde." Götze gesteht: "Ich habe die Entscheidung getroffen, aber die Konsequenzen nicht verstanden."

Hass-Reaktionen und Drohungen gegen die Familie

Hass-Reaktionen der Fans, Drohungen gegen seine Familie. "Ich hätte damit umgehen können, aber mein jüngerer Bruder, er war damals 14, wurde in der Schule damit konfrontiert. Im Internet wurden Drohungen ausgesprochen." Heute verstehe er, dass Fußball für viele mehr ist als das reine Spiel.

Götze lebte in einer Blase, er wurde für das entscheidende Tor im WM-Finale gefeiert, dabei lief die Weltmeisterschaft überhaupt nicht nach seinen Vorstellungen ab. "Die Leute vergessen, wie beschissen dieses Turnier für mich bis zum Schluss war." Er spielte wenig oder gar nicht, "vor dem Finale war ich wirklich deprimiert."

Götzes Karriere, irgendwie immer im Wechselbad der Gefühle. "Einige der größten Momente, die ich im Fußball erlebt habe, sind direkt nach den dunkelsten gekommen. Umgekehrt ist es genau so. Ich war ein Judas, dann ein Held, dann eine Enttäuschung, dann war ich fast raus aus dem Fußball. Das alles in nur vier Jahren." Erst nach der Diagnose der Stoffwechselerkrankung sei er in der Lage gewesen, die einschneidenden Erlebnisse seiner immer noch jungen Karriere zu verarbeiten.

Rückkehr zum BVB "die beste Entscheidung, die ich treffen konnte"

Die Entscheidung, 2016 zum BVB zurückzukehren, bezeichnet Mario Götze als "die beste, die ich treffen konnte". Er sei dankbar dafür, dass viele, die sehr enttäuscht von ihm gewesen seien, ihn dann dennoch willkommen geheißen hätten." Heute weiß er zu schätzen, dass er hier in seiner Heimat wieder dem Ball nachjagen kann.

Und der Moment, wo alles begann, wird für immer einen hohen Stellenwert behalten. "Wissen Sie", schreibt Götze, "ich bin sicher, dass die Menschen das WM-Tor für die nächsten 100 Jahre verfolgen werden, und das ist natürlich etwas ganz Besonderes. Aber der erste Schritt aufs Gras im Westfalenstadion ist für mich genauso unvergesslich. Also muss ich mich bei Jürgen Klopp für diese Chance bedanken. Das war der Anfang der Geschichte."

Viele Höhen und Tiefen hätte auch die abgelaufene Spielzeit bereitgehalten, sagt Götze noch zum Ende des beeindruckenden Beitrags. Wie die Reise weitergehe, wisse er nicht, der BVB sei auf jeden Fall "ein spezieller Teil meines Lebens." Diese Aussage lässt im Hinblick auf die anstehenden Gespräche über eine Vertragsverlängerung einigen Interpretationsspielraum. Dass weitere Kapitel seiner Geschichte in Dortmund geschrieben werden, ist der Wunsch der Borussia.

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