Seit 21 Jahren hat Hartmut Salmen von seiner Sprecherkabine aus einen perfekten Blick auf die Südtribüne.
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Seit 21 Jahren hat Hartmut Salmen von seiner Sprecherkabine aus einen perfekten Blick auf die Südtribüne.

BVB-Stadionsprecher

Hartmut Salmen: Die markanteste Stimme des Signal Iduna Parks

DORTMUND - Auf dem schwarzen T-Shirt steht nur dieses eine Wort. In gelben Buchstaben. Dahinter ein Ausrufezeichen. Ein Wort, das wie selbstverständlich mit dem Signal Iduna Park verbunden ist: Ausverkauft! Hartmut Salmen, seit 21 Jahren zweiter BVB-Stadionsprecher neben Norbert Dickel, hat diesen Dauerzustand zu seinem Markenzeichen gemacht. Sowohl optisch als auch akustisch.

„Borussia Dortmund bedankt sich bei 80 645 Zuschauern.“ Kurze Pause. „Ausverkauft!“ Immer um die 65. Minute jedes Heimspiels gibt es diesen Moment, den Salmen mittlerweile als „echtes Highlight“ bezeichnet. „Ich finde es witzig, dass diese Durchsage so wahrgenommen wird.“ Es soll sogar BVB-Mitarbeiter geben, die Salmen den Spitznamen „Ausverkauft“ verpasst haben.

Positive Entwicklung

Dabei ist der 45-Jährige hauptsächlich für die Sicherheit im und ums Stadion verantwortlich. Falsch geparkte Autos und abhanden gekommene Portemonnaies sind dabei Alltag. Weniger die Zuschauer. „Das Fanverhalten“, sagt Salmen, „hat sich in den letzten zwei, drei Jahren positiv entwickelt. Davor gab es eine Phase, wo es brenzlig war. Da gab es deutlich mehr Durchsagen.“

Während Salmen sich eine Stunde vor dem Anpfiff zur letzten Sicherheitsrunde mit Ordnungsdienst, Polizei und Feuerwehr verabschiedet, füllt sich im Hintergrund die „Gelbe Wand“. Auf der Südtribüne erlebte Salmen seine erste BVB-Phase. Als Fan. Das änderte sich im April 1992. Der damalige Stadionsprecher Bruno „Günna“ Knust eröffnete das Theater Olpketal, der BVB musste sich um Ersatz bemühen.

Absolut unerfahren

Hartmut Salmen, absolut unerfahren am Mikrofon, erstellte dennoch ein Konzept – und Manager Michael Meier bat überraschenderweise zum Bewerbungsgespräch. „Wir haben uns 90 Minuten unterhalten, plötzlich kam Heinz Keppmann (Manager der Amateurabteilung, Anm. d. Red.) vorbei“, erzählt Salmen. Der suchte ebenfalls einen Sprecher. Einen Tag später ging es mit der Straßenbahn zum Fredenbaum – Pokalspiel der Dortmunder Reserve. „Das hat richtig gut geklappt“, sagt Salmen. Was er nicht wusste: Parallel führte Präsident Dr. Gerd Niebaum Gespräche mit Nobert Dickel, der kurz zuvor seine Karriere wegen einer Knieverletzung beenden musste. „Da hatte ich keine Chance, Nobby hatte mir zwei Tore in Berlin voraus“, erzählt Salmen und muss schmunzeln. Dickel erhielt den Zuschlag, der Verein wollte ihm aber einen „Co“ zur Seite stellen.

Mit Beginn der Spielzeit 1992/93 hatte Borussia Dortmund also sein neues Duo. Salmen: „Da war schon verrückt. Ich kannte Nobby ja nur aus dem Fernsehen.“ Mittlerweile kennen sie sich über 20 Jahre. Salmen sagt über den „Helden von Berlin“: „So authentisch, wie er sich im Stadion gibt, ist er auch sonst. Mit Herz und Seele Borusse. Ein Kumpeltyp. Als Stadionsprecher ist er der perfekte Mann.“

Rote Pappe

Technisch hat sich in zwei Jahrzehnten viel getan. „Früher haben wir die Ansagen noch live gemacht, heute kommen sie vom Band. Es gibt einen Regisseur, einen DJ, das läuft heute deutlich entspannter ab“, sagt Salmen. Die Zeiten, als ihm bei der Champions League ein neben den Trainerbänken postierter Mitarbeiter mit einer roten Pappe zu verstehen gab, dass die Spieler zum Aufwärmen rauskommen und der Klassiker „Heja BVB“ fällig ist, sind vorbei.

Aus dem Programm geflogen ist bereits Mitte der 90er-Jahre die Baby-Durchsage. „Damals war das Westfalenstadion in städtischer Hand, da haben die Leute angerufen, wenn während des Spiels der Nachwuchs zu Welt gekommen ist. Bei einem Spiel hatten wir angeblich 36 Geburten. Jetzt gibt es das nur noch bei Drillingen“, sagt Salmen – und erzählt seine Lieblings-Anekdote direkt hinterher: „Einmal sollte ein Fan zu seinem Auto kommen, weil der Motor noch lief.“ Ausverkauft war das Spiel natürlich trotzdem …

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