Champions League

BVB-Gegner Tottenham will kein ewiger Verlierer sein

Platz drei in der Premier League, 3:0 im Hinspiel gegen Borussia Dortmund: Wer glaubt, bei den Tottenham Hotspur herrsche eitel Sonnenschein, liegt trotzdem falsch.

Der Trainer übt sich in Generalkritik am Terminkalender, der Starstürmer erahnt eine weitere Saison ohne Titelgewinn. Die ersten Wochen im Fußballjahr 2019 sind für die Spurs anders gelaufen als geplant. Der Einzug ins Viertelfinale der Champions League könnte das kaschieren.

"Wir müssen das Hinspiel vergessen"

"Wir haben eine große Chance, in die nächste Runde einzuziehen. Aber erst einmal brauchen wir eine sehr gute Leistung am Dienstagabend", sagt Trainer Mauricio Pochettino. "Das wird ein schweres Spiel. Wir müssen das Hinspiel vergessen. Das wird unsere Herangehensweise sein."

Von Übermut ist Tottenhams argentinischer Übungsleiter weit entfernt. Ihm bereitet der Zustand seiner Mannschaft Sorgen, er habe seine Elf kaum auf das K.o.-Duell in der Königsklasse vorbereiten können. Während der BVB bereits am Freitagabend spielte und am Samstag bereits regenerieren konnte, mussten die Spurs zeitgleich im intensiven Derby gegen den FC Arsenal (1:1) an die Grenzen gehen. Auch vor dem Hinspiel hatten die Dortmunder einen Tag mehr Pause. Pochettino: "Das macht einen massiven Nachteil, das sollte anders sein. Vor allem bei einem Niveau wie dem Achtelfinale der Champions League."

43 Pflichtspiele in den Beinen

Wer auch immer für den Terminkalender zuständig ist und dabei nicht die Interessen der englischen Vereine im Europapokal berücksichtige - Pochettino wusste nicht, wen er dafür anklagen sollte -, der Hinweis ist berechtigt. Die Nordlondoner haben 43 Pflichtspiele in den Beinen, neun mehr als die Westfalen, die obendrein eine Winterpause genießen konnten.

Es scheint, als schlage die hohe Belastung durch bei Tottenham. Im Januar flog das Team aus beiden Pokal-Wettbewerben, im Februar verabschiedeten sich die seit drei Spielen sieglosen Spurs (1:2 in Burnley, 0:2 in Chelsea, 1:1 gegen Arsenal) aus dem Meisterschaftsrennen. Wehe, wenn jetzt auch noch ein peinliches Aus in der Champions League hinzukäme.

"Das wird den Unterschied machen"

Stürmer Harry Kane sprach vor dem Duell mit Borussia Dortmund Klartext. Sein Team müsse auch unter Druck mal "eine Schippe drauflegen", forderte der England-Kapitän. "Das haben wir in den vergangenen Jahren nicht geschafft, das haben wir diese Woche nicht geschafft, aber das wird den Unterschied machen."

Damit sprach der Mannschaftskapitän aus, was in England viele über Tottenham Hotspur denken: Immer, wenn es ernst wird, scheitern die Londoner. Kane steht seit 2009 bei Tottenham unter Vertrag. Nach mehreren Ausleihen, unter anderem an den FC Millwall und an Leicester City, war die Saison 2014/15 seine erste als unumstrittener Stammspieler bei den Spurs. In den darauffolgenden Spielzeiten wurde er zweimal Torschützenkönig der Premier League mit 25 und 29 Treffern. Ein Titel mit dem Klub blieb dem hochtalentierten Fußball-Nationalspieler - aufgrund der bekannten Schwierigkeiten der Spurs - bisher verwehrt.

Letzte Option auf eine Trophäe

"Unter den ersten Vier zu stehen, in der Champions League zu spielen, das war vor fünf Jahren noch ein Traum", konterte Trainer Pochettino vor Kurzem die Kritik an mangelnden Titeln und betonte, sein Team kämpfe nicht "mit denselben Waffen" wie andere Klubs. Schließlich holte Tottenham in den vergangenen zwei Transferperioden nicht einen einzigen neuen Spieler. "Natürlich wollen wir eine Trophäe gewinnen", sagte der Argentinier. "Ich glaube, wir werden dahinkommen." Aber das brauche Zeit.

Die Königsklasse bleibt in dieser Saison die letzte Option auf eine Trophäe für Tottenham. Die Titelchancen? Gering. Immerhin sind nach dem 3:0-Sieg gegen Dortmund im Hinspiel die Chancen aufs Weiterkommen gut. Darauf verlassen will sich Kane keinesfalls. "Das wird nicht leicht", sagte der 25-Jährige über die Partie am Dienstag. "Aber es liegt an uns, eine gute Leistung zu zeigen, und eine bessere Chance, das Viertelfinale zu erreichen, werden wir nie haben." Wenn nicht jetzt, wann dann?

Erst Weiterkommen, dann wächst der Glaube

Zu den Favoriten im Wettbewerb zählt Tottenham laut Kane, der in dieser Saison vier Tore in der Königsklasse geschossen hat, nicht. "Wir haben gezeigt, dass wir große Teams schlagen können", betonte er allerdings - wie in der Vorsaison beim packenden 3:1-Sieg gegen Real Madrid. Im Achtelfinale scheiterten die Londoner dann knapp und unglücklich am italienischen Serienmeister Juventus Turin.

Und in diesem Jahr? "Das Wichtigste ist, dass wir am Dienstag weiterkommen", sagt Kane, "wenn wir dann Stück für Stück die größeren Mannschaften schlagen, dann wächst auch der Glaube." Dass er dann am Ende womöglich doch einen Pokal in den Händen hält, will der Stürmer zumindest nicht ausschließen. "Es ist nicht unmöglich, es ist nur momentan unwahrscheinlich, aber wir werden sehen, was passiert."

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