Champions League

BVB-Trainer Favre muss gegen Tottenham ein kniffliges Personalpuzzle lösen

Der BVB trifft im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League auf Tottenham. Die personellen Vorzeichen sind nicht die besten - und Youngster Jadon Sancho spielt unterm Brennglas.

Jadon Sancho guckte etwas pikiert. Die Sicherheitskontrolle am Flughafen Dortmund hatte sich soeben als ein unerwartet hartnäckiges Hindernis für den Shootingstar der Bundesliga herausgestellt. Das Sicherheitspersonal ließ sich nicht so einfach ausdribbeln, wie Sancho es für gewöhnlich mit seinen Gegenspielern auf dem Platz hält. Der Reisepass des 18-Jährigen lag zu diesem Zeitpunkt dort, wo er zwar sicher, aber nicht wirklich gut aufgehoben war: daheim in der Wohnung am Phoenixsee.

Die ganz große Fußballbühne

Also hieß es wohl oder übel Kommando zurück, oder abkappen, wie man das in der Fußballersprache nennt. Sancho zog, irgendwie passend, die Kappe noch ein bisschen tiefer ins Gesicht, es ging raus aus der Schlange, im Eiltempo ab nach Hause, zurück zum Flughafen - und schließlich als Letzter in den schwarzgelben Flieger mit der Flugnummer EW1909, der mit rund 20 Minuten Verspätung in Richtung London abhob.

Sancho, der sich vor dem Achtelfinal-Hinspiel des BVB in der Champions League gegen Tottenham Hotspur (Mittwoch, 21 Uhr, live auf DAZN) in seiner Heimatstadt ohnehin nicht über zu geringes öffentliches Interesse beklagen kann, rückte am Dienstagvormittag folglich unfreiwillig noch ein bisschen mehr in den öffentlichen Fokus. Der englische Nationalspieler, vielleicht das größte Juwel im Mutterland des Fußballs, wird am Mittwochabend im legendären Wembley-Stadium unterm Brennglas spielen. Es ist die ganz große Fußballbühne - Sancho einer der Hauptdarsteller.

"Unbekümmert Fußball spielen"

"Das ist für einen 18-Jährigen schon sehr viel", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor dem Abflug auf die Insel. Es zeige eine "gewisse Reife", meinte der BVB-Boss, "wenn ein Spieler damit umgehen kann". Vergessene Reisepässe mal ausgeklammert. Und Michael Zorc, der BVB-Sportdirektor, versuchte, ein bisschen Last von Sanchos jungen Schultern zu nehmen. "Ich tue mich sehr schwer damit, einem 18-Jährigen zu viel Verantwortung aufzuhalsen." Sancho solle nach Möglichkeit einfach weiterhin "so unbekümmert Fußball spielen, wie er es in den vergangenen Wochen und Monaten getan hat".

Bei allem Wirbel um Sancho ging beinahe ein bisschen unter, dass die Vorzeichen für Borussia Dortmund gegen die Spurs nicht unbedingt die besten sind. Kapitän Marco Reus fehlt weiterhin wegen eines Muskelfaserrisses, Abwehrchef Manuel Akanji mit Hüftproblemen. Zudem meldeten sich Edeljoker Paco Alcacer mit einer Schulterentzündung, Julian Weigl mit einem grippalen Infekt und Vizekapitän Lukasz Piszczek mit Schmerzen im Fuß ab.

Tottenham ohne Kane und Alli

Die Meinungen darüber, wie schwer die Personalsorgen wiegen, gingen bei den Verantwortlichen durchaus ein bisschen auseinander. Watzke erklärte, dass Tottenham durch die Ausfälle der Superstars Harry Kane und Dele Alli auch personelle Probleme habe. Es sei nun mal, wie es sei. "Wir fahren als Tabellenführer der Bundesliga nach London und haben auch keine Angst davor. Die letzten Ergebnisse von Tottenham waren zwar sehr gut, aber auch nichts, wo du sagen musst: Meine Güte, das wird jetzt ganz bitter."

Bei Zorc hörte sich das schon etwas zurückhaltender an. Natürlich fahre man nicht nach London, "um dort freundlich zu winken", sagte der 56-Jährige. Doch die vielen verletzten Spieler würden schon sehr fehlen. "Nach der Auslosung haben wir uns auf Augenhöhe mit Tottenham gesehen. Jetzt ist es schwieriger aufgrund des personellen Aderlasses." Trotzdem wolle man eine gute Leistung abliefern und ein gutes Ergebnis mit nach Dortmund nehmen.

Grundvoraussetzung dafür dürfte sein, darin waren sich dann alle wieder einig, dass der BVB gegen "die Ergebnismaschine" Tottenham (Zitat Zorc) defensiv kompakter auftreten muss als zuletzt gegen Bremen und Hoffenheim, als es jeweils drei Gegentore setzte. Zorc wünscht sich eine "ausgewogene Balance zwischen offensivem Spektakel und defensiver Vernunft". Watzke möchte eine "besser und intensiver" verteidigende Borussia sehen. Als Vorbild dafür könnte ja vielleicht sogar das Sicherheitspersonal am Dortmunder Flughafen dienen.

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