Champions League

Ermutigendes 2:3 - BVB holt Trostpreis Europa League

MADRID - Dank einer deutlichen Leistungssteigerung nach einem katastrophalem Beginn darf Borussia Dortmund trotz eines 2:3 (1:2) bei Real Madrid in der Europa League weiterspielen. Tottenham leistet Schützenhilfe.

Fast schon beschwörend hatten vor dem Abflug nach Madrid zum letzten Gruppenspiel der diesjährigen Champions League Nuri Sahin und Hans-Joachim Watzke die Trendwende herbeigeredet. Borussia Dortmunds Geschäftsführer bekräftigte, man wolle mit Trainer Peter Bosz "den Bock umstoßen", Mittelfeldspieler Sahin gab zu Protokoll, die Negativserie sei bestimmt "nicht unendlich".

Knapp 15 Minuten nach dem Anpfiff aber drohte der BVB im gewaltigen Estadio Santiago Bernabeu ein Debakel. 2:0 stand es da für die Königlichen, die einige Stars wie Toni Kroos, Karim Benzema oder Luca Modric schonten. Als Cristiano Ronaldo von außen nach innen zog, leistete Marc Bartra nur Begleitschutz, Isco leitete den Pass des Weltfußballers am verdutzten Marcel Schmelzer vorbei, Borja Mayoral lupfte über Roman Bürki - das war der frühe Rückstand (8.).

Bürki chancenlos

Der denkbar schlechte Start lähmte die Borussia. Nächster Angriff, nächstes Tor: Dass man Ronaldo auch nicht einen Zentimeter Raum geben darf, hätte Bartra eigentlich wissen müssen. Dennoch ließ der Spanier ihn schießen, Bürki war chancenlos (13.).

Zu diesem Zeitpunkt noch war der BVB als Gruppenvierter auch nicht mehr für die Europa League qualifiziert. Nikosia hielt im Parallelspiel ein 0:0, diese Sorge zerstreute sich dann allerdings im weiteren Verlauf durch zwei Tottenham-Treffer noch vor der Pause.

Wackelige Defensive

Und weil Real im Gefühl der totalen Überlegenheit gleich mehrere Gänge zurückschaltete, hielt Dortmund den Rückstand in Grenzen - und die erste Annäherung ans Real-Tor hätte sogar den Anschlusstreffer bringen können. Raphael Guerreiro spielte den Querpass etwas zu scharf für Pierre-Emerick Aubameyang nach innen, Madrids Varane blockte dann den zweiten Versuch von Christian Pulisic. Wieder wäre Aubameyang frei gewesen (25.).

Es wurde also besser, doch defensiv blieb das Konstrukt wackelig. Im 5-4-1 gegen den Ball stand die Borussia viel zu tief, wenn Real das Tempo anzog, ging die Ordnung schnell verloren. Mayoral hätte so beinahe das 3:0 erzielt (42.).

Schmelzer serviert, Aubameyang trifft

Doch auch bei Real taten sich Lücken auf. Bartra nutzte eine, um Aubameyang freizuspielen, der Gabuner verzog (35.). Dann aber war der Torjäger nach einer starken Flanke von Schmelzer per Kopf zur Stelle - durch das 1:2 (44.) sah die Welt schon wieder viel freundlicher aus.

Die Pause half den Gastgebern nicht, die Lethargie aus den eigenen Trikots zu schütteln. Und als Kagawa einen scharfen Ball ins Zentrum per Hacke klasse in den Lauf von Aubameyang legte, stand es plötzlich 2:2. Im zweiten Versuch brachte der Goalgetter den Ball per Lupfer an Keylor Navas vorbei über die Linie (48.).

Real zieht das Tempo wieder an

Ronaldo hatte nach einem dicken Patzer von Dahoud allerdings postwendend die Chance auf die erneute Führung, der Portugiese verzog (52.). Real zog das Tempo nun wieder an, Dortmund boten sich Konterchancen: Aubameyang wurde im letzten Moment von Nacho geblockt (55.).

Nicht nur über den nun sehr agilen Sahin war die Borussia in den Zweikämpfen nun deutlich präsenter. Es war ein offenes Spiel mittlerweile, Dortmund stand besser, war wacher und bissiger.

Zwei Punkte reichen für Rang drei

Real, mit einigen unerklärlichen Auftritten zuletzt, erhöhte dann noch einmal deutlich das Tempo, Neven Subotic (74.) und Schmelzer (75.) mussten binnen 60 Sekunden in höchster Not retten. Die Schlussphase wurde zur Abwehrschlacht. Ronaldo wurde das 3:2 noch zurückgepfiffen, doch dann faustete Bürki einen hohen Ball zu kurz aus der Gefahrenzone, Lucas Vasquez traf den Ball nicht richtig, der aber immer länger wurde und im langen Eck landete (80.).

Weil Tottenham die Führung gegen Nikosia sicher nach Hause brachte, reichen dem BVB die zwei Punkte in der Gruppenphase zum Überwintern in der Europa League. Das hat es in der Königsklasse zuvor noch nie gegeben.

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