Champions League

BVB kennt beim 4:0 gegen Atletico keine Grenzen mehr

Schwarzgelbe Party in Dortmund! Der BVB fegt Atletico Madrid mit 4:0 aus dem Stadion. Die Leistung erinnert an beste internationale Zeiten. Diego Simeone adelt die Schwarzgelben.

Ob national oder international - ganz egal! Borussia Dortmund setzte seinen Höhenflug auch im Champions-League-Duell gegen Atletico Madrid fort. Beim 4:0 (1:0) gegen die mit Weltklasse-Spielern gespickten Spanier trumpfte der BVB mit Cleverness und Leidenschaft auf - und scheint kaum Grenzen nach oben zu kennen. Das Überwintern in der Königsklasse ist so gut wie gesichert.

"Wir mussten extrem leiden"

"Sensationell" fühlte sich Marco Reus. Der BVB-Kapitän gestand: "Wir mussten extrem leiden, vor allem als Atletico nach der Pause das Tempo nochmal angezogen hat." Angetrieben vom Publikum und auf dem Rasen auch von Reus stemmte sich die Borussia dagegen. Der Knackpunkt im Spiel, danach kombinierten sich die Dortmunder in einen Rausch und schraubten das Ergebnis von 1:0 auf 4:0. "Ab der 60., 65. Minute hatten wir wieder mehr Ballbesitz, und dann hat man gesehen, dass wir auch ganz gut Fußball spielen können", so Reus.

Den Rausch nach nun zwölf Spielen ohne Niederlage, der Tabellenführung in der Liga und besten Aussichten in der Champions League bei neun Punkten und 8:0 Toren wollte Reus nicht kleinreden. "Gerade die jungen Spieler dürfen das genießen und sollen das Positive mitnehmen. Wir haben eine ganz gute Mischung im Team und die Erfahrenen wissen die Situation einzuschätzen."

Pulisic ersetzt Sancho

Noch bevor Schiedsrichter Anthony Taylor (England) anpfiff, durften sich Borussia und Atletico als kleine Gewinner der dritten Spielrunde fühlen. Das 1:1 zwischen Monaco und Brügge bescherte beiden Favoriten eine gute bis sehr gute Ausgangsposition für die Rückspiele. Im direkten Duell der Großmächte dominierten anfangs Respekt und das Gebot der Fehlervermeidung. Der BVB positionierte sich etwas zurückgezogener als gewohnt. In der ersten Linie störten Marco Reus und Mario Götze, der für den verletzten Paco Alcacer in die Startelf rutschte, den Spielaufbau der Spanier. Dann spiegelten die Dortmunder das 4-4-2-System, das die Madrilenen sonst kompakt und aggressiv mit Leben füllen.

Diesmal legten die Schwarzgelben mehr Leidenschaft in die Waagschale. Nach verhaltenem Beginn versuchte es Axel Witsel erstmals mit einem Flachschuss aus der Distanz - Atleticos Jan Oblak, von Torhüter-Legende Gianluigi Buffon zu einem der drei besten Keeper der Welt erklärt, hatte keine Mühe (21.). Nach einem Vorstoß des quicklebendigen Achraf Hakimi über die linke Seite fiel Christian Pulisic (anstelle von Jadon Sancho aufgeboten) die Kugel vor die Füße, sein Schlenzer mit links segelte über den Querbalken (31.).

"Wir waren am Anfang nicht ganz da"

Dortmunds Druck nahm zu, die Spanier mussten immer öfter reagieren und kamen einmal klar zu spät: Eine Pass-Passage ganz nach dem Geschmack von Trainer Lucien Favre landete bei Witsel, der verzögerte den Abschluss noch, dann fälschte Saul Niguez den vermeintlich haltbaren Versuch ab, der Ball flutschte ins rechte untere Ecke - 1:0 für den BVB (38.). Die verdiente Führung zur Pause, die der starke Verteidiger Dan-Axel Zagadou mit einem Kopfball nach Pulisic-Ecke fast noch erhöht hätte (42.). Bis dato eine reife Leistung in der zur Reifeprüfung erklärten Aufgabe. "Wir waren am Anfang nicht ganz da, haben etwas Zeit gebraucht. Aber dann haben wir Vertrauen bekommen und mehr Mut gehabt", analysierte Favre.

Von den hoch geschätzten Gästen, geschmückt mit den drei Weltmeistern Antoine Griezmann (Angriff), Thomas Lemar (linkes Mittelfeld) und Lucas Hernandez (Innenverteidigung), kam enttäuschend wenig. Nur einmal ließ Griezmann sein Können aufblitzen, zielte jedoch knapp vorbei (32.).

Delaney angeschlagen ausgewechselt

Rumpelstilzchen Diego Simeone hüpfte aufgeregt durch seinen weiß eingekreideten Anweisungsbereich vor der Trainerbank, den er wie gewohnt als Eingrenzung seines natürlichen Reviers ignorierte. Ein Spielverlauf, der den 66.099 Zuschauern schmeckte wie eine knackige Stadionwurst. Lediglich die Auswechslung von Thomas Delaney, der sich am linken Sprunggelenk verletzte, trübte das stimmige Bild. Für den Dänen kam nach 35 Minuten Mahmoud Dahoud ins Spiel.

Vom Zwischenstand fühlten sich die stolzen Spanier durchaus an der Ehre gepackt. Niguez zirkelte den Ball aus dem Stand ans Lattenkreuz (52.), Atletico legte spürbar zu und zwang den BVB in eine passivere Rolle. Zu schnell gaben die Schwarzgelben den Ball wieder ab. Favre reagierte, brachte für den diesmal blassen Jacob Bruun Larsen in Raphael Guerreiro einen ballsicheren Spieler (63.), auch das Publikum bewies Gespür und peitschte die Borussen nach vorne. "Da hätte es auch 1:1 stehen können. Wir mussten sehr viel laufen, die Spieler sind müde geworden", erklärte Favre.

Hakimis dritte Vorlage

Sein Einfluss von außen wirkte. Dortmund befreite sich. Hätte Hakimi Marco Reus nicht am Abzug gehindert, hätte der BVB-Kapitän trotzdem auf 2:0 stellen können (66.). Diesen Lapsus korrigierte der 19-Jährige wenige Minuten später: Dahoud spielte ihn auf der linken Seite frei, den perfekt getimten Querpass drückte Guerreiro im Zentrum mit links und Wucht über die Linie (73.). 2:0 für den BVB, und das ganze Stadion hüpfte, bis auch der Beton bebte.

Zwei Schreckmomente musste Schwarzgelb überstehen, als Roman Bürki Angel Correas Schuss an den Pfosten lenkte und Griezmann verzog (80.). Dann schickte Götze mit einem Traumpass Hakimi auf die Reise, der mit dem dritten Assist des Abends dem eingewechselten Jadon Sancho das 3:0 auflegte (84.). Die Entscheidung. Guerreiro legte noch das 4:0 nach (89.). Wieder einmal drei Joker-Tore. "Die Einwechselspieler wissen, was sie machen müssen", sagte Favre nüchtern. "Natürlich trainieren wir das auch."

"Es macht großen Spaß, ihnen zuzusehen"

Wie im Traum erlebt der Coach nach eigener Aussage seinen Traumstart mit dem BVB nicht. "Es liegt nicht an viel", meint der 60-jährige Schweizer, viele Spiele hätten auch anders ausgehen können, Rückschläge müsse man bei so vielen jungen Spielern einkalkulieren. Auf den Tribünen machen sind die Fans weniger Gedanken darüber. Sie singen wieder vom Europapokal und der Deutschen Meisterschaft.

Und ein weiterer Anhänger der Schwarzgelben ist spätestens an diesem denkwürdigen Europapokalabend hinzugekommen: Diego Simeone. Der Atletico-Trainer hatte durchaus auch gute Phasen seiner Mannschaft gesehen, doch die wollte er angesichts des Ergebnisses lieber verschweigen, weil es deplatziert wirken würde. Dann adelte er die Borussia: "Dortmund hat sehr dynamisch und sehr pragmatisch gespielt. Sie sind stark im Ballbesitz, haben große Schnelligkeit im Spiel." Dann erklärte sich Simeone mit heiserer Stimme zum Fan des BVB: "Sie sind auf einem großartigen Weg. Hoffentlich könne sie so weiterspielen, denn es macht großen Spaß, ihnen zuzusehen."

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