Emotionales Heimspiel

3:2-Zittersieg gegen Düsseldorf - BVB-Titeltraum lebt weiter

Platzverweis und Strafstoß, drei eigene Treffer und ein banger Blick zum Parallelspiel: Das 3:2 des BVB gegen Fortuna Düsseldorf bietet beste Fußball-Unterhaltung und ist nichts für schwache Nerven.

Im letzten Heimspiel der Saison bekamen die Zuschauer noch einmal jede Menge Kuriositäten geboten. Ein verrücktes Spiel mit vielen Höhen und Tiefen und dem besseren Ende für den BVB. Durch das 3:2 gegen Düsseldorf und das 0:0 zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern München wird die Meisterschaft erst am letzten Spieltag entschieden.

"Und ihr wollt Deutscher Meister sein?"

30 Minuten waren gespielt, da machten sich die sangesgewaltigen Fans des frechen Aufsteigers Fortuna Düsseldorf bemerkbar. "Und ihr wollt Deutscher Meister sein?", skandierten die knapp 7000 mitgereisten Fans aus der Landeshauptstadt. Forsch für einen Liga-Neuling. Aber inhaltlich berechtigt. Denn was der BVB bis dahin seinen eigenen Zuschauern kredenzte, stimmte wiederum gar nicht überein mit den Erwartungen des schwarzgelben Anhangs und der Tabellensituation. Wie eine Mannschaft, die um die Deutsche Meisterschaft kämpft, spielte die Borussia wahrlich nicht.

Zwei bemerkenswerte Szenen vor der Pause: Nach einem schlampigen Ballverlust im Mittelfeld nahm es Düsseldorfs Flitzer Dodi Lukebakio gleich mit vier Dortmundern auf und traf zur Führung für die Gäste - das Schiedsrichter-Gespann um Tobias Stieler bekam die getroffen Abseits-Entscheidung allerdings vom Video-Assistenten bestätigt. Kein Treffer, der BVB im Glück (20.).

Unüberhörbare Pfiffe

Das schleppende Tempo, mit dem die Mannschaft von Trainer Lucien Favre ihr eigenes Spiel vorantrieb, stellte die Düsseldorfer kaum vor Probleme. Die Zaghaftigkeit der Dortmunder Angriffe dokumentierte eine lange gut aussehende Szene in der 38. Minute: Eine Flanke von Christian Pulisic rutsche an allen Borussen vorbei. Im Rückraum versuchte es dann Linksfuß Raphael Guerreiro mit rechts - 20 Meter drüber. Die Pfiffe im Publikum waren unüberhörbar.

Doch es gab auch gute Szenen: Der umtriebige Christian Pulisic zielte im Fallen einmal knapp links vorbei (13.), dann scheiterte er mit seinem Nachschuss nach einem geblockten Versuch von Raphael Guerreiro (21.). In Leipzig, beim Parallelspiel zwischen RB und FCB, stand es zu dem Zeitpunkt 0:0, und eine für den BVB eher ungewöhnliche Kombination brachte die Schwarzgelben nach vorne: Flanke Guerreiro, Kopfballablage von Thomas Delaney, und Pulisic drückte den Ball aus vier Metern mit dem Kopf über die Linie (41.). 1178 Tage nach seinem ersten Auftritt im Dortmunder Stadion verabschiedete sich der vom FC Chelsea ausgeliehene US-Amerikaner im letzten Heimspiel ausgerechnet mit einem Kopfballtor von seinen Fans.

Peinlich-Serie setzt sich fort

Die zur Halbzeit für den BVB erquickliche Blitztabelle hatte nach Wiederanpfiff allerdings nur noch zwei Minuten Bestand. Einen vollkommen harmlosen Kopfball von Fortuna-Kapitän Oliver Fink ließ Borussias Ersatztorhüter Marwin Hitz wie ein Amateur durch die Beine flutschen (47.). Dieser Gegentreffer setzte die Peinlich-Serie der Gegentore aus Bremen nahtlos fort. Sekunden später ertönte die Nachricht aus Leipzig: 1:0 für die Bayern. Der BVB am Boden? Wieder nur für Sekunden.

Kaum hatte sich die Nachricht herumgesprochen, dass der Münchner Treffer zurückgenommen wurde - bei Goretzkas Schuss stand Lewandowski haarscharf im Abseits, wie der VAR überkritisch monierte - , stellte Thomas Delaney mit einem kernigen Flachschuss aus zwölf Metern wieder die Dortmunder Führung her (53.). Fußball verrückt!

Lukebakio schiebt den Ball am Tor vorbei

Und es ging genau so weiter: Bei einer Düsseldorfer Flanke konnten sich Manuel Akanji und Marwin Hitz nicht einigen, wer zum Ball geht - dann rammte Hitz Düsseldorfs Lukebakio um. Nachvollziehbar, dass Stieler auf Strafstoß entschied. Der Belgier lief an, verzögerte - und schob den Ball rechts am Tor vorbei (58.).

Erst danach beruhigte sich das Geschehen. Dortmund bekam wieder Kontrolle in seine Aktionen und unterband die Konter der Gäste ausreichend. Düsseldorf fehlten die Mittel, um die keineswegs sattelfesten Borussen in Schwierigkeiten zu bringen und dann dezimierte sich die Fortuna selber: Um einen Konter zu unterbinden, traf Adam Bodzek den eingewechselten Jadon Sancho am Sprunggelenk - Rot (82.). Auf das erlösende dritte Tor des auch in Überzahl wankenden BVB mussten alle Schwarzgelben lange warten. In der ersten Minute der Nachspielzeit machte Mario Götze dann den Deckel drauf (3:1).

Meister-Tür ist einen kleinen Spalt offen

Dawid Kownackis erneuter Anschlusstreffer sollte eigentlich keine Rolle mehr spielen (3:2, 90.+4). Doch die Borussen zitterten weiter. Andre Hoffmann verzog aus bester Einschussposition, Kenan Karaman zielte drüber - dann war Schluss. Dortmund zittert, bangt und hofft weiter.

Der BVB hatte seine Pflicht erledigt. Und Bayerns Remis in Leipzig lässt die Tür in Richtung Deutsche Meisterschaft einen kleinen Spalt offen. Die Entscheidung ist vertagt und fällt am kommenden Samstag ab 15.30 Uhr in einem Herzschlagfinale. Dortmund spielt in Gladbach, die Bayern gegen Eintracht Frankfurt.

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