BVB erlebt Horrorabend in München

Neuer Tiefpunkt nach 0:6 - Stöger übt deutliche Kritik

MÜNCHEN - Borussia Dortmund legt beim "Topspiel" in München eine peinliche Vorstellung hin und toppt so noch manche unterirdische Darbietung in dieser Saison. Beim 0:6 (0:5) ist der BVB nicht mehr als ein Mitleid erregender Sparringspartner für den FC Bayern. Trainer Peter Stöger nimmt anschließend kein Blatt vor den Mund.

Der Duden hat etliche Synonyme parat für den Begriff "desolat". Desaströs zum Beispiel, oder elend, erbärmlich, furchtbar, grässlich, jämmerlich, katastrophal, misslich, schlecht, schlimm, traurig, troslos. Oder in Ruhrgebietsdeutsch: beschissen. Alle passten, um die Darbietung der Borussia zu beschreiben.

Eine nie gekannte erste Hälfte

Als Bastian Dankert pünktlich zur Pause pfiff, schien auch er Erbarmen zu haben mit den Schwarzgelben, die eine nie gekannte erste Hälfte gespielt hatten. Etliche schwache Spiele hatte der BVB in den vergangenen Monaten gezeigt, zuletzt in Salzburg, wo man nach der Partie eigentlich gedacht hatte, dass es schlimmer nicht mehr geht. Doch weit gefehlt. 5:0 stand da zur Pause auf der Anzeigetafel, tatsächlich 5:0.

Es gab keine Bereiche, in denen die Borussia auch nur annähernd den Anforderungen von Bundesliga-Fußball nahe kam, es gab keinen Spieler, der in der Lage war, sich diesen Bayern wirkungsvoll entgegenzustemmen. Und mit jedem Gegentor verfiel Dortmund immer mehr in Schockstarre, haarsträubende Fehler begleiteten die Treffer, die wie reife Früchte fielen.

Castro stümperhaft

Es war daher müßig darüber zu reden, ob Robert Lewandowski beim 0:1 (5.) im Abseits gestanden hatte - das Loch, in das er hinein spurten durfte nach Thomas Müllers Pass, war riesengroß. Das vermeintliche 0:2 gab Dankert wegen einer Abseitsstellung dann nicht (9.), doch es sollte schnell fallen. Diesmal verlor Mahmoud Dahoud im Aufbau den Ball, James traf (14.).

Beim 0:3 war es Gonzalo Castro, der stümperhaft in ein Dribbling ging, was nach dem Ballverlust den Münchnern eine 4:2-Überzahl verschaffte - und Castro endgültig für eine frühe Auswechslung qualifizierte. Die vollzog Trainer Peter Stöger in der 29. Minute, als er Julian Weigl brachte. Es hätte auch viele andere treffen können.

Gegenwehr oder Pressing?

Nicht nur im defensiven Zentrum war der BVB überfordert und nicht präsent. Gegenwehr oder Pressing? Gab es nicht, die Dortmunder liefen nur nebenher. Und Castro dürfte vielleicht ja sogar erleichtert gewesen sein nach seiner Auswechslung. Denn das Debakel nahm weiter seinen Lauf. Dortmund wie das Kaninchen vor der Schlange - und im Zweikampfverhalten unbedarft wie eine E-Jugend. Es war mehr als ein Klassenunterschied, der sich dort zeigte.

Wie Ribery Lukasz Piszczek an der Außenlinie eindrehte, das sorgte für Kopfschütteln auch bei den Bayern-Edelfans, Lewandowski stocherte den Ball zum 4:0 ins Tor (44.). Gegen den widerstandslosen BVB durfte Ribery vor der Pause sogar noch das 5:0 machen. Fassungslosigkeit hatte sich da längst breit gemacht, es war eine Demütigung, eine Beerdigung erster Klasse, auch wenn die Bayern extrem giftig und griffig spielten in den ersten 45 Minuten.

Effekt nicht erkennbar

Zwei Wochen konnte sich der BVB weitgehend störungsfrei auf diese Partie vorbereiten, Stöger hatte sogar etliche Nationalspieler komplett in Dortmund im Training. Ein Effekt war nicht erkennbar. Gut nur, dass es die Bayern dann angesichts der Führung ruhig angehen ließen und auf eine weitergehende Demontage nach der Pause verzichteten - schließlich ist am Dienstag wieder Champions League.

Der Wettbewerb, in dem ja auch der BVB gern wieder mitspielen würde, was angesichts dieser Leistung ernsthaft in Zweifel gezogen werden darf. Und einen hatten die Bayern auch noch: Über Müller und Kimmich ging es viel zu leicht in den Strafraum des BVB, Lewandowski brauchte in der Mitte für seinen dritten Treffer nur noch den Fuß hinzuhalten (87.).

Stöger wird von den Spielern im Stich gelassen

Mario Götze traf nach 67 Minuten im Fallen aus 16 Metern sogar den Pfosten des Bayern-Tores, zu diesem Torabschluss musste er fast gezwungen werden. Es war, wenn man so will, ein kleiner Lichtblick an einem Ostersamstag, der als schwarzer Tag in die Vereinsgeschichte eingehen wird.

Und der Fragen aufwarf. Erneut auch der nach der Zukunft des Trainers, der an der Seitenlinie machtlos wirkte. Stöger wurde von seinen Spielern nicht zum ersten Mal schmählich im Stich gelassen. Es war ihm allerdings auch nicht gelungen, aus dem im Dezember verlorenem Pokalspiel gewinnbringende Lehren zu ziehen.

"Diesem Anspruch werden wir derzeit nicht gerecht"

Stöger wählte nach der Nicht-Leistung bei "Sky" deutliche Worte: Die Grundtugenden waren einmal die Basis - heute haben wir sie komplett vermissen lassen. Vielleicht ist so eine Klatsche auch gut, damit jeder Stein umgedreht wird. Diese Mannschaft will Zweiter werden und in Zukunft vielleicht wieder oben angreifen. Diesem Anspruch werden wir derzeit nicht gerecht."

Seine sportliche Zukunft ließ der Österreicher offen: "Mein Leben definiert sich nicht darüber, dass ich Trainer beim BVB bin."

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