Der damalige Großaktionär Florian Homm präsentierte sich auf der BVB-Jahreshauptversammlung als großer Retter, zwei Jahre später tauchte er unter. Heute ist er spektakulär in die Öffentlichkeit zurückgekehrt.
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Der damalige Großaktionär Florian Homm präsentierte sich auf der BVB-Jahreshauptversammlung als großer Retter, zwei Jahre später tauchte er unter. Heute ist er spektakulär in die Öffentlichkeit zurückgekehrt.

Ex-BVB-Investor

Homm erinnert sich an BVB-Engagement

DORTMUND - 20. November 2005: Ein baumlanger Hüne im teuren Anzug und mit dicker Zigarre im Mund steht während der Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund im Flur der Westfalenhalle 2. Die Miene ist undurchsichtig, genau wie der Mann selbst: Es ist Florian Homm, der damals als BVB-Retter gefeiert wird. Zwei Jahre später tauchte der Hedge-Fonds-Manager plötzlich ab – bis jetzt.

Fünf Jahre sind vergangen, seitdem Florian Homm das letzte Mal in der Öffentlichkeit gesichtet wurde. Damals war die schillernde Figur von heute auf morgen von der Bildfläche verschwunden. Der Börsenspekulant war geflüchtet. Anleger hatten sich betrogen gefühlt, die US-Börsenaufsicht SEC drängte auf Antworten auf einen dicken Fragenkatalog.

Interview-Marathon

Viele Legenden, Halbwahrheiten und Mythen ranken sich seitdem um Homm, der 2004 25 Prozent der BVB-Aktien hielt und Investoren später um 50 bis 200 Millionen Euro geprellt haben soll. Die Zahlen, die von Bericht zu Bericht schwanken, klingen genauso abenteuerlich wie der Untertitel des Buches, mit dem Homm am 15. November in die Öffentlichkeit zurückkehrt: „Wie ich in Venezuela niedergeschossen wurde, während ich versuchte, Borussia Dortmund zu retten“.

Einen wahren Interview-Marathon hat Homm, vom Erdboden plötzlich wieder ausgespuckt, in den vergangenen Tagen absolviert, um seine „Lebensbeichte“ abzulegen und sein Buch zu promoten. Stets mussten sich Journalisten verpflichten, weder über sein Aussehen noch über seinen Aufenthaltsort zu berichten. Auch Fotoaufnahmen waren strengstens untersagt.

Amüsant

Was Homm in seinem Buch schreibt, ist durchaus amüsant. Der Wahrheitsgehalt lässt sich jedoch nicht immer zweifelsfrei überprüfen. Vieles bleibt rätselhaft. So wie eigentlich immer, wenn es um das Leben und Wirken des in Oberursel geborenen Börsen-Spekulanten geht, der als „Prototyp einer Heuschrecke“ (Handelsblatt) gilt. Über sein Engagement beim BVB schreibt Homm: „In einer einmaligen Missachtung meiner eigenen Regeln hatten wir nur oberflächlich recherchiert und keine Ahnung, auf welches Chaos wir uns eingelassen hatten.“

Er habe sich damals dazu entschlossen, den Verein zu retten, obwohl „nur ein ausgemachter Irrer einen derart hoffnungslosen Turnaround“ versuchen würde. „Die Forderungen, die wir im Gegenzug für unser Geld stellten, waren brutal und diabolisch.“ Im Rückblick sagt Homm über sein Engagement beim BVB, er habe nie „einen anspruchsvolleren, unterhaltsameren und befriedigenderen Turnaround“ erlebt. „Der Fußballgott ist mit Borussia sehr gnädig umgegangen.“

Keine Antwort

Den Aufschwung des Klubs habe er als „echter BVB-Fan“ erlebt, zu dem ihn das „herzzerreißende Auf und Ab“ der Borussia gemacht habe. Selbst im Signal Iduna Park will Homm 2011 gewesen sein: „Ich war im Stadion und habe mir, getarnt mit einem falschen Bart und einer BVB-Kappe, ein Spiel angesehen – natürlich auf der Südtribüne bei den besten Fans, dem ‚Herz des BVB‘.“

Eine Antwort bleibt Homm auf den 368 Seiten des Buches schuldig: Was der Überfall 2006 in Caracas, bei dem er laut eigener Aussage seine Milz und einen Teil der Lunge verlor, mit der BVB-Rettung zutun gehabt haben soll – außer, dass sich „Kopf Geld Jagd“ mit diesem Untertitel vermutlich leichter verkaufen lässt …

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