Frust bei BVB-Anhängern sitzt tief

Dortmunder Fans gehen auf Distanz zur Mannschaft

DORTMUND - Wie tief Frust, Enttäuschung und auch Wut bei den Fans von Borussia Dortmund nach dieser Achterbahn-Saison und vor allem dem Derby-Desaster sitzen, demonstrieren die schwarzgelben Anhänger vor und nach dem Spiel gegen Bayer Leverkusen. Die Botschaft kam an.

Die Plakate hatten es in sich: "Den Stellenwert des Derbys nicht verstanden - Versager" stand auf einem Banner vor der Westtribüne, vor der Südtribüne wurde der Ton noch unversöhnlicher: "Kein Wille, keine Leidenschaft, kein Mut, keine Mannschaft - niemand verkörpert Borussia Dortmund so wenig wie ihr."

Klar dokumentierte Missstimmung

Selten gab es von den leidenschaftlichen und leidensfähigen BVB-Fans dermaßen klar dokumentierte Missstimmung. Sie vermissten die wesentlichen Charaktereigenschaften dessen, was in ihren Augen elementar für Borussia Dortmund steht.

Auf die Plakate angesprochen, meinte Trainer Peter Stöger launig: "Auch ich erkenne manchmal ein paar Sachen." Das sei nichts, was irgendwen erfreue. Für die dann folgende und in allen Kernbereichen überzeugende Vorstellung habe diese Aktion der Fans aber keinen Einfluss gehabt, sagte der BVB-Coach. "Ich würde nicht sagen, dass es uns zu diesem Spiel getrieben hat. Sondern die Woche, in der wir das Derby aufgearbeitet haben."

Situation nach wie vor gefährlich

Gerade für die jungen Spieler sei das nicht leicht zu verarbeiten gewesen, sagte Kapitän Marco Reus. Dann habe es die Mannschaft hervorragend verstanden, mit einer guten Leistung auf das Derby-Desaster zu reagieren. Auf dem ersten Erfolg dürfe man sich aber nicht ausruhen, die Situation in der Bundesliga sei "nach wie vor gefährlich". Trotz fünf Punkten Vorsprung auf einen Platz, der nicht in die Champions League führt.

Auch Manuel Akanji, erst seit Januar im Klub, hatte die auf Konfrontation ausgerichtete Stimmung gespürt. Von einer Wiedergutmachung wollte er nicht sprechen. "Die Fans waren richtig verärgert. Wir haben eine super Reaktion gezeigt, aber ein Spiel reicht nicht. Wir müssen das bis zum Saisonende so durchziehen, dann wird es hoffentlich wieder gut."

Nachhaltigen Schaden hinterlassen

Als "wieder gut" kann man das Verhältnis zwischen Team und Tribüne auch nach dem 4:0 gegen Bayer Leverkusen nicht bezeichnen. Zwar gelang es der Mannschaft, das Publikum bei dem tollen Auftritt mitzunehmen. Doch die Verabschiedung vor der "Süd" fiel unterkühlt aus. Die mitunter verstörenden Spiele in dieser Saison haben nachhaltigen Schaden hinterlassen.

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