Gastvortrag bei der IHK

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: Nach Spielen habe ich Ganzkörpermuskelkater

Hans-Joachim Watzke lächelte, zog das Jackett aus und legte los. Der BVB-Boss sprach am Donnerstag als Gast der Industrie- und Handelskammer - und unterstrich seine Entertainerqualitäten.

Watzke sprach unter anderem über ...

... den Beginn seiner Amtszeit beim BVB: "Ich habe 2005 nicht geahnt, dass ich diesen Job für 14 Jahre übernehmen würde. Es war eher die Frage, ob ich das für vier Wochen oder vier Monate machen würde. Ich habe gedacht: Wir schauen mal, was noch zu retten ist, habe aber selbst nicht mehr richtig daran geglaubt. Die Zahlen waren einfach zu erdrückend. Wir haben damals 75 Millionen Euro Umsatz gemacht, hatten 122 Millionen Euro Schulden, unser Stadion war verkauft und wir haben 17 Millionen Euro Stadionmiete gezahlt - und dann ist es halt eng. Wir sind dem Tod von der Schippe gesprungen. Und ich dachte damals eigentlich: In vier Wochen bin ich wieder im Sauerland."

... den Job beim BVB: "Es ist mein Traumberuf. Diesen Job würde ich gegen keinen anderen Job der Welt eintauschen. Mir könnte auch jemand einen DAX-Konzern anbieten, ich werde nie wieder etwas anderes machen. Der BVB ist mein Verein - und ich kann mir nichts anderes vorstellen, das mir so viel Spaß machen könnte."

... Rudi Assauer: "Mit Rudi habe ich mich wunderbar gestritten. Oft sogar. Aber wir haben uns auch immer wunderbar wieder versöhnt. Rudi war ein Typ - und einer, bei dem ich gedacht habe: So möchte ich auch ein bisschen sein. Vielleicht auch mal verbal über das Ziel hinausschießen, aber sich auch immer wieder einfangen lassen. Zum Fußball gehört, dass man auch mal Tacheles reden muss. Wer nicht bereit ist, Emotionen zuzulassen und sie vielleicht auch mal überschießen zu lassen, der wird bei den Leuten nicht als glaubwürdig wahrgenommen. Deswegen an dieser Stelle eine große Hommage an Rudi Assauer."

... die Bedeutung des BVB für die Stadt Dortmund: "Der BVB ist ohne Wenn und Aber der größte Imageträger der Stadt Dortmund. Dafür braucht sich die Stadt auch nicht zu schämen. Wir sind das auch sehr gerne und bekennen uns klar zu Dortmund."

... BVB-Spieler, die nicht in Dortmund und Umgebung wohnen möchten: "Bei unseren Nachbarn aus Gelsenkirchen ist ja ab und zu mal der Satz gefallen, dass man nach Düsseldorf fahren müsse, um mal einen Schalke-Spieler im echten Leben zu treffen. Das gibt es bei uns nicht. Jeder Spieler, der bei uns einen Vertrag unterschreibt, weiß, dass er in Dortmund wohnen und leben muss. Da geht es auch um Emotionalität. Die Menschen hier bringen uns sehr viel Empathie entgegen - und dem wollen und müssen wir auch Respekt zollen. Der Spieler, der nicht in Dortmund oder nächster Umgebung leben will, der kann auch kein Spieler vom BVB werden."

... über Ablösesummen und Gehälter im Profifußball: "Objektiv betrachtet, verdienen wir im Fußball zu viel. Da schließe ich mich selbst mit ein. Fakt ist, dass dem Wahnsinn keine Grenzen gesetzt sind. Deswegen wage ich die Prognose, dass auch mit den Ablösesummen noch nicht aller Tage Abend ist. Das liegt aber nicht an Borussia Dortmund. Wenn wir gegen Manchester City spielen, spielen wir eigentlich nicht mehr gegen einen anderen Verein oder ein anderes Unternehmen, wir spielen gegen einen Staat. Gegen Paris ist es dasselbe. Dann spielen wir gegen Katar. Und das führt dann beispielsweise dazu, dass der Personaletat von Manchester City viermal so hoch ist wie der von Borussia Dortmund. Für uns muss entscheidend sein, dass wir sportich stark, aber eben auch wirtschaftlich gesund sind."

... streikende Profis: "Wir haben eine klare Ansage gemacht. Der nächste Spieler, der Zicken macht oder streiken will, den lassen wir schmoren. Das ist zwar populistisch, weil wir natürlich auch eine wirtschaftliche Verantwortung haben. Wir konnten Dembele nicht halten und auf über 140 Millionen Euro verzichten. Und bei Aubameyang war es auch nicht möglich. Aber durch diese Fälle ist eine Situation entstanden, die Ordnungspolitik verlangt. Und deswegen sage ich: Der nächste, der es versucht, ist dran. Und das wissen die Spieler auch. Wir werden dann ein Zeichen setzen."

... das englische Modell des Profifußballs: "Es ist zynisch - und ich möchte es in Deutschland nicht haben. Die Eintrittskarten werden verteuert, man treibt die Normalverdiener aus dem Stadion, die sich den Fußball dann nur noch im Fernsehen angucken können und sich ein Pay-TV-Abo kaufen müssen. Das führt dann dazu, dass in England fast 15 Millionen Menschen Bezahlfernsehen haben - und die Klubs höhere TV-Einnahmen. Dieses Modell ist zynisch - und schafft die Gesellschaft aus dem Stadion. Aber es funktioniert natürlich, wenn man es rein ökonomisch betrachtet.

... Fußballkrimis auf der Tribüne: "Ich brauche meine Zeit, um nach einem Spiel wieder normal zu werden. Nach dem Bremen-Spiel am Dienstagabend habe ich bis halb sechs morgens wach gelegen. Ich erlebe solche Spiele so intensiv, dass ich am nächsten Tag Ganzkörpermuskelkater habe, weil ich komplett verkrampfe. Ich nehme auch pro Spiel ungefähr 1,5 Kilogramm ab, obwohl ich keinen Meter renne. Das gehört auch zum Geschäft - und diese Anspannung muss einfach da sein."

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