Ein Duell mit entscheidendem Charakter: Kann Dortmunds Marcel Schmelzer (r.) heute Bayerns Arjen Robben stoppen?
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Ein Duell mit entscheidendem Charakter: Kann Dortmunds Marcel Schmelzer (r.) heute Bayerns Arjen Robben stoppen?

BVB gegen Bayern

Experten-Forum: Einschätzungen zum DFB-Halbfinale

DORTMUND - Mit Spannung wird das heutige DFB-Pokalhalbfinale zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund erwartet. Wie steckt der Rekordpokalsieger die jüngste Sieglos-Serie weg? Wie befreit kann der BVB aufspielen? Wer darf nach Berlin? Wir haben acht Experten um ihre Einschätzung gebeten.

Ein angezählter FCB ist oft am stärksten

Immer wenn die Bayern und der BVB im DFB-Pokal aufeinandertreffen, ist leichter Favorit derjenige, der in der Bundesliga hintendran ist: Dortmund. So auch diesmal. Die Münchner wirken nach dem Champions-League-Aus in Madrid in Selbstmitleid versunken, sie haben – selten für ihre Verhältnisse – leichte Personalprobleme. Die Saison trudelt aus, geredet wird fast nur noch über die Umbrüche ab dem 1. Juli. Dagegen Borussia Dortmund: Die Tage sind wieder heller, seit Klarheit über die Hintergründe des Anschlags besteht. Allerdings: Die Bayern sind immer dann ein Stückchen besser, wenn man meint, sie würden gerade schlechter.

Günter Klein (Chefreporter Sport beim Münchner Merkur)

Fünftes Sieglos-Spiel ist unwahrscheinlich

Die Ausgangslage in München ist eindeutig: Der FC Bayern lebt für diese K.o.-Spiele und ist perfekt darauf eingestellt. Es stimmt, die Bayern haben zuletzt vier Pflichtspiele in Serie nicht gewonnen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein fünftes hinzukommt, ist nicht sonderlich hoch. Der BVB hat beim 1:0-Sieg in der Bundesliga-Hinrunde zwar gezeigt, wie er den FCB mit einer 90-minütigen Top-Defensivleistung packen kann. Ich habe allerdings meine Zweifel, dass dem BVB das in München erneut gelingt. Ein Plus für die Borussen: Sie können mit deutlich weniger Druck aufspielen, denn wenn die Bayern nur die Meisterschaft holen sollten, würde das den eigenen Ansprüchen eigentlich nicht genügen.

Christoph Metzelder (Ex-Profi und Sky-Experte)

Der FCB braucht das Double

Das Aus in der Königsklasse und die Verletzungen einiger Schlüsselspieler haben Spuren beim FC Bayern hinterlassen. Das Selbstverständnis, das die Münchner noch im Bundesliga-Duell ausgestrahlt haben, ist dahin. Dortmunds Chancen auf einen Sieg stehen besser als vor zweieinhalb Wochen, auch wenn der BVB deutlich schwerere Tage hinter sich hat. Der Sieg in Gladbach und die Rückkehr von Marco Reus sind die positiven Schübe, die diese Mannschaft benötigt hat. Der FCB braucht das Double, um die Saison zu „retten“. Allerdings waren die Bayern mit dem Rücken zur Wand schon immer gefährlich. Und das Team will den Granden Lahm und Alonso einen würdigen Abschied bereiten.

Andreas Lehner (Ressortleiter Fußball bei Spox.com)

Robben hat genug Schaden angerichtet

Zumindest ein Stück weit darf man Verständnis dafür äußern, dass der BVB vor zweieinhalb Wochen in München derart unter die Räder kam. Die Bayern spielten „die Sterne vom Himmel“, wie Jürgen Klopp festgestellt hätte, und sie spielten auch so, „als gäbe es kein Morgen mehr“, um eine zweite Anleihe beim Ex-Trainer des BVB zu machen. Doch Hochglanz-Fußball dieser besonders exquisiten Art ist nicht beliebig oft reproduzierbar: Wie man dem Rekordpokalsieger wehtun und sein Spiel sabotieren kann, hat die Borussia oft genug vorexerziert. Nur muss sie kompakter und griffiger verteidigen und ihr Robben-Trauma überwinden. Der Holländer hat in den Duellen mit Dortmund genug Schaden angerichtet.

Thomas Hennecke (Reporter des Kicker)

Die Lage in München ist ernst

Die Lage ist ernst. Das rote Lazarett ist verdient aus der Champions League ausgeschieden, und es haben sich trotz des großen Kampfes erschreckende Probleme gezeigt: Die überalterte Offensive hatte nicht mehr das Tempo für überlaufende Konter, Defensive und Offensive unterstützen einander zu wenig, für die Talente wird es ein verlorenes Jahr, das Vertrauen aller in den Trainer ist nicht gewachsen. Eher im Gegenteil. Die große Frage: Reicht die Leistungsfähigkeit noch für einen halbwegs versöhnlichen Saisonausklang mit Meisterschaft und Pokalfinale nach einem Sieg gegen die defensiv so anfälligen Schwarzgelben? Ich hoffe es. Ansonsten wird es für Ancelotti sehr ungemütlich.

Stefen Niemeyer (FCB-Fan und -Blogger, ueberdielinie.de)

Der BVB benötigt ein Wunder

Philipp Lahm ist ein Meister des Unausgesprochenen. In einer, wie man so liest, amüsanten Presserunde vor dem Halbfinale lobte er das Dortmunder Team und da besonders die Offensive. Der Defensive widmete der scheidende FCB-Kapitän kein Wort. Und natürlich wird es genau darauf hinauslaufen: Kann die Borussia die Bayern so lange wie möglich vom eigenen Tor fernhalten? Kann der immer noch angeschlagen wirkende Robert Lewandowski ausgeschaltet werden? Und kann Arjen Robbens Lauf in die Mitte verteidigt werden? Die Elf von Thomas Tuchel fährt als Außenseiter nach München. Das war bereits 2015 so, und erneut werden sie ein Wunder wie damals benötigen, um ins Finale einzuziehen.

Stephan Uersfeld (Reporter bei ESPN FC)

Mut könnte sich für den BVB lohnen

Duelle zwischen den Bayern und Borussia Dortmund sind etwas monotoner geworden. Carlo Ancelotti ist ein Trainer, der auf taktische Flexibilität keinen Wert legt. Das führt dazu, dass die Münchner immer denselben Matchplan haben, der speziell auf die individuelle Klasse des Kaders ausgelegt ist und auf veränderte Spielsituationen oft keine Antwort hat. Genau da liegen auch die Chancen des BVB. Schaffen sie es, über mannschaftliche Geschlossenheit Thiago und Robert Lewandowski einzuschränken, ist der Rekordmeister schlagbar. Allerdings hat Thomas Tuchel zuletzt oft nicht den notwendigen Mut mitgebracht, um seine Mannschaft offensiver gegen die Bayern einzustellen.

Justin Kraft (FCB-Blogger bei miasanrot.de)

BVB-Chancen stehen 20:80 - das reicht!

Bei jeder Pokalauslosung ist klar: Möglichst nicht zum FC Bayern. Ein Auswärtsspiel dort ist das Unangenehmste, was es nach einem Auswärtsspiel in Dortmund im deutschen Fußball gibt. Doch die Bayern sind nicht so stabil wie in den Vorjahren – und der BVB ist eine Wundertüte voller guter Spieler, die an einem starken Tag die Bayern schlagen kann. Die Erinnerungen an das letzte Halbfinale dort sind gut: Der BVB reiste 2015 als krasser Außenseiter an, spielte teils grauenhaft und gewann im Elfmeterschießen, weil die Bayern ausrutschten. Am Mittwoch soll es regnen oder schneien … Wie die Chancen sind? 20:80. Aber das sollte für einen Sieg reichen.

Patrick Bormann (Redaktionsmitglied beim BVB-Fanzine schwatzgelb.de)

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