2:1 gegen Mainz

BVB wankt nach Zittersieg zurück an die Tabellenspitze

Nach dem 0:5 wollten die Fans eine Reaktion sehen. Doch als gegen Mainz alles nach einer souveränen Geschichte aussieht, entgleitet dem BVB das Spiel - und er wankt über die Ziellinie.

Das 2:1 (2:0) am Samstagabend bugsierte Dortmund zumindest für einen Tag zurück an die ersehnte Tabellenspitze. Neben Doppel-Torschütze Jadon Sancho feiert die Südtribüne Torhüter Roman Bürki, der mit einer unglaublichen Dreifach-Parade in der Schlussphase den Sieg festhält.

Schwerer Rucksack

Es dauerte zehn Minuten, bis Mut und Selbstvertrauen in die Borussen-Profis zurückkehrten. Doch dann warfen die Schwarzgelben den schweren Rucksack ab, den sie seit dem desaströsen 0:5 von München mit sich herumgeschleppt hatten. Ab sofort war im Signal Iduna Park zu spüren, dass Dortmund den Stachel der Demütigung beherzt herausziehen würde. Zunächst rettete Mainz-Keeper Florian Müller noch in höchster Not gegen Jacob Bruun Larsen (14.), der clever von Jadon Sancho bedient worden war. Doch dann ging es erneut zu schnell für die Fünfer-Abwehrkette der Gäste - und das Stadion bebte erstmals an diesem kühlen Frühlingsabend: Mario Götze schnappte sich den Ball nach einem langen Zuspiel von Marius Wolf, sprintete ein paar Meter und legte die Kugel dann messerscharf quer. Jadon Sancho vollendete den Vollgas-Angriff zum 1:0 (17.).

Plötzlich war sie wieder da, die Leichtigkeit, die Dominanz, mit der die Borussia gerade in der Hinrunde so viele Spiele erfolgreich bestritten hatte. Der BVB zeigte sich aggressiv, lauffreudig, er kontrollierte die Partie völlig. Dortmund attackierte zudem die Mainzer extrem früh, so dass die Gäste quasi zu keinem geordneten Spielaufbau kamen. Ruck Zuck hatte der BVB die Bälle zurückerobert - und fuhr Angriff um Angriff Richtung Mainzer Tor. Die Belohnung für diesen engagierten Auftritt folgte prompt: Feiner Angriff über die linke Seite, Thomas Delaney brachte den Ball nach innen und wieder stand da Jadon Sancho. Der junge Engländer schob eiskalt ein - 2:0 (24.), der Dortmunder Anhang feierte das zehnte Saisontor des 19-Jährigen.

Per Hacke an den Außenpfosten

Auch nach dem 2:0 ging es weiter nur in eine Richtung: Bruun Larsen verzog aus aussichtsreicher Position (31.). Die Bilanz von 7:1-Torschüssen nach 35 Minuten unterstrich die Überlegenheit des Gastgebers. Wären die Schwarzgelben nicht so fahrlässig mit ihren Kontermöglichkeiten umgegangen, das Duell wäre wohl schon zur Pause komplett entschieden gewesen. So aber gehörte Mainz der letzte Aufreger in der ersten Halbzeit. Karim Onisiwo lenkte den Ball per Hacke an den Außenpfosten (43.).

Dortmund durfte aber mit dem Gefühl in die Kabine gehen, vieles richtig gemacht zu haben. Auch Lucien Favre. Der Trainer hatte auf das 0:5 von München personell reagiert und Mario Götze zurück in die Sturmspitze beordert. Zudem ersetzte Julian Weigl den in München enttäuschenden Dan-Axel Zagadou in der Innenverteidigung. Gerade Götze war einer der Aktivposten, und die Dortmunder Verteidigung ließ ganz anders als noch vor einer Woche nicht viel anbrennen. Zugegeben: Gegen Mainzer, die arg limitiert auftraten.

Dortmund lockert die Zügel

Nach dem Wechsel offenbarte sich aber ein anderes Bild: Die Gäste suchten nun häufiger ihr Heil in der Offensive, zogen sich nicht mehr soweit zurück wie im ersten Durchgang. Der BVB lockerte die Zügel, gab die totale Kontrolle, den Druck nun unerklärlicherweise aus der Hand. Und wäre dafür beinahe bestraft worden. 81.365 Zuschauer sahen einen Pfostentreffer von Karim Onisiwo (63.) - die Borussen-Fans atmeten tief durch. Plötzlich dominierte Mainz, drängte den BVB nach hinten.

Zwei, drei Mal verfehlte die Kugel das Dortmunder Tor nur knapp. Lucien Favre reagierte auf die Drangphase der Gäste und den Durchhänger seiner nun nur noch wenig bissigen, aber dafür sehr fehlerhaften Elf: Er nahm den unglücklich agierenden Bruun Larsen vom Feld und schickte Maximilian Philip auf den Rasen (72.). Der FSV aber witterte seine Chance, spielte weiter nach vorn. Dortmund schwächelte, kam nicht mehr in die Zweikämpfe und wusste seine Offensivpower nicht mehr abzurufen. Und wenn sich dann eine Möglichkeit ergab, spielte der BVB sie unsauber zuende: Marco Reus schoss freistehend am Tor vorbei (82.).

Vogelwilder Schlussakt

Der Schlussakt wurde dann vogelwild. Borussias Abwehr schwamm, wirkte jetzt saft- und kraftlos. Mainz kam vor allem über Dortmunds linke Abwehrseite, auf der Abdou Diallo nun riesige Probleme hatte immer wieder gefährlich nach vorn. Und dann war der Anschlusstreffer da: Quaison drückte das Leder über die Linie - 2:1 (84.). Dann rettete Roman Bürki (86.) überragend, der BVB wankte, Bürki schimpfte mit seinen Vorderleuten. Die Borussen-Fans zitterten, pfiffen. Lucien Favre brachte in Ömer Toprak einen weiteren Verteidiger, er wollte irgendwie diesen knappen Sieg über die Zeit mauern. Um 20.23 Uhr kam er, der erlösende Pfiff: Schluss. Heimsieg. Drei Punkte. Tabellenführer. Jetzt stehen die Bayern unter Druck.

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