A grandios Abschied

BVB-Legende Weidenfeller verlässt große Fußballbühne

Dortmund - 551 Pflichtspiele als Profi hat er bestritten. Das heute Abend soll vor allem Spaß bereiten, ist ihm aber ebenso wichtig. Roman Weidenfeller verabschiedet sich von der großen Fußballbühne.

Er wird aufgeregt sein wie vor seinem ersten Mal. Noch einmal in dieses Stadion einlaufen (19 Uhr, Signal Iduna Park), noch einmal "Can?t stop" von den Red Hot Chili Peppers, die Musik, die ihn beim Aufwärmen begleitete. Noch einmal die Gelbe Wand. "Die Vorfreude ist riesengroß", sagt Weidenfeller, der 16 Jahre lang das Tor bei Borussia Dortmund hütete.

"Ich habe immer auf mich geachtet"

Unzählige Telefonate hat er geführt in den vergangenen Monaten, viele Zusagen hat er erhalten. Michael Ballack kommt, Per Mertesacker, Tim Wiese, Ebi Smolarek und aus Japan sogar Lukas Podolski. Natürlich auch viele Spieler aus den erfolgreichen BVB-Jahren. Neven Subotic kommt aus Frankreich eingeflogen, Marcio Amoroso, Dede, Ewerthon und Evanilson aus Brasilien. Wegbegleiter auf einem fast 20 Jahre langen Weg, der in Kaiserslautern begann, wo Roman Weidenfeller von Gerry Ehrmann ausgebildet wurde.

Noch bevor seine Karriere richtig Fahrt aufnahm, war sie eigentlich schon vorbei. Mit 17 verletzte er sich, "da gaben mir die Ärzte kaum noch eine Chance auf eine Profikarriere." Er fand einen Orthopäden, der ihm helfen konnte, und damals wuchs auch wohl schon die Erkenntnis, dass man als Profisportler seinem Körper eine besondere Pflege zukommen lassen muss. "Ich habe immer auf mich geachtet", sagt Weidenfeller. Ansonsten hätte er kaum so lange zwischen den Pfosten stehen können.

Viele schillernde Momente

Weidenfellers Karriere hatte viele schillernde Momente. Die Meisterschaft 2011, das Double ein Jahr später mit dem 5:2 im Pokalfinale gegen die Bayern, das Weidenfeller weitgehend im Krankenhaus erlebte, ehe er rechtzeitig zur Siegerehrung zurück im Olympiastadion war. Er zählt auch das Champions-League-Finale 2013 hinzu, "auch wenn der Ausgang nicht gut für uns war, ist es doch ein Moment, den ich nie vergessen werde." Spät fand Weidenfeller auch Beachtung im Deutschen Fußball-Bund, er hielt 2014 den goldenen WM-Pokal in seinen Händen, und auch wenn er in Brasilien keine Minute spielte, ist er für diese Erinnerungen besonders dankbar.

Kein Wunder, dass daher der Name Joachim Löw fällt, wenn Weidenfeller über die Trainer spricht, die ihn besonders geprägt haben. Natürlich zählt auch Jürgen Klopp dazu. "Er hat uns als Mannschaft immer wieder zu Höchstleistungen getrieben!" Geprägt haben ihn aber auch die weniger schönen Zeiten. Die Finanzkrise 2005, aber auch sportliche Nackenschläge wie das Europa-League-Aus in Liverpool. Auch diese Erlebnisse haben dafür gesorgt, dass aus dem einstigen Heißsporn Weidenfeller ein ruhiger, in sich ruhender Mensch geworden ist.

Stadion und Atmosphäre fehlen

Als Markenbotschafter bleibt Roman Weidenfeller dem BVB verbunden, die ersten Wochen und Monate abseits des Profigeschäfts hat er genossen. "Auch wenn ich viel zu tun habe, kann ich mir meinen Alltag jetzt doch weitgehend selbst einteilen. Ich genieße die Zeit, morgens mit meinem Sohn zu spielen, ihn zum Kindergarten zu bringen." Natürlich aber fehlen ihm "das Stadion, die Atmosphäre."

Heute kann er dies alles noch einmal genießen. Danach, davon kann man ausgehen, wird kräftig gefeiert mit den ehemaligen Kollegen. Und dann ist der Torhüter Roman Weidenfeller endgültig Geschichte.

Das sagen ehemalige Weggefährten:

Sebastian Kehl: "Wir haben gemeinsam viel erlebt beim BVB, Höhen und Tiefen. Wir sind gemeinsam auch durch die schwierige Zeit gegangen und haben eine hohe Wertschätzung füreinander. Wir konnten uns auch ehrlich die Meinung sagen, haben dabei aber immer den Erfolg vor Augen gehabt. Ich kann sagen, dass uns über die ganzen Jahre eine stabile Freundschaft begleitet hat, daher ist es mir auch ein Bedürfnis, Roman bei seinem Abschied auf dem Platz zur Seite zu stehen."

Josef Schneck: "Roman kam 2002 zu Borussia Dortmund. Er war damals 21, ein Heißsporn aus der Gerry-Ehrmann-Schule beim 1. FC Kaiserslautern. Er kam bei uns an mit der Einstellung: Was kostet die Welt! Vom ersten Tag an hat er uns klar gemacht, dass er den Anspruch hatte, die neue Nummer 1 zu werden, ganz egal, wer da bislang zwischen den Pfosten stand. Und das war ja immerhin Jens Lehmann. In seiner erfrischenden Art hat Roman gleich den einen oder anderen Spruch rausgehauen, und ich hatte mit ihm die eine oder andere Diskussion, was er vielleicht lieber nicht öffentlich sagen sollte. Wir haben uns dann mit einigen wichtigen Journalisten zusammengesetzt. Die haben schnell begriffen, dass Roman wirklich ein guter Typ ist (lacht)."

Mats Hummels: "Hey Roman, selbst wenn wir mal nicht einer Meinung waren , wir uns immer wieder zusammengerauft und großartige Zeiten zusammen erlebt. Ich wünsche dir ein mehr als verdientes und sehr emotionales Abschiedsspiel, wäre gerne deiner Einladung gefolgt, um mit dir diese Ehre zu feiern. Du bist das, was man im Positiven einen "Typ" nennt!"

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Sprengstoffexplosion in der Dattelner Innenstadt: Polizei fahndet mit mehreren Fotos nach zwei Männern
Sprengstoffexplosion in der Dattelner Innenstadt: Polizei fahndet mit mehreren Fotos nach zwei Männern
Dorthin zieht die „Alte Schmiede“ in Marl
Dorthin zieht die „Alte Schmiede“ in Marl
Leiche trieb im Kanal in Waltrop - Gericht hat letztes Urteil gefällt
Leiche trieb im Kanal in Waltrop - Gericht hat letztes Urteil gefällt
Polizei fasst mutmaßlichen Sexualstraftäter - er kommt aus dem Kreis Recklinghausen
Polizei fasst mutmaßlichen Sexualstraftäter - er kommt aus dem Kreis Recklinghausen
Gefährlich: Geruch in einer Pizzeria in Herten hat nichts mit dem Essen zu tun 
Gefährlich: Geruch in einer Pizzeria in Herten hat nichts mit dem Essen zu tun 

Kommentare