Kämpferische Top-Leistung

BVB meistert schwere Prüfung und kontert FCB-Angriff

Borussia Dortmund meistert die Auswärtsprüfung in Leipzig mit einer kämpferischen Top-Leistung und etwas Glück. Der Herbstmeister steckt auch den Ausfall von Marco Reus weg. Die Analyse.

Mit dem Tor des Tages durch Axel Witsel (19.) konterte der BVB auch den beeindruckenden Sieg von Verfolger Bayern München und setzte ein erstes Ausrufezeichen. Die Dortmunder Notelf biss sich mit viel Herzblut in dieses wichtige Spiel.

Alle Planungen sind Makulatur

24 Stunden vor dem Rückrundenstart waren alle Planungen von Lucien Favre für die Partie in Leipzig Makulatur. Im letzten Training vor dem Abflug nach Leipzig knickte Marco Reus um, und es war schnell klar, dass der Kapitän nicht würde spielen können. Favre musste auf einer Schlüsselposition taktisch umplanen, nachdem er schon in der Abwehr massiv zum Umbau gezwungen war.

Schon im Trainingslager in Marbella, das traf sich in diesem Moment ganz gut, war Reus ja weitgehend außer Gefecht gesetzt durch einen Magen-Darm-Virus, der ihn fast eine Woche lang ans Bett fesselte. Den Reus-Ersatz mimte Maximilian Philipp, und es war nur logisch, dass der gebürtige Berliner dann auch auf der Zehn starten durfte - sein erster Einsatz von Beginn an seit dem 6. Oktober.

Götze und Philipp haben schweren Stand

Philipp hatte einen schweren Stand, so viel ließ sich schon zur Pause feststellen. An Leipzigs aggressiv vorrückende Innenverteidiger-Duo Ibrahima Konate und Dayot Upamecano prallte aber nicht nur Philipp ein ums andere Mal ab. Auch Mario Götze, der erwartungsgemäß an Stelle von Paco Alcacer in der Anfangsformation stand, tat sich gegen die robusten Abwehrhünen schwer.

Dass Dortmund in Reus ein wichtiges Puzzlestück fehlte in diesem gleich so wichtigen Auftaktmatch, mochte niemand bestreiten. "Marco war ein spielbestimmender Faktor in der Hinrunde", erklärte vor dem Anpfiff Sportdirektor Michael Zorc, "es ist natürlich nicht optimal." Nach fünf Anfangsminuten, in denen Leipzig durch eine Ecke und zwei Fouls von Lukasz Piszczek enormen Druck auf die umformierte Dortmunder Abwehr machte, befreite sich der Herbstmeister spielerisch und oft auch sehenswert.

Witsel ist der Ruhepol

Axel Witsel war im zentralen defensiven Mittelfeld der Ruhepol, offensiv war vor allem Raphael Guerreiro auffällig, dessen Standards eine echte Waffe darstellten. Nicht zufällig verlängerte Piszczek eine Ecke des Portugiesen in den Fuß von Witsel, der mit einem trockenen Vollspannstoß unter die Latte traf und Leipzigs Peter Gulasci keine Chance ließ (19.).

Das Tor war die Belohnung für einen engagierten Auftritt der Schwarzgelben, die es schafften, die Gastgeber weit von der eigenen Viererkette zu halten - Dortmunds Aushilfs-Innenverteidiger Julian Weigl glich seine etwas schlechtere Zweikampfbilanz gegenüber Abdou Diallo (46:56 Prozent) durch starke 97 Prozent angekommener Pässe aus. Das Duo, so noch nie zuvor gemeinsam auf dem Feld, biss sich in diese Partie.

Diallo köpft knapp neben das Tor

Leipzig tat sich lange Zeit schwer, die Dortmunder Kombinationssicherheit erschwerte den Gastgebern das frühe Pressing. Erst mit einem Schuss von Konrad Laimer meldete sich RB zurück, Witsel setzte einen wichtigen Block (33.). Mit einem starken Freistoß von Guerreiro erspielte sich der BVB eine zweite gute Chance, Diallo setzte den Kopfball knapp neben das Tor (40.).

Entlastung für die eigene Defensive blieb auch nach der Pause ein wichtiges Thema. RB kam mit viel Dampf aus den Kabinen, als sich Guerreiro vom vorrückenden Konate düpieren ließ, rettete Roman Bürki gegen den aus spitzem Winkel schießenden Sabitzer (47.). Leipzig riskierte sofort mehr, für Dortmund ergaben sich Konterchancen. Die Fußspitze von Gulacsi verhinderte nach Phillips Solo mit Torschuss das 0:2 aus Sicht der Leipziger (53.).

Kaum noch Entlastung

Insgesamt aber wurde die Entlastung weniger, Leipzigs Druck wuchs. Als Bürki mit Ball am Fuß nach Rückpass von Weigl ausrutschte, verpassten Timo Werner und Yussuf Poulsen die Chance zum Ausgleich (62.). Die Riesenchance von Sabitzer nach Pass von Werner machte Bürki dann spektakulär zunichte (74.). Der BVB bekam Probleme, weil er kaum noch für Entlastung sorgen konnte. Favre wechselte, brachte Christian Pulisic für Guerreiro, wohl, weil er sich vom Amerikaner mehr defensive Mitarbeit erwartete. Paco Alcacer kam für Philipp, die BVB-Fans skandierten: "Jetzt geht?s looos!"

Doch es spielte nur noch Leipzig. Dortmunds Defensive musste Schwerstarbeit verrichten, die Kräfte schwanden zusehens. Alcacer scheiterte nach Pass von Hakimi noch an der Unterkante der Latte (90.). Der eingewechselte Matheus Cunha traf per Kopf nur das Außennetz (90.+3), da hieß es tief durchatmen. Doch es reichte. Und auch mit einer Formation, die so vielleicht nie wieder auf dem Feld stehen wird.

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