Kampfstarker Aufsteiger

Nürnbergs Kapitän Hanno Behrens spricht über das Spiel beim BVB, Fan-Proteste und Euphorie

Als Außenseiter tritt Aufsteiger 1. FC Nürnberg heute Abend beim BVB an. Jürgen Koers spricht mit FCN-Kapitän Hanno Behrens (27) über Kribbeln, Fan-Proteste und Euphorie.

Sie lesen gerade Frank Schätzings Roman "Die Tyrannei des Schmetterlings". Wie gefällt es Ihnen?

Das Buch ist interessant und spannend. Es ist nicht leicht zu lesen, aber bisher gefällt es mir. Es geht um künstliche Intelligenz. Ich bin noch mittendrin - also bitte nichts verraten!

Einverstanden! Dafür müssen Sie verraten, wie es sich anfühlt, in der Bundesliga angekommen zu sein.

Vor dem ersten Spiel in Berlin war die Aufregung wirklich groß. Man spürte das Kribbeln, weil ein Traum in Erfüllung ging. Das ging uns fast allen so. Aber wenn das Spiel angepfiffen wird, ist die Bundesliga auch nicht viel anders als die zweite Liga. Wir spielen Fußball.

Was ist anders?

Das Niveau. Das Tempo ist einen Tick höher, die Mannschaften sind technisch und taktisch noch besser. Fehler werden härter bestraft. Und es ist schwieriger, Tore zu schießen. Außerdem sind natürlich die Stadien und die Klubs größer.

Um die Stimmung wird es heute anfangs nicht gut bestellt sein. Die Ultras wollen in den ersten 20 Minuten schweigen, unter anderem aus Protest gegen den Verlust von Traditionen. Können Sie das nachvollziehen?

Ja, zum Teil schon. Wenn man drei verschiedene Sender abonnieren muss, um die Spiele zu sehen, ist der Aufwand sehr groß. Da kann ich, wie bei einigen anderen Punkten, die Sorgen der Fans schon verstehen.

Beim "Club" aus Nürnberg wird das "Traditionsverein" immer gleich mitgedacht. Was macht den Verein aus?

Er hat eine riesige Strahlkraft in der Region. Überall in der Stadt sieht man die Fahnen. Natürlich kommt damit auch Verantwortung auf, weil die Zuschauer sehr erfolgreiche Zeiten erlebt haben und sich danach zurücksehnen. Deswegen ist der Druck bei Traditionsvereinen immer etwas größer.

Sie haben gesagt, die Unerfahrenheit Ihrer Mannschaft könne auch zu einem Trumpf werden. Wie genau?

Vielen Spielern fehlt Erfahrung, klar. Aber dadurch ist es für keinen von uns Alltag, in der Bundesliga zu spielen. Da geht man mit der Euphorie leichter an seine Grenze und darüber hinaus.

Laufen Sie in Dortmund auch mit Euphorie ins Stadion, oder eher mit Ehrfurcht?

Das wird sich zeigen (lacht). Wir kommen mit Selbstvertrauen und Euphorie, wissen aber auch, dass wir klarer Außenseiter sind. Wir werden nicht in Ehrfurcht erzittern und wollen punkten.

Wer 14 Tore in Liga zwei schießt, bekommt sicher Angebote aus der Bundesliga.

Vielleicht gab es Interesse, aber ich habe immer klar gemacht, dass ich hier meine Zukunft sehe. Wir sind aufgestiegen, ich bin der Kapitän - da musste ich mir keine Gedanken machen.

Ist ein Spiel in Dortmund auch eine Belohnung, ein besonderer Höhepunkt?

Ja, das kann man so sagen. Gerade unter Flutlicht. Das ist ein Highlight für viele von uns. Ein ausverkauftes Stadion mit 80.000 Zuschauern, da fiebert man mehr auf das Spiel hin als anderswo. Aber wir kommen nicht zum Staunen.

Hatten Sie auf der Anreise das Buch in der Hand?

Im Flugzeug finde ich es nicht so angenehm zu lesen. Aber im Hotel kommt das Buch wieder aus der Tasche.

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