Als Motivator gefordert

Mahlzeit! Peter Stögers heikle Mission beim BVB

DORTMUND - Peter Stöger ist zurück in der Bundesliga. Nur sieben Tage nach seiner Entlassung beim 1. FC Köln präsentiert der BVB den Österreicher als Nachfolger des glücklosen Peter Bosz. Stögers zuletzt erfolglose Arbeit kann die Dortmunder Bosse nicht schrecken.

Für das Abendessen mit Mutter Erika blieb gerade einmal eine halbe Stunde Zeit. Dabei war Peter Stöger doch nur deswegen am Samstag von Köln nach Wien gereist. Doch dann klingelte Hans-Joachim Watzke an Stögers Telefon durch. Borussia Dortmunds Geschäftsführer setzte einen Notruf ab. Und Stöger zögerte nicht.

Beispiellose Negativserie

Punkt 12.03 Uhr am Sonntagmittag: Stöger, 51, betritt den Pressekonferenz-Raum im Signal Iduna Park. Flankiert von Watzke und Sportdirektor Michael Zorc. Es ist die große Überraschung am Tag nach einem sportlichen Offenbarungseid der Borussia beim 1:2 gegen Werder Bremen. Der BVB legt das Traineramt in die Hände des Österreichers, der just sieben Tage zuvor beim 1.FC Köln entlassen worden war. Nach einer beispiellosen Negativserie von nur drei Punkten aus 14 Bundesliga-Spielen.

Bevor er am Sonntag früh morgens von Wien aus wieder in den Fußball-Westen zurückkehrte, hatte Stöger sich noch ein Video seines neuen Klubs angeschaut. Es wurde eine kurze Nacht, und was er beim Dortmunder 1:2 gegen Werder Bremen gesehen hatte, dürfte bei Stöger kaum für süße Träume gesorgt haben.

"Sehr emotional"

Nach diesem Tag, der morgens mit einem Feuer-Fehlalarm im BVB-Teamhotel begann und in einem vorläufigen Tiefpunkt der sportlichen Talfahrt der vergangenen Wochen gipfelte, war klar, dass Trainer Peter Bosz keine Zukunft mehr haben würde in Dortmund. Nicht einmal ein halbes Jahr hat er durchgehalten beim BVB, über seine Beurlaubung wurde der Niederländer noch am Samstagabend informiert.

"Sehr emotional" sei das gewesen, meinte Watzke, dem man anssah, dass auch seine Nacht relativ durchwacht gewesen war. "Peter Bosz hat das gleichzeitig sehr stilvoll aufgenommen, er hat sich bedankt für das Vertrauen."

BVB hält sich alle Optionen offen

Man halte, bekräftigte Watzke, Bosz weiter "für einen sehr guten Trainer." Auch Sportdirektor Michael Zorc berichtete von einem sehr aufwühlenden Gespräch. "Die Entscheidung war unumgänglich, uns ist die Wende nicht gelungen. Aber wir haben eng und intensiv zusammengearbeitet. Die Trennung ist mir auch persönlich schwer gefallen."

Viel Zeit für Sentimentalitäten blieb nicht. Am Telefon einigten sich Watzke und der neue Trainer über die Zusammenarbeit. Sie ist nur bis zum 30. Juni 2018 befristet, was dem BVB alle Optionen für eine Neuausrichtung im kommenden Sommer lässt. Für ihn, meinte Stöger, sei die Laufzeit nicht entscheidend. "Ich brauche keinen Rentenvertrag", meinte er, "ich hätte es auch für 14 Tage gemacht. Es ist eine spannende Aufgabe, die sechs Monate dauert. Mehr brauche ich nicht." Stöger bringt seinen Co-Trainer Manfred Schmid mit, neu in den Trainerstab rückt Ex-Profi Jörg Heinrich.

Heikle Mission

Auch mit Stögers Ex-Klub Köln einigen sich die Dortmunder - der Vertrag des Österreichers dort wäre ursprünglich erst zum 31. Dezember aufgelöst worden. Watzke und Zorc informierten anschließend den Mannschaftsrat um Nuri Sahin, Marco Reus, Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek in einem 105-minütigen Gespräch über die Trennung von Bosz und die Nachfolgeregelung.

Stögers heikle Mission begann dann am Nachmittag mit einer ungeplanten Verlegung des Trainings in das Funktionsgebäude. Der heftige Schneefall barg zu großes Verletzungsrisiko, die Rasenheizung kapitulierte vor den Schneemengen.

Viel mehr Probleme vorhanden

Stöger wird in den kommenden zehn Tagen aber ohnehin mehr als Motivator denn als Trainer gefordert sein. "Man darf keine Handschrift erwarten, es geht darum, Empathie in die Gruppe zu bekommen." Stöger solle "die Mannschaft wieder zusammenführen", bekräftigte auch Zorc, diese Aussage ließ tief blicken. Ganz offenkundig gibt es noch viel mehr Probleme in diesem Kader zu lösen als nur fußballerische.

Stöger, der mit einem freundlichen "Mahlzeit" seine Eröffnungsrede begann, bekannte, "sehr überrascht" vom Anruf Watzkes gewesen zu sein. "Ich bin der Trainer, der in dieser Saison nur drei Punkte geholt hat. Wahrscheinlich hat Aki sich daran erinnert, dass die vorherigen Jahre dann doch ganz gut waren."

"Haben mit keinem anderen Trainer gesprochen"

Watzke verwies auf die Entwicklung, die Peter Stöger in Köln in Gang gesetzt hatte. "Er ist mit dem FC aufgestiegen, war dann Zwölfter, Neunter und Fünfter. Das ist eine positive Entwicklung über einen langen Zeitraum." Zorc und er seien sich einig gewesen. "Wir haben mit keinem anderen Trainer gesprochen. Aber wir waren nicht sicher, ob er es macht."

Er komme von einem "richtig, richtig geilen Klub", bekannte der neue Mann auf der BVB-Kommandobrücke. Jetzt freue er sich auf den BVB. Auch in Köln haben sie mit dem Kapitel Stöger noch nicht so richtig abgeschlossen. Auf dem Aufstellungszettel für die Partie gegen Freiburg stand am Sonntag in der Spalte "Trainer": Peter Stöger.

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