0:5 in München

Der BVB erlebt nach peinlicher Nicht-Leistung ein Debakel

Borussia Dortmund wird im Top-Spiel in München vorgeführt und erlebt nach einer peinlichen Nicht-Leistung ein Debakel. Mit dem 0:5 (0:4) ist der BVB noch gut bedient.

Über die Notwendigkeiten in diesem Spiel war sich Lucien Favre im Klaren. "Ein perfektes Spiel" müsse seine Mannschaft machen, wenn sie in der Allianz Arena etwas holen wolle, möglichst wenige Fehler machen, hellwach sein. Und bei den zu erwartenden wenigen eigenen Torchancen bissig und konsequent.

Pure Verzweiflung

Nun, in all diesen Punkten wurde der Schweizer Trainer von seiner Elf schmählich im Stich gelassen. Favre an der Seitenlinie, das war ein Trainer, der pure Verzweiflung ausstrahlte, gefangen wie seine Spieler in einem Netz aus Zaghaftigkeit, fehlender Aggressivität, manchmal auch Angst - und insgesamt einer Körpersprache, die nicht dazu geeignet war, diesen Bayern auch nur annähernd Paroli zu bieten.

Als Dortmund am gleichen Spieltag der Vorsaison in München mit 0:6 unterging und zur Pause mit 0:5 hinten lag, war der krasse Leistungsunterschied zwischen beiden Teams auch nicht größer als an diesem Samstagabend. Die Vorfreude einer ganzen Republik und der knapp 10.000 schwarzgelben Fans war riesig, sie wurde jäh zerstört durch einen denkwürdigen Auftritt der schwarzgelben Elf, der eines Tabellenführers nicht würdig war.

Hoffnungslos überfordert

Der BVB war hoffnungslos überfordert, leistete viel zu wenig Gegenwehr und ließ die Bayern ihr Spiel spielen. So einfach hatten es dem Rekordmeister etliche Gegner hier nicht gemacht. Aber Borussia Dortmund fand überhaupt keine Mittel gegen die Angriffswucht, unterband das Kombinationsspiel der Gastgeber nicht - und leistete sich zudem haarsträubende Fehler.

Schon in den ersten fünf Minuten waren die Bayern dicht am 1:0, Mats Hummels setzte einen Kopfball am langen Eck vorbei, die Zuordnung bei der Ecke von Thiago sollte in etlichen weiteren Szenen ähnlicher Güte auch später nicht immer passen.

Dahoud vergibt die große Chance

Es war skurril, dass der BVB dennoch hätte führen müssen, als Jacob Bruun Larsen Marco Reus schickte und dessen Pass in den Rücken der Abwehr den völlig freien Mahmoud Dahoud erreichte. Der hätte den Ball sogar annehmen können, schoss aber direkt mit der Seite - und mit etwas Pech nur an den Außenpfosten (7.). Es sollte die einzige nennenswerte BVB-Annäherung in der ersten Hälfte an das Bayern-Tor bleiben.

Was folgte, war eine denkwürdige Demontage. Der BVB wurde förmlich in seine Einzelteile zerlegt. Hummels durfte wieder frei köpfen, das war das 1:0 (10.). Dann spielte Dan-Axel Zagadou als letzter Mann einen Katastrophen-Ball in die Füße von Robert Lewandowski, der im Stile eines Weltklasse-Torjägers über Bürki lupfte und dann aus 18 Metern mit einem Seitfallzieher sein 200. Bundesliga-Tor erzielte - 2:0 (17.).

Bürki verhindert ein Debakel

Allein Roman Bürki im Tor verhinderte ein frühes Debakel, er parierte gegen Müller, Lewandowski und erneut Hummels - ehe er erneut im Stich gelassen zum dritten Mal den Ball aus dem Netz holen musste. Den Schuss von Joshua Kimmich konnte der Schweizer noch abwehren, Javi Martinez aber setzte den Abpraller überlegt ins Netz (40.). Serge Gnabry legte noch einen drauf (4:0, /43.), wieder schaute Dortmund nur zu. Es war ein mutloser Auftritt, Apathie hatte alle Borussen ergriffen.

Favre stapfte bedient in die Kabine, auch er aber hatte seinen Anteil mit einer Aufstellung, die überraschend war und überhaupt nicht aufging. Lukasz Piszczek nach zweimonatiger Pause gegen den pfeilschnellen Coman zu bringen, war ein fataler Fehlgriff. Ebenso, Mario Götze zu opfern für Mahmoud Dahoud, der auf der zentralen Position komplett überfordert war. Und Marco Reus, der für Götze in die Spitze rückte, war dort total verschenkt, nur 14 Ballkontakte zeigen, dass die Partie komplett an ihm vorbeilief. Sein Frust war im Verlauf unübersehbar. 15:3-Torschüsse sammelten die Bayern bis zur Halbzeit, selten hatten sie diesen Klassiker so dermaßen dominiert.

Zagadou nach 45 Minuten erlöst

Zur Pause erlöste Favre Zagadou und brachte Julian Weigl. Erst nach 62 Minuten korrigierte er das Missverständnis mit Dahoud. Etliche andere hätte er auch herunternehmen können, von Axel Witsel war nichts zu sehen, bei Jadon Sancho landete beinahe jeder Ball in den Füßen des Gegners, Dribblings sah man von ihm gar nicht.

Ein Aufbäumen durfte man nach dieser rätselhaften Nicht-Leistung in den ersten 45 Minuten wohl auch nicht mehr erwarten. Es war ein rabenschwarzer Abend für den Tabellenführer, an dem es nach der ersten Hälfte allein um Schadensbegrenzung ging. Und die Bayern machten es gnädig, es war ohnehin nicht so, als ob sie an diesem Abend eine überragende Leistung auf den Rasen gebracht hätten. Lewandowski vergab freilich zunächst noch das 5:0 (79.) und seinen möglichen zweiten Treffer, der ihn in der ewigen Rangliste der besten Torschützen im Duell Bayern gegen BVB an Gerd Müller vorbeigebracht hätte. Das holte er dann in der 89. Minute nach.

Froh, als es endlich vorbei war

Offensiv kam von der Borussia auch nach der Pause und Favres Wechseln nichts. Der Schock hatte sich tief in die Glieder der Borussen gefressen. Sie alle waren froh, als es endlich vorbei war.

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