Alan Caincross ist ein Hertha-BSC-Fan und der Greenkeeper im Olympiastadion. Der gebürtige Schotte mag die Spuren der Hammerwerfer nicht so sehr.
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Alan Caincross ist ein Hertha-BSC-Fan und der Greenkeeper im Olympiastadion. Der gebürtige Schotte mag die Spuren der Hammerwerfer nicht so sehr.

Pokalfinale im Olympiastadion

Dieser Mann kümmert sich um den Endspiel-Rasen

BERLIN - Alan Caincross schafft für das Pokal-Endspiel die grüne Arbeitsgrundlage der Fußballprofis vom BVB und des FC Bayern. Der Greenkeeper verpasst dem Rasen im Berliner Olympiastadion am Final-Tag zur Mittagszeit den letzten Schnitt. Eine Sorte von Sportlern fürchtet der Hertha-BSC-Fan ganz besonders.

Das Endspiel um den DFB-Pokal ist der Höhepunkt im Terminkalender des Berliner Olympiastadions – und ohne einen Schotten läuft in diesem Fußball-Finale nichts: Alan Caincross heißt der aus Schottland stammende Greenkeeper, der nicht etwa englischen Rasen hegt und pflegt. Das Grün im Berliner Olympiastadion ist sein Reich. Beim Rasen handelt es sich um ein Samengemisch aus Schwerin. Für den Berliner Caincross mit englischem Akzent „der beste Rasen, den wir hier je hatten.“

"Beste Bedingung bieten"

„Wir wollen den Mannschaften und dem Publikum die besten Bedingungen bieten. Der Rasen ist das Herzstück. Der muss also tiptop sein“, sagt Christoph Meyer als Veranstaltungs-Direktor des Berliner Olympiastadions und verweist auf den Greenkeeper am Spielfeldrand, der gerade mit einem Gartenschlauch die Tartanbahn säubert und das Spielfeld „im deutschen Wembleystadion“ so gut hütet wie ein Trainer seine Taktik vor dem Anpfiff – „am liebsten würde Alan Caincross niemanden auf den Rasen lassen“, sagt Meyer respektvoll.

Tatsächlich ist Alan Caincross kritisch und empfindlich, was die Rasenpflege angeht: „Er muss für die Spieler perfekt bespielbar sein und für die Zuschauer auch an den Fernsehern schön aussehen“, sagt der 60-Jährige über die Arbeitsgrundlage der Fußballprofis im DFB-Pokal und das Schnittmuster, für das seine Kollegen bei Schrittgeschwindigkeit auf dem Rasenmäher sitzend an einer Richtschnur entlang fahren.

Die Folter der Fußballer

Leicht hat es der Rasen im Olympiastadion nicht. Fußballer foltern ihn regelrecht, aber für sie hat der leidenschaftliche Hertha-BSC-Fan ein Herz. Keine anderen Sportler fürchtet Alan Caincross ansonsten so sehr wie die Hammerwerfer, die mit ihren Wurfgeschossen fiese Kerben ins Grün wuchten. Caincross trimmt den Rasen am Abend vor Leichtathletik-Wettkämpfen deshalb auf robust und entzieht ihm das fürs Wachstum so wichtige Wasser – „kein Wasser, damit der Boden schön hart ist“, erklärt er.

Den finalen Schnitt verpasst der 60-jährige Platzwart dem 110 Meter langen und 72 Meter breiten Rasen am Endspieltag. Alan Caincross übergibt dem DFB spätestens um 12 Uhr den 2,4 Zentimeter langen Sommerschnitt. Im Winter geht er auf 3 Zentimeter rauf.

Rasen erst im März angelegt

Der olympische Rasen ist ein noch junges Gewächs: Sattelschlepper haben die grüne Grundlage am 7. März 2016 angeliefert. Nach zweieinhalb Arbeitstagen waren die 8000 Quadratmeter verlegt. Seitdem ist der Rasen nahezu wöchentlich bespielt worden. Ein Härtetest für jeden Halm und auch Alan Caincross, der seit über 35 Jahren fürs Wachstum im und am Berliner Olympiastadion verantwortlich ist.

Nach dem Anpfiff ist Alan Caincross am 21. Mai 2016 ständig im Stadion unterwegs. Den zuvor über Wochen liebevoll gepflegten Rasen muss er den Stollen der 22 Kicker überlassen, ohne auf Schäden reagieren zu können. Trotzdem passt der Schotte gut auf: „Ein Tor könnte kaputt gehen oder ein Netz könnte reißen.“ Zufrieden ist der Greenkeeper erst, wenn das Final-Spektakel vorbei ist. Dann gehört der olympische Rasen wieder ihm. Nur ihm.

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